Die Taskforce mit Nationalbank-Chef Nowotny an der Spitze lässt mit neuen Zahlen zur Hypo-Insolvenz aufhorchen. Die Hypo wird immer mehr zur teuren Spielwiese für Berater.
Jörg Haider. Ohne Zweifel das Mastermind hinter dem Aufstieg und Fall der Kärntner Hypo. Der 2008 verunglückte Politstar, den selbst Gegner als „politisches Jahrhunderttalent“ bezeichneten, wollte aus der kleinen Regionalbank eine internationale Größe machen. Als die Sache außer Kontrolle geriet, verkaufte Haider „seine“ Bank an die Bayerische Landesbank. Die Haftungen blieben aber beim Land Kärnten. Am Ende steht ein Skandal mit Ingredienzien wie Mafiageschäften, Korruption, Bilanzfälschung.
Josef Pröll. Der ehemalige ÖVP-Finanzminister hat 2009 die Notverstaatlichung der Kärntner Bank durchgezogen. Damals, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, hatte er keine große Wahl: Eine durch die Hypo ausgelöste Banken-Pleitewelle hätte die gesamte Republik mitgerissen. Unterdessen wird der jetzt als Raiffeisen-Topmanager tätige Ex-Minister für die Abwicklung der Notverstaatlichung freilich heftig kritisiert: Die Verstaatlichung sei überhastet geschehen. (c) Bruckberger
Wolfgang Kulterer. Der talentierte Banker, der auszog, aus einer kleinen Provinzbank einen großen CEE-Player zu machen - und der dabei strauchelte und auf die Nase flog. Dem Wunsch Haiders, aus der Bank eine Art Landesbankomaten für Prestigeprojekte zu machen, setzte er - obwohl nicht immer in harmonischer Eintracht mit dem Landeschef lebend – nichts entgegen. APA/HANS PUNZ
Ewald Nowotny. Notenbank-Chef mit Krisenerfahrung: Er war in der heißesten Zeit Bawag-General. Er muss sich mit dem Vorwurf herumschlagen, dass seine Bankprüfer die Hypo-Krise „kleingeprüft“ haben. Als Banker strikt gegen eine Insolvenz der Skandalbank. APA/HERBERT NEUBAUER
Michael Spindelegger. Vizekanzler, ÖVP-Chef und Hypo-Opfer. Er teilt sein Schicksal mit Bundeskanzler Faymann: Am eigentlichen Hypo-Desaster völlig unschuldig, aber zur falschen Zeit am falschen politischen Ort. Jetzt muss er die Suppe auslöffeln, die ihm andere eingebrockt haben. Was man ihm wie Faymann vorwerfen muss: Die Kommunikationsstrategie war eine schlichte Katastrophe. REUTERS
Werner Faymann, Andreas Schieder. Die beiden SPÖ-Top-Politiker haben mit dem Hypo-Skandal direkt nichts zu tun, sind aber zweifellos dafür mitverantwortlich, dass die Aufarbeitung der größten Bankenpleite der Zweiten Republik seit vier Jahren nicht so recht weiterkommt. Faymann hat als Regierungschef zuletzt versucht, das Hypo-Desaster möglichst weit von sich zu schieben. Schieder war als Finanz-Staatssekretär während der Hypo-Notverstaatlichung voll eingebunden. APA/ROLAND SCHLAGER
Maria Fekter. Toughe Finanzministerin, die aber in Sachen Hypo-Skandal nicht gerade für ihre Problemlösungskompetenz in die Geschichte eingehen wird. In ihre Amtszeit fällt eine unglaubliche Verschleppung der Hypolösung, die für die Steuerzahler ziemlich teuer werden dürfte. Die Presse
Klaus Liebscher. Hypo-Aufsichtsratschef, Task-Force-Boss und Ex-Notenbanker. Ganz schön viel dafür, dass unter seiner Ägide so wenig weitergegangen ist und noch immer über Modelle gerätselt wird. Nach einem heftigen Konflikt mit der Regierung ist er zurückgetreten. (c) Pfarrhofer
Gerhard Dörfler. Treuer Weggefährte Haiders und dessen Nachfolger als Landeshauptmann. Als Teil des Systems Haider war Dörfler immer dabei, ohne sich je für den Pallawatsch verantwortlich zu fühlen. Die Wartezeit auf die Politikerpension überbrückt er derzeit im Bundesrat. Die Presse
