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Dornröschenkuss für den Semmering

Das Panhans, gegründet 1888, war vor den Weltkriegen eines der wichtigsten Grand Hotels Europas.
Das Panhans, gegründet 1888, war vor den Weltkriegen eines der wichtigsten Grand Hotels Europas.(c) Hotel Panhans
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Die Panhans-Holding übernimmt das Skigebiet Hirschenkogel - und investiert 56 Millionen Euro in das ehemalige Grand Hotel und die Ski-Infrastruktur.

Semmering. 56 Millionen Euro sind eine Menge Geld in Semmering, einer Gemeinde, die 2012 gerade einmal Einnahmen von 3,7 Millionen Euro verzeichnet hat. Aber so viel Geld soll bis 2015 in die beiden größten touristischen Attraktionen der 543-Einwohner-Ortschaft and der niederösterreichisch-steirischen Grenze fließen: das Skigebiet Hirschenkogel und das mehr als 125 Jahre alte Hotel Panhans.

Um 38 Millionen Euro soll die Infrastruktur des „Zauberbergs" erneuert werden - ein moderner Sechsersessellift mit Schutzkuppel soll den bestehenden Viererlift ersetzen, außerdem soll durch ein neues Parkkonzept bei der Talstation - ob Parkhaus oder Terrassen ist noch offen - eines der gröbsten Mankos des Skigebiets gegenüber dem benachbarten Stuhleck angegangen werden.

Internationaler Geldsegen

Zusätzlich soll das Panhans selbst um 18 Millionen Euro generalsaniert werden - unter anderem erweitert um einen modernen Spa-Bereich, erklärt Viktor Babushchak. Der Ukrainer („westlich eingestellt", wie er selbst angesichts der aktuellen Ereignisse in seinem Heimatland betont) lenkt die Geschicke der Hotelgruppe, seit sie im Vorjahr von der Schweizer Aktiengesellschaft Renco Investment übernommen worden ist.

Das 1888 von Vinzenz Panhans, dem Küchenchef des nahen (und zunehmend verfallenden) Südbahnhotels, gegründete Hotel, das vor dem Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit zu den führenden Häusern seiner Zeit zählte, war 2012 am Rande des Konkurses gestanden. Ein niederösterreichisches Technikbüro und sein ukrainischer Teilhaber griffen damals ein und übernahmen das Haus - um es Monate später an die Renco-Gruppe zu verkaufen.

Wer hinter dieser Gruppe steht, die nun den Geldsegen über Semmering ausschüttet, will Babushchak nicht sagen: „Das sind Leute, die anonym bleiben wollen." Nicht nur Osteuropäer, sondern Investoren aus aller Welt seien darunter.

Nach den jetzigen Investitionen (die 58 Millionen seien nur „eine erste Stufe", heißt es bei einem Pressegespräch am Mittwoch, „aber wir wollen nichts ankündigen, das wir nicht gleich umsetzen") soll die Panhans-Gruppe in eine österreichische Aktiengesellschaft umgewandelt werden, um sie für neue Investoren zu öffnen. „Seit wir hier übernommen haben, haben wir mehrere Anfragen internationaler Hotelketten erhalten", sagt Babushchak.

Mehrtagesgäste im Visier

Mit den Investitionen will die Panhans-Gruppe den Semmering attraktiver für Mehrtages- und Wochengäste machen, die bisher weiter westlich gelegene Skigebiete bevorzugt haben - derzeit entfalle der Großteil der 160.000 Fahrten, die der Hirschenkogel im Winter verzeichnet, auf Tagesausflügler.

Das soll sich mit dem besseren Angebot ändern, hofft auch Gudrun Eder, Geschäftsführerin der Hirschenkogel-Bergbahnen. Durch die Investitionen erwartet sie eine Steigerung um 25 bis 30 Prozent bei den Gästezahlen. „Wir holen den Semmering jetzt aus dem Donröschenschlaf."

„Wenn sie nach Oberlech fahren, haben sie dort nur ein paar Lokale", führt Babushchak den Gedanken aus - „hier können Gäste einen Kulturausflug nach Wien machen, die Therme Linsberg ist auch in unmittelbarer Nähe." Besonders im Fokus sollen auch weiterhin ausländische Gäste stehen - vor allem bei Tschechen und Slowaken ist der Semmering als Ausflugsziel schon jetzt beliebt.

Ob es zu weiteren Übernahmen von Hotels in der Region kommt - neben dem Panhans gehören der Gruppe bereits das Sporthotel (ehemals Artis) Semmering und das Ring direkt bei der Talstation (ehemals Erzherzog Johann) - lässt Babushchak vorerst offen.

Nur eine Andeutung gibt es: Ein in der Region immer wieder diskutierter Ausbau des Skigebiets in Richtung Sonnwendstein sei ein „eventuelles Zukunftsprojekt" - allerdings nicht im jetzt fixierten Paket enthalten. Fix sei allerdings, dass auch in den Sommertourismus, der im Panhans etwa die Hälfte der Nächtigungen ausmacht, investiert werden soll.

Auf einen Blick

Das Hotel Panhans, gegründet 1888 vom gleichnamigen Küchenchef des Südbahnhotels, stand vor noch nicht einmal zwei Jahren vor dem Konkurs. Dann übernahm es, neben zwei anderen Semmeringer Hotels, eine internationale, in der Schweiz ansässige Investorengruppe. Diese hat jetzt auch das örtliche Skigebiet gekauft – und Investitionen angekündigt: Das Panhans selbst soll um 18 Millionen Euro generalsaniert, die Infrastruktur des Skigebiets um 38 Millionen Euro ausgebaut werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27. Februar 2014)