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Dalai-Lama-Besuch im Weißen Haus erzürnt China

Der Dalai-Lama bei einem Vortrag.
Der Dalai-Lama bei einem Vortrag.APA/CHRISTOPHER JUE
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Wegen eines Treffens des tibetischen Oberhaupts mit US-Präsident Barack Obama droht Peking den USA mit Konsequenzen.

Von unserem Korrespondenten
FELIX LEE

Peking. Es soll sich nur um ein Treffen in einem Saal im Erdgeschoß des Weißen Hauses handeln und nicht im präsidialen Oval Office. Doch Chinas Führung ist das egal. Sie zeigt sich trotzdem empört darüber, dass Barack Obama am Freitag den Dalai-Lama zu einem einstündigen Gespräch getroffen hat.

Das Treffen sei „eine grobe Einmischung in Chinas innere Angelegenheiten", wetterte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, am Freitag - noch bevor das Treffen überhaupt stattgefunden hatte. Sie warf dem US-Präsidenten vor, den Separatismusbestrebungen des Dalai-Lama Vorschub zu leisten und „antichinesische Aktivitäten" zu fördern. „Das Treffen wird den Beziehungen zwischen China und den USA großen Schaden zufügen."

Dalai-Lama als Separatist

Die Führung in Peking betrachtet den Dalai-Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, als Separatisten, der das 1950 annektierte Tibet von der Volksrepublik abspalten wolle. Obwohl der Dalai-Lama mehrfach versichert hat, dass er eine völlige Unabhängigkeit gar nicht anstrebe, sondern sich nur für mehr religiöse, soziale und kulturelle Freiheit seiner Anhänger in China einsetze, nimmt ihm die chinesische Führung das nicht ab.
Sie macht dem seit fast 60 Jahren im Exil lebenden 78-Jährigen zudem verantwortlich für die mehr als 120 Selbstverbrennungen der vergangenen Jahre. Aus Unmut über die chinesische Besatzung zünden sich regelmäßig in den tibetisch besiedelten Gebieten Chinas Mönche, Nonnen und tibetische Bauern selbst an. Die chinesischen Behörden reagieren mit Repression gegen die Bevölkerung.

Rundreise durch die USA

Wie die meisten westlichen Länder sympathisieren die USA mit dem Dalai-Lama. Auf seiner derzeitigen Rundreise durch die Vereinigten Staaten wird er stets mit großem Jubel empfangen. Allerdings betont die US-Regierung, dass sie den Status Tibets als Teil der Volksrepublik nicht anzweifle. Sie unterstütze nur die Forderungen nach mehr Autonomie. Obama und das geistige Oberhaupt der Tibeter verbindet, dass sie beide Träger des Friedens-Nobelpreises sind.


Obama hatte den Dalai-Lama im Juli 2011 schon einmal im Weißen Haus empfangen. Auch damals hatte die chinesische Führung aufs Heftigste protestiert und mit Konsequenzen gedroht. Die blieben aber aus. Die Beziehungen zwischen China und den USA befanden sich 2011 und in den Folgejahren ohnehin auf einem Tiefpunkt. Der Arabische Frühling hatte in den westlichen Staaten die Hoffnung genährt, dass sich auch China politischen Reformen öffnen würde. Stattdessen aber unterdrückte die chinesische Führung umso heftiger den Nachrichtenfluss aus dem Ausland und ging gegen Dissidenten vor. Die diversen Inselstreitigkeiten zwischen China und seinen Nachbarstaaten im Süd- und Ostchinesischen Meer in den folgenden Jahren haben die Beziehungen zwischen den beiden Großmächten ebenso belastet.


Seitdem Xi Jinping vor einem Jahr das Amt des chinesischen Staatsoberhauptes übernommen hat, ist die KP-Führung jedoch wieder um eine Annäherung bemüht. Im Umgang mit Nordkorea hat sich China von seinem einstigen Bruderstaat abgewendet, nachdem Pjöngjang entgegen den Absprachen einen Atomtest durchführte. China ist nun um eine gemeinsame Strategie mit den USA bemüht.

Eiszeit mit London

John Power, Asien-Experte der National University in Australien, glaubt daher, dass die Auswirkungen des Dalai-Lama-Empfangs im Weißen Haus gering bleiben dürften. Peking müsse schon aus Prinzip Protest erheben, gilt der Dalai-Lama in China doch offiziell als Hochverräter. Die Wortwahl sei aber immer die gleiche. „Nichts ist jemals wirklich passiert."


Das mag im Fall der USA so sein. Weniger einflussreiche Staaten haben es jedoch schwerer. Nachdem Großbritanniens Premier David Cameron kurz nach seinem Amtsantritt den Dalai-Lama empfing, wurden von Peking daraufhin sämtliche politische Beziehungen auf Eis gelegt. Es dauerte anderthalb Jahre, bis die chinesische Führung sich versöhnlich zeigte und Cameron empfing.