Josef Martinz. Kärntner Ex-ÖVP-Chef und als solcher Mehrheitsbeschaffer für Haider. Martinz' Karriere endete mit einer (nicht rechtskräftigen) Verurteilung zu fünfeinhalb Jahren Haft wegen Untreue. APA/GERT EGGENBERGER
Christian Ragger. Aktueller Chef der Kärntner FPÖ. Ragger kritisiert andere Parteien heftig als „Hypo-Schuldige“, verschweigt aber, dass er selbst als FPÖ-Abgeordneter im Kärntner Landtag (seit 1999) für die politische Seite des Hypo-Skandals mitverantwortlich ist. Sitzt in der Landesregierung. (c) Fabry
Die Protagonisten
Wien. Die Zahlenspiele zu den möglichen Kosten für die Hypo Alpe Adria nehmen kein Ende: Nächsten Montag soll die Taskforce mit Nationalbank-Chef Ewald Nowotny an der Spitze dem Finanzministerium ihren Abschlussbericht vorlegen. Um gegen eine Hypo-Insolvenz Stimmung zu machen, sickerten die Ergebnisse des Berichts bereits am gestrigen Mittwoch durch. Eine Pleite der Hypo würde zehn bis 16 Milliarden Euro kosten. Eine Anstaltslösung sei laut APA mit vier Milliarden Euro deutlich billiger, behauptet die Taskforce, der Vertreter der Nationalbank, der Finanzaufsicht und des Finanzministeriums angehören. Das Gremium beruft sich bei diesen Zahlen auf die Berechnungen der Hypo und anderer Experten. Nach der Fertigstellung des Abschlussberichts soll die Taskforce aufgelöst werden.
Eines der Hauptprobleme bei der Hypo sind die vielen Berater, die von allen möglichen Stellen engagiert wurden, aber zu teilweise völlig unterschiedlichen Resultaten kommen und damit das Chaos nur noch vergrößern.
Für die Beratergruppe Oliver Wyman ist die Insolvenz die günstige Lösung für den Steuerzahler. Laut Taskforce würde eine Pleite dagegen zehn bis 16 Milliarden Euro kosten. Mit noch schlimmeren Horrorzahlen lässt die Nationalbank aufhorchen. Diese beziffert den Schaden bei einer Pleite mit bis zu 24 Milliarden Euro.
Weisenrat und neue Berater
Die Abwicklung der Hypo Alpe Adria könnte dem österreichischen Staat und damit den Steuerzahlern bis zu 19 Milliarden Euro kosten. Zur Veranschaulichung: Mit diesem Geld hätte man schon die Hälfte der Olympischen Winterspiele in Sotschi finanzieren können. GEPA pictures
...oder sogar 1,5 mal die Sommerspiele in London 2012. GEPA pictures
Außerdem entsprechen 19 Mrd. Euro einer Summe aus vier Jahren Unibudget und den Kosten für vier neue Wirtschaftsuniversitäten. APA/HELMUT FOHRINGER
Auch 5,5 Prozent an Apple-Aktien wären zu erstehen mit dieser Summe Geld. REUTERS
Das Wiener Parlament könnte für 19 Mrd. Euro 47 mal saniert werden. APA/HELMUT FOHRINGER
Man erinnert sich auch an die große Diskussion über die Kosten der Eurofighter 2007. Mit 19 Mrd. Euro könnte man ganze 165 Typhoon Kampfflugzeuge für Österreich erwerben. Damit wäre man dann wohl ein für alle mal, zumindest was die Luftraumsicherheit angeht, abgesichert. APA/EPA/ALI HAIDER
Wenn wir schon beim Thema Militär sind: Einer der teuersten Flugzeugträger der USA kostet umgerechnet 4,4 Mrd. Euro pro Modell. Mit den Kosten der Hypo Abwicklung könnte man sich mehr als vier dieser massiven Kriegsschiffe leisten. imago stock&people
Francis Bacons Triptychon "Three Studies of Lucian Freud" stellte im November mit rund 142 Mio. US-Dollar den Rekord für das am teuersten verkaufte Bild der Welt auf. Mit 19 Mrd. Euro hätte man dieses Bild 182 mal kaufen können. EPA
