U
nsere ältere Tochter kommt in die Schule. Es ist eine nette Schule, gleich ums Eck. Mit einer entzückenden Lehrerin, von der die Eltern schwärmen, und wenn man die Kinder fragt, die sie kennen, sagen sie alle dasselbe: "Die? Die ist urnett." Was will man also mehr? Na ja: Vielleicht eine Klasse, in der nicht 27 Kinder sitzen?
Aber ich will nicht unbescheiden sein. Wir wohnen in einem "guten" Bezirk, mittelständisch und bildungsbeflissen, mit Kindern, denen die Zähne nicht im Mund wegfaulen. Alle sprechen deutsch und die Eltern sind so engagiert, dass sie ab und an ein wenig in der Klasse aushelfen wollen. Weil 27 Kinder, so viel ist allen klar: Das ist eben wirklich sehr viel.
Ich frage mich nur, wie das in anderen Bezirken zugehen mag, das heißt: Eigentlich muss ich mich das nicht fragen, das weiß ich. Darum wundere ich mich stattdessen, wie man auf die befremdliche Idee kommen kann, ausgerechnet bei der Bildung herumzuknapsen. Ich meine: Es ist doch paradox. Da starren wir alle wie das Kaninchen vor der Schlange auf China, auf Indien, auf all die Länder, die mit ihrem Wirtschaftswachstum auftrumpfen und, oh Schreck, zunehmend "intelligente" Produktionsaufgaben übernehmen.
Wir beten Zahlen herunter, wonach im Jahr 2050 jeder dritte Österreicher über 60 Jahre sein wird, und machen uns Sorgen um unsere Pensionen und darüber, dass dann die innovative Kraft der jungen Menschen fehlen wird. Andererseits finden wir es aber ganz in Ordnung, dass die wenigen Jungen, die es heute gibt, ob in der Schule oder auf der Universität, eine Ausbildung erhalten, die zwar meinetwegen eh mittelmäßig ist, aber jedenfalls keineswegs so gut, wie sie es sein könnte.
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rgendwie tun wir so, als lebten wir noch vor vierzig Jahren, wo man sich sagte, man braucht ja auch Bauarbeiter und Spengler und Maschinenschlosser, was sollen die da groß Physik lernen oder Englisch oder überhaupt: studieren. Ist ja Zeitverschwendung. Das war damals schon falsch. Inzwischen hat sich die Arbeitswelt ziemlich verändert. Was aber die jungen Leute in zehn, zwanzig Jahren werden wissen müssen, davon haben wir heute nicht einmal eine Ahnung! Sicher ist nur: Besser wird sein, sie wissen mehr.