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Die Fed ist der größte US-Geldgeber

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Niemand kauft mehr US-Staatsanleihen als die dortige Notenbank Federal Reserve. China hat die US-Papiere zuletzt sogar so schnell abgestoßen wie seit zwei Jahren nicht.

Wien/Washington. Der ehemalige UBS-Vizechef in New York, Ash Bennington, hat einmal diesen Satz niedergeschrieben: „Die stärkste Kraft im Universum ist nicht die Liebe – es sind die Bondmärkte.“ Seit sich die Finanzkrise von 2008 immer mehr zu einer Staatsschuldenkrise entwickelt hat, wird dieses Zitat regelmäßig bestätigt.

An den Märkten für Staatsanleihen (auch Bond- oder Rentenmärkte genannt) entscheidet sich, in welchen Hauptstädten geschwitzt – und in welchen durchgeatmet wird. Wessen Rating in Gefahr ist – und wer auf einen „positiven Ausblick“ hoffen darf.

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Fed-Käufe: Plus 552 Mrd. Dollar

Seit 2008 sind die Bondmärkte aber auch zu einem Instrument der Geldpolitik geworden bzw. hat die Geldpolitik die Märkte einigermaßen verzerrt. Hauptrolle spielt (schon allein wegen der Leitwährungsfunktion des Dollars) der Markt für US-Anleihen (Treasuries). Denn seit der Krise kauft die US-Notenbank Federal Reserve in noch nie da gewesenem Maße US-Anleihen und drückt somit die Zinsen für Obama (und die Renditen für Anleger).

Diese Praxis wird von vielen Ökonomen und auch von China und europäischen Notenbankern immer wieder kritisiert – da diese Art der Staatsfinanzierung durch die Notenpresse die Gefahr von Inflation und Geldentwertung mit sich bringt. Und je mehr US-Staatsanleihen die Fed hält, desto größer die ultimative Gefahr.

Auch wenn sie ihr Anleihenkaufprogramm langsam zurückfahren will und inzwischen von 85 auf 65 Mrd. frische Dollar pro Monat gedrosselt hat: Die eigene Zentralbank ist inzwischen der mit Abstand größte Gläubiger Washingtons. Allein im vergangenen Jahr hat die Federal Reserve US-Anleihen im Wert von 522 Mrd. Dollar in ihre Bücher genommen – das ergeben kürzlich von der Fed veröffentlichte Daten. Das Problem: Alle ausländischen Gläubiger zusammen haben lediglich Treasuries im Wert von 221 Mrd. Dollar gekauft – die Fed hat also fast das Dreifache „investiert“. Die Zentralbank hat ihren Bestand an US-Anleihen auf rund 2,2 Billionen Dollar ausgebaut – ein Anstieg von mehr als 33Prozent (siehe Grafik). China hält nur noch wenig mehr als die Hälfte an US-Anleihen.

Und die Begeisterung in Peking, der USA Kredit zu gewähren, scheint enden wollend. Im Dezember hat China US-Papiere im Wert von 48 Mrd. Dollar auf den Markt geworfen – der größte Verkauf von US-Staatsanleihen durch China in zwei Jahren. Das bedeutet keineswegs, dass China zu einem kleinen US-Gläubiger wird. Pekings Vorrat an US-Anleihen ist im Jahr 2013 sogar gewachsen. Ebenso in Japan und in den Portfolios der karibischen Hedgefonds. Aber niemand hat im Jahr 2013 mehr US-Staatsanleihen gekauft als die eigene Zentralbank.

Ein weiterer Großkunde ist lediglich das kleine Belgien, das seine Vorräte laut Fed um fast 90 Prozent ausgeweitet hat. Viele Analysten vermuten aber, dass Belgien stellvertretend für den Rest der EU US-Anleihen kauft, wenn Washington finanzielle Hilfe von den europäischen Freunden benötigt. Und die Gesamtmenge der US-Anleihen in europäischen Händen ist ohnehin eher gering.

 

Washington muss sparen

In Europa (speziell in Deutschland) herrscht große Ablehnung gegenüber der Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Inwiefern es der Fed aber tatsächlich gelingen kann, die Anleihenkäufe zurückzufahren und mittelfristig wieder einen freien Bondmarkt zu schaffen, wird vor allem davon abhängen, ob die US-Regierung in Washington das Sparen lernen kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2014)