Ebenfalls könnte man mit dem Geld, das uns die Abwicklung der Hypo kosten könnte, auch jeden Österreicher mit 2290 Euro beschenken. APA/dpa/Federico Gambarini
Alternativ könnte man auch 103.000 Tickets für Vigin Galactic Flüge kaufen und damit mehr als alle Klagenfurter ins All schießen. EPA
Auch 57.000 neue Einfamilienhäuser in guter Lage wären für diesen Preis zu bekommen. Musterhauspark
Mit den 19. Mrd Euro Hypo Schulden könnte der österreichische EU-Beitrag in Höhe von 2,9 Mrd. Euro für sechseinhalb Jahre gedeckt werden. APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene
Ebenfalls möglich wäre die Finanzierung von 3,8 Mio. Zahnspangen vom Staat zu je 5000 Euro. Anders gesagt: Gratis Zahnspangen für alle Kinder, die innerhalb der nächsten 50 Jahre geboren werden. EPA
Die oft als zu hoch kritisierten Baukosten für die drei Großprojekte, Koralmbahn, sowie Semmering- und Brennerbasistunnel, belaufen sich gesamt auf 13,5 Mrd. Euro. Damit kostet uns die deutliche Beschleunigung des Bahnverkehrs immer noch weniger als die Hypo Abwicklung im schlimmsten Fall. APA/BARBARA GINDL
Für den maximal möglichen Betrag des Hypo-Desasters hätte man sich mehr als WhatsApp, das gerade dabei ist die SMS zu ersetzen, sichern können. Doch jetzt ist es dafür zu spät. Facebook fackelte nicht lange und erwarb für 13,7 Mrd. Euro die einzige Online-Kommunikations-Firma, die schneller wächst als Facebook selbst. REUTERS
Als letzte Option könnte man mit 19 Mrd. Euro auch eine Million neue VW Golf erstehen. Das ergäbe eine über 4200 Kilometer lange Autoschlange vom tiefen Norden Schwedens bis Sizilien. (c) imago stock&people (imago stock&people)
Was man sich für 19 Mrd. Euro alles leisten könnte
Was macht nun die Regierung? Sie holt sich die nächsten Berater. Das Finanzministerium engagierte in der Vorwoche den deutschen Ex-Morgan-Stanley-Banker Dirk Notheis. Auch die Beratergruppe Oliver Wyman soll erneut einen Auftrag bekommen. Dies sorgte zuletzt für einen Konflikt zwischen Finanzminister Spindelegger und der Taskforce. Am Wochenende legte Klaus Liebscher aus Protest seinen Job als Chef der Taskforce zurück. Für ihn sprang Nowotny ein. Doch auch in der Taskforce gibt es unterschiedliche Meinungen. Während Nowotny eine Pleite ablehnt, arbeiten andere Mitglieder des Gremiums an einer „Anstalt light“, bei der auch die Bayerische Landesbank und die Inhaber von Hypo-Anleihen mitzahlen sollen. Laut „Bank of America“ hätte eine Gläubiger-Beteiligung jedoch europaweit negative Auswirkungen auf Banken mit öffentlichen Garantien.
Auch die Hypo-Vergangenheit soll noch einmal von Beratern aufgearbeitet werden. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Spindelegger (ÖVP) wollen keinen Untersuchungsausschuss, sondern einen Weisenrat einsetzen. Wer diesem Gremium angehören soll, ist unklar. Dabei hatten SPÖ und ÖVP schon bei der Verstaatlichung der Bank im Jahr 2009 eine „CSI Hypo“ gegründet. Damals hieß es, jeder Beleg soll dreimal umgedreht werden. Doch der große Durchbruch blieb aus.
Bislang wurden 85 Sachverhaltsdarstellungen eingebracht. Die Schadenssumme aus möglicherweise strafbaren Handlungen beläuft sich auf 900 Millionen Euro. Die Hypo hat durch Vereinbarungen mit Kunden 150 Millionen Euro zurückbekommen. Diese Beträge sind gering – im Vergleich zu den Milliarden, für die nun der österreichische Steuerzahler aufkommen soll.
