Elsner-Verteidiger Wolfgang Schubert will im Prozess scharf gegen Investmentbanker Wolfgang Flöttl schießen.
Die Presse: Helmut Elsner ist wieder in Österreich. Er hat Reise und Herz-Operation gut überstanden. Bleiben Sie dabei, dass seine Rückholung rechtswidrig war?
Wolfgang Schubert: Ja. Helmut Elsner war in Frankreich gegen Kaution auf freiem Fuß und wurde aus einem Krankenzimmer, in dem er mit Kenntnis des Staatsanwaltes wegen Vorhof-Flimmern und zur Operationsvorbereitung, angeschlossen an Überwachungseinrichtungen und Infusionen, lag, unter Polizeigewalt weggebracht.
Durch die Rückholung wurden aber Tatsachen geschaffen.
Schubert: Über die kommen wir nicht hinweg. Wir lassen nun feststellen, dass dieser Vorgang gegen die Menschenrechte verstößt.
Wird es zur Verurteilung Elsners kommen?
Schubert: Es läuft vieles auf einer schiefen Ebene ab, ich brauche mir nur die Verhängung der U-Haft anzusehen. Der Haftbefehl erging ausschließlich wegen eines Illustrierten-Artikels, wonach Herr Elsner mit einem Porsche Handy-telefonierend herumgerast sei. Die Journalisten haben vor Monaten widerrufen, dennoch ist der Haftbefehl nicht aufgehoben worden. Und wenn ich daran denke, dass Laienrichter in Strafverfahren mit entscheiden, muss man angesichts der medialen Vorverurteilung schon besorgt sein.
Wenn also alles in Richtung Verurteilung läuft, ist mit einer hohen Haftstrafe zu rechnen.
Schubert: Ja, wenn es zu einer Verurteilung kommt, dann muss man mit einer hohen Freiheitsstrafe rechnen. Verstehen Sie, dass sich der Volkszorn an einer Figur wie Elsner entlädt – autoritär, vermögend, Golfspieler, Villa in Frankreich. Motto: Der kann sich's richten?
Schubert: Dieser Volkszorn wurde in der heißesten Wahlkampf-Phase gezielt geschürt. Die Sozialdemokraten haben versucht, den Vorwurf roter Misswirtschaft auf Elsner abzuladen und ihn als kriminell hinzustellen. Den übrigen Parteien gelang es, ihn als personifizierte rote Misswirtschaft darzustellen, und die Öffentlichkeit ist auf beide Taktiken rein gefallen.
Der Vorwurf lautet auf „Untreue“, mit Schaden zu Lasten der Bawag in der astronomischen Höhe von 1,5 Milliarden Euro – was sagt Elsner?
Schubert: Elsner wird klar machen, welche Entscheidungen im Vorstand warum getroffen worden sind und dass der weit überwiegende Teil des Schadens durch Vertragsbruch eines externen Portfolio-Managers zustande kam.
Aus Anklage-Sicht ist Elsner die Zentralfigur.
Schubert: Das ist verwunderlich. Es gibt einen externen Schädiger und davon unabhängig fünf Vorstandsmitglieder, diese haben mit Ausnahme eines einzigen Beschlusses, im Oktober 1998, alle Beschlüsse einstimmig gefasst. Auch Aufsichtsratspräsident und Eigentümervertreter waren zu einem entscheidenden Teil eingebunden.
Elsner bekennt sich nicht schuldig?
Schubert: So ist es.
In welcher Verfassung ist Herr Elsner derzeit?
Schubert: Ich möchte zurückgehen. Herr Elsner wird immer wieder als sehr unangenehmer Mensch dargestellt. Es hat am 25. April 2003 für ihn ein Abschiedsfest des ÖGB in der Oesterreichischen Nationalbank gegeben. Zahlreiche Spitzen der Wirtschaft und Politik, unter anderem der jetzige Bundeskanzler, waren anwesend und haben Herrn Elsner und auch seine menschlichen Qualitäten, seinen Einsatz für Mitarbeiter und Menschen in Not, in höchsten Tönen gelobt. Nun wenden sich die Leute, bis auf wenige, von ihm ab.
Warum?
Schubert: Weil sie wohl Sorge haben, dass das negative Image des Herrn Elsner auf sie abfärbt.
Was bewegt Elsner am meisten?
Schubert: Er liegt in der Intensivstation des AKH, die Fenster mussten wegen der am gegenüberliegenden Gebäude stationierten Fotografen verklebt werden, sodass kein Tageslicht in sein Zimmer dringt. Dort fristet er derzeit sein Leben und hofft, dass man ihm eine ordentliche Rehabilitation zugesteht. Das sind seine größten Sorgen im Moment.
Kann man einen energischen Angeklagten Elsner erwarten, oder einen, der kapituliert?
Schubert: Das hängt davon ab, wie gut seine Rehabilitation läuft. Wenn er wieder voll da ist, wird er um sein Schicksal kämpfen. Oder seine Gesundheit macht ihm einen Strich durch die Rechnung.
Spielen Sie vorsorglich die Karte Gesundheit/Krankheit aus? Sie wissen genau, dass es Haftunfähigkeit gibt.
Schubert: Nein, das ist kein Ziel. Herr Elsner will gesund werden und die Möglichkeit besitzen, mit voller Tatkraft am Prozess teilzunehmen. Sonst hätte er ja nicht schon in Frankreich für den 19. Februar einen OP-Termin fixiert.
Müssen andere zittern?
Schubert: Das schließe ich mit einer Ausnahme aus: Eine zentrale Rolle wird Dr. Wolfgang Flöttl spielen. Mit seinen Aktivitäten in der ganzen Geschichte wird man sich in allen Details auseinander setzen.
Elsner wird, milde ausgedrückt, Flöttls Rolle kritisch darstellen?
Schubert: Das ist wirklich eine milde Ausdrucksweise.
Wie würden Sie es ausdrücken?
Schubert: Verträge, die die Bank abgeschlossen hat, wurden gebrochen und haben zum Schaden geführt.
Einseitig und von Flöttl?
Schubert: So sind die bisherigen Aussagen des Vorstandes.
Insofern ist ein Schlagabtausch Flöttl – Elsner zu erwarten.Schubert: Ich gehe weiter, die entscheidende Konfrontation wird sich zwischen dem Gesamtvorstand und dem Aufsichtsratspräsidenten einerseits und Flöttl andererseits ereignen, darauf warte ich wohl vorbereitet und mit großer Spannung.
Wann rechnen Sie mit einem Prozessstart?
Schubert: Im Herbst.
Inline Flex[Faktbox] DER BAWAG-PROZESS("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2007)