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Semperoper Dresden: Thielemanns Alleingang

(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Der designierte Intendant, Serge Dorny, darf sein Amt nicht antreten und macht dem Dirigenten brieflich Vorwürfe.

Ein „künstlerisches Konzept im Einklang mit der Institution unter Berücksichtigung aller in ihr enthaltenen Sparten (Oper, Konzert und Ballett)“ wollte Serge Dorny in Dresden verwirklichen. Die Semperoper sollte ihre „führende Rolle unter den deutschen und europäischen Bühnen zurückzugewinnen“. Das schreibt Dorny in einem offenen Brief, nachdem die Dresdner Kulturpolitik hat verlauten lassen, dass er seinen Dienst als neuer Intendant der Semperoper nicht antreten wird.

Dorny sollte mit September 2014 an der Seite des Generalmusikdirektors Christian Thielemann die Geschicke des sächsischen Opernhauses, Uraufführungsstätte vieler Werke von Richard Strauss, leiten. Doch hinter den Kulissen muss es Unstimmigkeiten gegeben haben. Er hätte stutzig werden sollen, meint Serge Dorny in dem Brief, dass die Vertragsverhandlungen mehr als ein halbes Jahr in Anspruch genommen hatten und keine klaren Entscheidungsstrukturen festgelegt wurden. „Bereits im Vorfeld meiner Zusage zum angebotenen Vertrag habe ich mich intensiv darum bemüht, in Erfahrung zu bringen, wie die Kompetenzen unter den Entscheidungsträgern der Institution verteilt sind und hier im Speziellen die Aufgabengebiete des Chefdirigenten der Dresdner Staatskapelle, Christian Thielemann. Leider sind mir diese essenziellen Informationen trotz mehrfacher Nachfrage seit dem Sommer 2013 nur sehr sporadisch und wie ich im Nachhinein feststellen musste, sehr rudimentär durch die öffentlichen Vertreter zur Verfügung gestellt worden.“ De facto konnte sich Dorny nicht mit Thielemann über die Führung des Hauses einigen. Er habe festgestellt, dass der Dirigent „nicht gewillt“ sei, „an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten, sondern allein auf seine Unabhängigkeit und die der Staatskapelle bedacht ist, zum Nachteil der Gesamtheit der Aktivitäten der Semperoper“.

Dorny überlegt Klage

Diese Situation sei, so Dorny, nicht neu. Doch die „öffentliche Hand bevorzugt es, diese Realität zu ignorieren“. „Leidtragend“ sei nun „in erster Linie die Semperoper selbst. Seit meiner Ankunft in Dresden konnte ich mit einem hoch kompetenten, motivierten Team zusammenarbeiten, welches sich leidenschaftlich für die Semperoper einsetzt.“ Haus und Team „besitzen ein riesiges Potenzial und sind voller Hoffnung. Die Projekte, die ich mit ihnen entwickelt habe, hätte ich nicht gegen und schon gar nicht ohne Christian Thielemann verwirklichen können.“

In einem Interview mit der DPA verlangt Dorny von der Politik „respektvollen Umgang. Für mich ist das eine neue Situation. Mal sehen, was passiert. Ob ich klagen werde, muss ich mit meinem Rechtsanwalt besprechen.“ (sin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2014)