Weiberrede Widerrede: Holt den Feldhasen heim

Jetzt ist der Hase also in Madrid. Dü rers Tier bereitet sich auf eine    Ausstellung im Prado vor. Blöd nur: Das dürfte er gar nicht. Er sollte, finden die Denkmalschützer, besser in der Albertina ruhen, abgedunkelt im Archiv. Der Feldhase, meinen sie, ist ein empfindliches Tier!

Dass er empfindlich ist, weiß auch Albertina-Direktor Schröder. Allein: Er kann keine Rücksicht darauf nehmen. Es ist nämlich Brauch unter den Museumsdirektoren dieser Welt, dass nur kriegt, wer auch gibt. Und nachdem Schröder ambitionierte Ausstellungen plant, braucht er so einiges, wofür er denn auch was herborgen muss. Den Hasen zum Beispiel. So funktioniert das eben.

Nun ist es ja nicht so, dass mir an dem Feldhasen viel liegen würde, tatsächlich sehe ich mir lieber eines von Dürers hingefetzten Reiseaquarellen an. Trotzdem: Es war falsch, den Hasen auf Reisen zu schicken. Es ist überhaupt verkehrt, die Alten Meister kreuz und quer durch Europa zu karren. Die Bilder sollen bleiben, wo sie sind: im Museum. Dafür sind Museen da. Und die Sonder-Ausstellungen? Sollte man sich sparen.

Ich meine: Wie viele Bilder kann man sich schon merken? Bei all den Rubens-Werken, die ständig hier hängen - braucht man da wirklich eine Sonderschau? Wir sind in Wien! Hier gibt es fast alles! Und für den Rest? Existieren Autos, Busse, Flugzeuge: Nach Madrid, Paris, Florenz . . .

Dazu kommt: Ausstellungen zu besuchen ist ein schales Vergnügen: Man sieht Bilder, findet an ihnen Gefallen, aber bevor man sie studieren kann, sind sie weitergereist - oft weiß man nicht wohin. Ein Museum dagegen! Schön zu wissen, dass Tizians "Pelzchen" hängt, wo es hängt. Dass ich Bellinis blasse Dame mit dem Tuch im Kunsthistorischen finde. Oder die "Vier Bäume", sollte ich wieder eine Schiele-Phase haben. Oder, für den Fall, dass ich nach Madrid komme: Goyas "Hund". Wie beruhigend, dass man sie jederzeit besuchen kann - wenn sie nicht gerade auf Reisen sind.

G
ut, mag sein, ich bin da altmo disch. Vielleicht lockt man das Pu blikum wirklich nur mehr mit Events. Und ganz gewiss ist meine Sehnsucht nach der alten Albertina mit ihrem Lesesaal, den Mappen und dem Kugelschreiberverbot hoffnungslos versnobt.

Aber wenn man den Ausstellungszirkus schon nicht mehr anhalten kann, dann darf ich von Museumsdirektoren doch wenigstens eines verlangen: Dass sie ihre Bestände als einen Schatz, als schützenswertes Gut betrachten - und nicht als schnöde Tauschware.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

Wie beruhigend, dass man Tizians "Pelzchen" jederzeit in seinem Museum besuchen kann.

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