Schaden. Mehr als 15 Mio. Dollar illegaler Gewinn.
New York (red/ag). An der Wall Street zeichnet sich einer der größten Insiderskandale seit den achtziger Jahren ab. Darin verwickelt sein sollen Mitarbeiter prominenter Finanzinstitute, darunter UBS, Morgan Stanley, die Bank of America und Bear Stearns. US-Staatsanwalt Michael Garcia hat gegen insgesamt 13 Personen Klage erhoben. Die ihnen vorgeworfenen Straftaten reichen vom Wertpapierbetrug bis zur Verschwörung.
Garcia wirft den Beschuldigten vor, von ihrem Vorabwissen bei Fusionen und Aktienempfehlungen profitiert zu haben. Laut Linda Thomsen, Chefermittlerin der US-Börsenaufsicht SEC, liefen die Komplotte über fünf Jahre, in denen Hunderte von Tipps gegeben wurden. Teilweise wurden die Informationen gestohlen. Die illegalen Insidergewinne sollen sich auf mehr als 15 Mio. Dollar (11,3 Mio. Euro) belaufen.
Abgelaufen sind die Coups laut einem Bloomberg-Bericht fast filmreif: Den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft zufolge benutzte ein UBS-Mitarbeiter Wertkartenhandys für Text-Nachrichten, um Hedge-Fonds-Händlern Tipps über bevorstehende Änderungen von Analystenratings zukommen zu lassen. Bei Morgan Stanley hat eine Juristin in der Compliance Abteilung ihrem Mann Informationen über bevorstehende Übernahmen zugesteckt, ist den Gerichtsakten zu entnehmen. Eines der Komplotte wurde 2001 in der Oyster Bar in der New York Grand Central Station ausgeheckt. Vier der Beklagten haben sich bisher schuldig bekannt, die anderen taten dies nicht und wurden gegen die Zahlung von Kautionen – die höchste lag bei 500.000 Dollar – freigelassen. Gegen die Banken wurde keine Klagen erhoben, sie arbeiten mit den Behörden bei der Aufklärung zusammen.
Durch den jetzt aufgeflogenen Insiderskandal dürfte in den USA den Ruf nach einer stärkeren Überwachung von Hedge Fonds und deren Verbindungen zu Investmentbanken wieder lauter werden lassen. Immerhin werden drei Hedge Fonds – Lyford Cay Capital, Chelsey Capital und Q Capital Investment Partners – beschuldigt, die größten Nutznießer des Betrugs gewesen zu sein. Die Investmentbanken kassieren von den Hedge Fonds jährlich zehn Mrd. Dollar an Provisionen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2007)