Schnellauswahl

Manipulationsverdacht bei Gold

FILE GERMANY GOLD IMF
(c) EPA
  • Drucken

Seit 2004 werde der Goldpreis manipuliert – meist nach unten. Das sagen jene zwei Wissenschaftler, die auch die Bankmanipulationen am Libor-Zins aufgedeckt haben.

Wien/New York. Eine kleine Gruppe internationaler Großbanken sieht sich seit der Finanzkrise immer neuen Manipulationsvorwürfen ausgesetzt. Seit einigen Monaten ermitteln Behörden in mehreren Ländern auch wegen möglicher Manipulationen auf dem 20 Billionen Dollar schweren Goldmarkt.

Eine Studie von Rosa M. Abrantes-Metz, Professorin an der Stern School of Business der New York University, und Albert Metz, Managing Direktor bei der Ratingagentur Moody's, untermauert jetzt den Verdacht, dass Großbanken auch den Goldpreis manipuliert haben. Konkret geht es um das Londoner Gold-Fixing, bei dem zweimal pro Tag ein bestimmter Preis als Benchmark festgelegt wird. Dieser Preis ist wiederum die Grundlage für viele (aber nicht alle) Goldgeschäfte.

Die Studienautoren sind im Zusammenhang mit Marktmanipulationen auch keine Unbekannten. Abrantes-Metz und Metz haben 2008 mit einem Papier zum Libor-Zinssatz Ermittlungen ausgelöst, die zu Strafzahlungen in Milliardenhöhe geführt haben. Der Libor-Manipulationsskandal war der größte dieser Art bisher. Auch beim Gold stehen wieder dieselben Großbanken in Verdacht: Barclays, Deutsche Bank, Bank of Nova Scotia, HSBC und Societe Generale sollen zusammengearbeitet haben, um den Benchmark-Goldpreis beim Londoner Fixing zu manipulieren. Und zwar seit mindestens zehn Jahren, so die Studienautoren.

Das Goldfixing ist eine fast hundert Jahre alte Tradition, die im Londoner Rothschild-Büro ihren Ausgang nahm. Heute treffen sich die Banker nicht mehr physisch, sondern verabreden den Fixing-Preis via Telefonkonferenz. Mit NM Rothschild&Sons legte das letzte Gründungsmitglied des Fixings 2004 seinen Sitz zurück.

 

Unerklärliche Bewegungen

Bei dem Fixing wird der Preis aber offiziell nicht festgelegt, sondern festgestellt – ein kleiner, aber feiner Unterschied, weil ersteres eben einer Manipulation gleichkommen würde. Die Idee, beim Goldfixing einen Preis festzustellen, sollte eigentlich der Transparenz des Marktes dienen, entwickelte sich seit dem ersten Fixing im Jahr 1919 aber zu einem viel wichtigeren Faktor.

Der Londoner Fixing-Preis ist nicht nur die Grundlage der meisten Goldgeschäfte auf dem besonders liquiden Markt in London (London Bullion Market Association), sondern dient auch als Richtwert für die Bewertung der Goldreserven der Zentralbanken sowie für die Geschäfte von Raffinerien und Bergbauunternehmen. Auch auf den Märkten für Gold-Terminkontrakte wird der Fixing-Preis genutzt.

Abrantes-Metz und Metz haben den Innertageshandel auf dem Gold-Kassamarkt von 2001 bis 2013 auf plötzliche und unerklärliche Bewegungen hin untersucht, die auf illegales Verhalten hinweisen könnten. Ab 2004 beobachteten sie häufige allzu deutliche Bewegungen bei den Preisen während des nachmittäglichen Fixing-Gesprächs. Vor 2004 und während der morgendlichen Telefonkonferenzen gab es solche Bewegungen nicht, stellten sie fest.

Außerdem entdeckten sie, dass die Preisbewegungen während des Nachmittag-Fixings meistens in die gleiche Richtung liefen, nämlich abwärts. An Tagen, an denen die Wissenschaftler deutliche Preisveränderungen während der Telefonkonferenz entdeckten, gingen diese in mindestens zwei Drittel der Fälle abwärts, 2010 gingen sie sogar in 92Prozent der Fälle nach unten.

„Die Ergebnisse sind besorgniserregend“, sagte Abrantes-Metz der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Es liegt an den Aufsichtsbehörden festzustellen, warum es derart auffällige Muster gibt, aber die Banken haben die Mittel, die Motive und die Möglichkeit, das Fixing zu manipulieren. Die Ergebnisse stimmen mit der Möglichkeit von Absprachen überein.“ Die Deutsche Bank will sich aus dem Fixing bald zurückziehen. Keine Bank wollte die Studie kommentieren. In einem Statement legt die Pressestelle von Moody's Wert auf die Feststellung, dass es sich bei dem Paper nicht um einen Moody's Report handelt und ihr Mitarbeiter und Co-Autor des Papers seine persönliche Meinung wiedergibt und nicht jene der Ratingagentur.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2014)