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Springer: "Bin mitverantwortlich"

(c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)
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Verdacht auf Urkunden-, Beweismittel-und Bilanzfälschung lauten die Vorwürfe gegen Ex-Vizedirektorin Stantejsky. Der Prüfbericht geht an den Staatsanwalt.

Hätte uns die alarmierende Entwicklung auffallen können, hätten wir schon früher etwas tun können?“ Das ist die Frage, die sich der Aufsichtsrat seit dem 11. November 2013 stelle, sagte Georg Springer, Aufsichtsratsvorsitzender des Burgtheaters, gestern bei einer Pressekonferenz. Sie fand im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung statt, bei der den Mitgliedern der Endbericht der forensischen Prüfung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vorgelegt worden war. „Tatsache ist, wir haben es nicht früher erkannt“, und Springer hat auch eine Erklärung dafür: „Wenn eine Person mit höchster Verantwortung ein System außer Kraft setzt, haben Sie keine Möglichkeit draufzukommen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem alles explodiert.“

Der Moment, an dem das System in die Luft geflogen ist, war besagter Tag im November. Der KPMG-Wirtschaftsprüfer und Leiter der aktuellen Burgtheater-Prüfungen, Martin Wagner, machte damals von seinem Rederecht Gebrauch und informierte das Kontrollorgan über die groben Ungereimtheiten, die seinem Team bei der Gebarungsprüfung aufgefallen waren. Und zwar zum ersten Mal, wie der Aufsichtsratschef ausdrücklich betont.

Aussage gegen Aussage

Diametral stehen Springers Aussage die von Wagner gegenüber. Der Senior Partner der KPMG sagte in einem „Presse“-Interview am Donnerstag nämlich, er habe den Burg-Aufsichtsrat schon im Jänner 2013 auf Mängel des Vier-Augen-Prinzips und das Fehlen von Belegen hingewiesen. Eine Behauptung, die Springer vehement zurückweist. Er verweist auf den Satz im Endbericht der KPMG, wonach „unsere Prüfung zu keinen Einwendungen geführt hat.“ Auch andere Aussagen von Wagner dürften offenkundig zu einem Bruch im Arbeitsverhältnis mit dem Prüfungsleiter geführt haben. Springer sagt, er könne sich zwar weiterhin die Zusammenarbeit mit der KPMG vorstellen, aber „nicht mehr mit diesem Mann. Ich denke, das werden Sie verstehen.“

Nach dem Exkurs geht Springer auf die Ergebnisse des Berichts ein. Die Vorwürfe gegen die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin seien umfangreich. Eine erste rechtliche Prüfung des nun vorgelegten Endberichts erhärtet den Verdacht auf Urkunden-, Beweismittel- und Bilanzfälschung, Geldwäsche sowie Untreue. Ein Bericht werde an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Es sei unabdingbar, dass die Ermittlungsbehörden, bei denen auch eine anonyme Anzeige gegen Stantejsky eingegangen sei, nun tätig würden. Die angekündigte Prüfung des Rechnungshofes begrüßt Springer ausdrücklich, „damit sich die letzten Nebelfetzen in den letzten Winkeln heben.“ Die Angelegenheit sei jetzt dort, wo sie hingehöre, bei der Staatsanwaltschaft. Und weiter: „Ja, ich bin mitverantwortlich. Das ist überhaupt keine Frage“, sagt er. Aber seit dem 11. November 2013 habe man sofort gehandelt.

Auf  die Frage, ob er je daran gedacht habe, Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann zu Verantwortung zu ziehen und seinen Vertrag aufzulösen: „Nein, das habe ich nicht. Wir können das gar nicht. Das kann nur die Politik.“

Hartmann selbst, der sich am anderen Ende des Saals befand, beurteilte seine Verantwortung restriktiver. Er sei für das Wohl und Gedeih des Hauses verantwortlich, dafür habe er alles getan, was ihm zur Verfügung stand. Zur Person Stantejsky wolle er weiterhin nichts sagen, er wolle an „Mutmaßungsspielen nicht teilnehmen.“ Es sei höchste Zeit, das Burgtheater für seine hervorragenden Leistungen zu würdigen. Man könne nicht einfach nach dem Ätsch-Bätsch-Prinzip vorgehen und ihm sagen: „Du hast auch mit unterschrieben, du bist auch schuld.“
Ob er Hartmann für einen tadellosen Direktor halte, wird Springer noch gegen Ende gefragt: „Das Burgtheater hat Gott sei Dank noch nie einen tadellosen Direktor gehabt“, lautet seine Antwort.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2014)