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Eislaufverein: Hotel bleibt, 73-Meter-Bau kommt

Visualisierung des Siegerprojekts von Architekt Isay Weinfeld (Brasilien)
Visualisierung des Siegerprojekts: Zwischen Intercontinental (links) und Eislaufverein soll ein Wohnturm entstehen.WertInvest/Isay Weinfeld
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Das Intercontinental wird (doch) nicht abgerissen, dafür bekommt es an die Rückseite einen - umstrittenen - Wohnturm. Das Areal soll zu einem zweiten MQ werden.

Wien. Die gute Nachricht für Nostalgiker: Das Hotel Intercontinental wird nicht abgerissen, die Eisfläche des Wiener Eislaufvereins bleibt bestehen. Die schlechte Nachricht für Kritiker: Der schon im Vorfeld umstrittene, 73 Meter hohe Wohnturm auf dem Heumarkt-Areal kommt.

So lässt sich das Siegerprojekt des internationalen Architekturwettbewerbs für die Neugestaltung des Heumarkt-Areals auf den Punkt bringen, das am Donnerstag präsentiert wurde. Das von einer Jury unter Vorsitz des Architekten Markus Allmann gekürte Projekt des renommierten Architekten Isay Weinfeld aus Brasilien sieht an der Rückseite des Hotels Intercontinental einen schmalen, das Hotel deutlich überragenden Turm vor (siehe Bild oben).

In diesem Turm, der mit seinen 73 Metern bewusst der Höhe des Ringturms entspricht, sollen Luxus-Eigentumswohnungen entstehen, die den Rest der Neugestaltung des Areals mit seinen Institutionen Intercont, Eislaufverein (WEV) und Konzerthaus, finanzieren. Oder, wie es Investor Michael Tojner, dessen Firma Wertinvest rund 210 Mio. Euro in das Areal investieren wird, formuliert: „Dem Hotel wird ein Bruder gegeben, und dieser Bruder finanziert die öffentlichen Einrichtungen, die hier entstehen und die Stadt nichts kosten werden."

Freiraumplanung: Isay Weinfeld Arq. Urb. Ltda. Sao Paulo, Brasilien
Freiraumplanung: Isay Weinfeld Arq. Urb. Ltda. Sao Paulo, Brasilien(c) WertInvest

Weltkulturerbe in Gefahr?

Eine derartige Höhenentwicklung - Tojner nennt es „elegant sichtbar" - an dem historischen Standort lehnen zahlreiche Anrainer ab. Tatsächlich könnte der Turm problematisch werden, weil die Innenstadt dadurch den Status als Weltkulturerbe verlieren könnte. Schon im Vorjahr hatte die Unesco angekündigt, dass eine Gebäudehöhe über jener des bestehenden Hotels (45 Meter) das Weltkulturerbe gefährde (siehe Artikel aus dem Vorjahr). Dabei geht es vor allem um die historische Sichtachse vom Belvedere auf die Innenstadt, die durch einen Turm verstellt sein könnte.

„Wir glauben, dass die Gesamtlösung einen vertretbaren Umgang mit dem historischen Erbe findet", sagt Wiens Planungsdirektor, Thomas Madreiter. „Ob die Unesco das ähnlich sieht, wissen wir nicht. Wir werden sehen, ob wir mit unseren Argumenten durchkommen." Wilfried Lipp, Präsident des österreichischen Rats für Denkmalpflege, Icomos (dessen Gutachten der Unesco übermittelt werden), will sich zum Siegerprojekt noch nicht äußern („Wir prüfen das erst"), verweist aber im Gespräch mit der „Presse" auf „die klare Aussage der Unesco".

Auch abgesehen vom Wohnturm kommen auf das Heumarkt-Areal einige Änderungen zu. Das Hotel Intercontinental, das 1964 eröffnet wurde und damals ebenfalls schwer umstritten war, soll innen und außen „im Stil des österreichischen Nachkriegsdesigns" komplett saniert werden, sagt Projektverantwortliche Daniela Enzi. Zudem will man das Hotel verstärkt für Kongresse und Meetings interessant machen: Dafür werden Hotel und Wohnturm auf Höhe des ersten Stocks mit einer Art „Scheibe" umrundet, in die verglaste Konferenzräume einziehen.

Die erhöhte Terrasse rundherum soll öffentlich zugänglich sein, so wie auch die neu geschaffenen Sportmöglichkeiten (Fitnessräume, Hallenbad). Überhaupt soll der Heumarkt zu einer Art Sportzentrum werden: Neben der Eisfläche im Freien werden in einem weiteren, viergeschoßigen Neubau auf Heumarkt-Seite eine Eishalle sowie ein Turnsaal für umliegende Schulen entstehen. Im Sommer soll hier das Konzerthaus Open-Air-Konzerte abhalten, die Wiener sollen die Plätze als eine Art zweites Museumsquartier als öffentlichen Raum nutzen. Die Fahrbahn der Lothringerstraße wird (auf Kosten des derzeitigen Grünstreifens) um einige Meter Richtung Beethovenplatz versetzt, wodurch WEV und Konzerthaus über ein merklich breiteres Entree verfügen werden.

Als nächste Schritte stehen nun Flächenwidmungsverfahren und andere behördliche Genehmigungen an. Baubeginn soll im Jahr 2016 nach der Eislaufsaison sein.

Ausstellung

Ab Freitag, bis 9. März (täglich 11 bis 20 Uhr) ist den Bauplänen eine Ausstellung im Souterrain des Hotels gewidmet. Täglich von 17 bis 19 Uhr stehen hier Experten und Vertreter der Investoren für Gespräche zur Verfügung. Details: www.dasbesondereprojekt.at

(Red.)