Weiberrede Widerrede: Mädchen gegen Buben

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er Felix hat mir in mein Heft geschmiert", sagt Hannah. Der Thomas hat zur Lehrerin gesagt: "Jawohl du Trottel", erzählt Laura, Hannahs Freundin. "Und der Moritz spuckt. Wirklich, der spuckt!" Mädchen sind brav. Buben sind schlimm. Sagen Hannah und Laura, und Laura sagt außerdem, sie will jetzt Karate lernen - sie muss nämlich der Uschi helfen. Uschi ist die Lehrerin.

Laura lernt natürlich nicht Karate, sie geht Ballett - und Lauras Mama sagt, die Koedukation ist gescheitert. Damit meint sie, glaube ich, nicht die Koedukation an sich, sondern nur die Sitzordnung in der Klasse: Buben neben Mädchen. Vermutlich, damit sich die Buben nicht gegenseitig zu noch größerem Mutwill anspornen. Die Mädchen als Puffer? Ich weiß nicht, ob das klappt. Was die Buben sonst so treiben würden? Ich habe keine Ahnung von Buben.

Ein Kollege von mir, dessen Sohn ebenfalls heuer eingeschult wurde, hat neulich gemeint, ihm ginge dieser weichgespülte Erziehungsstil auf die Nerven. Überall Frauen, zu wenig Bewegung und vor allem: Viel zu wenig Konkurrenz! "Die Buben wollen doch wissen, wer was besser kann. Die wollen sich aneinander messen!" Tun sie ja sonst auch dauernd.

Ich erinnere mich an letzten Sommer, als ich mit meinem Vater zu einem Fest aufs Land fuhr. Die halbe Dorfjugend war da und wir beobachteten zwei fünfjährige Viertelstarke, wie sie ineinander verkeilt über den Hof rollten. "Also ich könnte da als Mutter nicht zusehen", meinte ich: "Ich würde einen Brüller loslassen und schreien: Jetzt hört endlich auf zu raufen und spielt miteinander!" Das, meint mein Vater, sei aber gerade der Irrtum: "Die spielen ja!" Nur heißt das Spiel halt: Wer ist der Stärkere?

So gesehen hat mein Kollege vielleicht Recht - und ich stelle mir vor, wie das wäre. Die Lehrerin, nein: der Lehrer steht vor der Klasse und ruft: "Auf Los geht's los, wer die Rechnungen am schnellsten fertig hat, hat gewonnen." Ich bin mir sicher, die Buben wären plötzlich ruhig und ziemlich konzentriert.

Am Land, habe ich erfahren, dass der schwächere der beiden Buben eine seltsame Eigenheit hat: Er beißt sich selbst in die zur Faust geballte Hand. Es kommt vor, dass er blutet.

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