Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

ORF-Mitarbeiter wehren sich gegen Übersiedlung

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Der Betriebsrat macht gegen die geplante Übersiedlung mobil. Vor allem die Radiojournalisten wollen nicht auf den Küniglberg.

Es wäre nicht der ORF, würde nicht eine Entscheidung von ganz oben in der Redaktion geprüft, kritisiert und dann öffentlich zerpflückt werden. ORF-General Alexander Wrabetz würdigt seine Mitarbeiter bei solchen Gelegenheiten stets wegen ihres Hangs zum Hinterfragen – auch wenn er selbst oder die Geschäftsführung in Fadenkreuz steht. Derzeit macht der Betriebsrat gegen die geplante Übersiedlung aller ORF-Teile auf den Küniglberg mobil: Radio- und Online-Mannschaften sollen in das seit jeher von den Kollegen vom Fernsehen bevölkerte ORF-Zentrum am Küniglberg übersiedeln, wo nach Wunsch der Geschäftsführung auch ein gemeinsamer (trimedialer) Newsroom entstehen soll. Dieses Projekt „wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt“, kritisiert ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser. Vor allem Fragen „räumlicher und organisatorischer Natur“, aber auch die Unabhängigkeit der journalistischen Bereiche betreffend.

Moser vertritt die Mitarbeiter im Stiftungsrat am 6.März. Dort will Wrabetz über den gemeinsamen Standort Küniglberg abstimmen lassen. Moser meint, er habe „nach wie vor die Hoffnung“, dass es Stiftungsräte gibt, die eine solch finanziell wie unternehmenspolitisch weitreichende Entscheidung „nicht so ohne Weiteres zur Kenntnis nehmen“.

 

Ersparnis „nicht nachvollziehbar“

Vor allem seine Kollegen vom Radio, die in der Argentinierstraße residieren, legen sich quer. Die Belegschaftsvertretung des ORF-Landesstudios Wien fordert die Geschäftsführung in einer Resolution auf, „das Funkhaus nicht leichtfertig fragwürdigen Synergieeffekten und vermeintlichen Einsparungen zu opfern“. Die zentrale Lage ermögliche „topaktuelle Berichterstattung“ und sei für die Arbeit des Landesstudios „von entscheidender Bedeutung“, heißt es darin. Moser assistiert: „Bis jetzt gibt es nur Kostengründe für ein Aufgeben des Funkhauses, und nicht einmal die sind wirklich nachvollziehbar.“ Die Geschäftsführung erwartet von der Zusammenführung aller Redaktionen an einem Standort eine jährliche Kostenersparnis von zehn Millionen Euro. Moser befürchtet einen weiteren Personalabbau.

Wenn der Stiftungsrat dem Wunsch von Wrabetz folgt und sich für den Standort Küniglberg entscheidet, bedeutet das das endgültige Aus für einen ORF-Neubau in St. Marx. Die lange Zeit für den ORF reservierte Fläche muss dann anderweitig verwertet werden. Man sei „nicht untätig“ gewesen und habe „an Alternativen gearbeitet“, heißt es dazu seitens der Wiener Stadtentwicklung GmbH. Bürgermeister Michael Häupl (SP), der sich den ORF lieber in St. Marx als am Küniglberg wünschte, wollte die Causa vorerst nicht kommentieren. (APA/i.w.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2014)