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ir waren eingeladen. Aufs Land. Ein Freund ist dort hinausgezogen, mit Frau und Kind, in ein hübsches, gelb gestrichenes altes Häuschen mit Heuboden, Werkstatt und mit ausgebautem Dachstuhl - für die Gäste. In der Küche stand ein Herd, den man noch mit Holz befeuerte, und am Abend saßen wir rund um den Holztisch, aßen nicht ganz stilecht Paella, die Nachbarn waren auch da - ja, so lebt es sich in Pitten.
Unser Freund erzählte, wie sie zu diesem Haus gekommen sind, und wie schön es hier im Sommer sei. Ich stellte mir vor, wie die drei Bäume im Hof dichte Schatten werfen, während in Wien die Sonne die Fassaden aufheizt, und wie man abends unterm Sternenhimmel sitzt. Dafür sei es, meinte unser Freund, leider noch zu kalt. Was mir in dem Moment wichtiger war: Den Kindern war es nicht zu kalt. Sie trieben sich noch lange nach Einbruch der Dunkelheit im Garten herum, keine Ahnung, was sie dort machten, ich weiß nur: Am nächsten Morgen wollten sie sofort wieder hinaus, setzten Stecken in die Erde und begossen sie, mit einem solchen Ernst, dass niemand auf die Idee gekommen wäre, ihnen zu sagen, dass so gewiss kein Baum . . .
Am nächsten Tag mussten wir wieder zurück nach Wien. Wir stiegen ein paar Straßenbahnstationen früher aus und gingen ein bisschen zu Fuß, mein Mann zog Schuhe und Socken aus, woraufhin uns ein kostümierter Mozartkonzertkarten-Verkäufer in ein Gespräch verwickelte. Ich schaute vom Burggarten Richtung Palmenhaus und dachte daran, dass ich der Pittener Nachbarin ob ihrer Hymne auf das Landleben erklärt hatte, dass ja irgendwer auch in Wien leben muss. Was ich aber nicht gesagt hatte, war, dass ich Wien liebe, ich liebe diese vergebliche Größe, den Schmuck der Fassaden, das Katzenkopfpflaster in unserer Gasse, ich vergöttere den Volksgarten, wenn er blüht, den Beserlpark ums Eck, wenn im Sommer die Kinder ihre nackten Bäuche in den Strahl des Hydranten halten. Ich liebe die Kastanienbäume im Prater, die Alte Donau, die Kurrentgasse, in deren Fenstern das Frühlingslicht aufblitzt - und ich bin stolz auf jeden Touristen, der den Weg in diese Stadt findet. Es ist eine schöne Stadt.
Wenn meine Kinder aufs Land ziehen wollen, hatte ich der Pittener Nachbarin gesagt, müssen sie halt 18 werden. Sie hat gelacht.
Ich meine es ernst.