Vom Maserati bis zur Baumaschine: Auf der Online-Plattform Alpe Adria Asset versucht die Kärntner Hypo seit Jahren Objekte zu verkaufen, die sie als Sicherheiten für geplatzte Kredite annahmen. Viele kommen aus Osteuropa. DiePresse.com präsentiert einige Schmuckstücke. REUTERS
Unter den Yachten findet sich die 26,5 Meter lange "Aicon 85" aus Montenegro. AAAP
Die Luxusyacht (Baujahr 2008) ist mit einem eigenen Whirlpool ausgestattet ... AAAP
... und beherbergt zehn Betten und fünf Badezimmer. Zu haben ist sie um 1,75 Millionen Euro. AAAP
Wer es etwas weniger protziger und etwas günstiger haben möchte, könnte einen Blick auf die "Marquis 500 SC" (Slowenien) werfen. AAAP
Die 15,54 Meter lange Yacht besticht mit gediegener Innenausstattung, hat drei Schlafzimmer und zwei Badezimmer. Nettopreis: 420.000 Euro. AAAP
Auch die Yacht "Ferretti 630" aus Kroatien kann sich sehen lassen. Angeboten wird sie um 900.000 Euro netto. AAAP
... Sie misst 19,56 Meter und beherbergt drei geräumige Kabinen - ergonomische Liege inklusive. AAAP
Wesentlich kleiner, aber mit schnittigem Design, präsentiert sich die türkische Yacht "Cigarette - 39 Top Gun Unlimited". Nettopreis: 155.000 Euro. Insgesamt findet man mehr als 25 Motorboote aller Preisklassen in der Datenbank. AAAP
Auch Nutzfahrzeuge und sogar ganze Anlagen werden feilgeboten. Viele davon kommen aus dem Osten, wie zum Beispiel dieses Asphaltmischmaschine aus der Ukraine, um 1,154 Millionen Euro netto ... AAAP
... oder der Lkw "Scania R500 8 X 2" aus Italien (50.000 Euro netto). AAAP
Kommen wir wieder von den nützlichen zu den schönen Dingen, wie zum Beispiel dem "Maserati Granturismo" (Italien). Der 2007 gebaute Wagen ist mit 26.891 gefahrenen Kilometern noch so gut wie neu. Verkauft wird er von der Hypo um 41.000 Euro netto. AAAP
Dieser "Mercedes S 600 L" aus Bulgarien kostet da schon um einiges mehr. Die Hypo will ihn um 139.000 Euro netto an den Mann bringen. AAAP
Der "Land Rover Range Vogue" (Montenegro) wird um 30.000 Euro verkauft. AAAP
Dieses silberne "BMW 125i Cabrio" aus Slowenien ist um 21.000 Euro zu haben. AAAP
Auch ein Jaguar befindet sich unter den Fahrzeugen: Der italienische "Jaguar S TYPE 2.7 DSL" mit nicht ganz 100.000 gefahrenen Kilometern (Baujahr 2007) ist schon um 8500 Euro netto zu haben. AAAP
Wie bei den Yachten finden sich auch unter den Autos einige originell bemalte Stücke, wie dieser Fiat-Kleintransporter um 4500 Euro netto. Woher er kommt, ist leicht zu erraten ... AAAP
Hypo verscherbelt Yachten und Luxuskarossen
Dabei war die Hypo schon ein Paradies für Experten. In den vergangenen Jahren gab das Institut über 200 Millionen Euro für Rechtsanwälte, Berater, Gutachter und Prüfer aus. Doch weil die Politik nicht handelte, habe sich die Situation verschlimmert, sagte Ex-Hypo-Aufsichtsratschef Johannes Ditz zuletzt im „Presse“-Interview. „Es wurden immer neue Berater und neue Gutachten eingesetzt. Was hat man mit dem Zaudern und Zögern erreicht? Die Zukunft der Hypo ist ungewisser denn je“, so Ditz. Noch keinen Nachfolger gibt es für Liebscher im Hypo-Aufsichtsrat. Eine für den morgigen Freitag angesetzte Aufsichtsratssitzung wurde verschoben.