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Roya Mahboob: Eine Frau verändert Afghanistan

Roya Mahboob
Roya MahboobSobolevaphoto/Wikipedia
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Die junge Unternehmerin Roya Mahboob erreicht mit ihren Projekten tausende Frauen in Zentralasien. Für das "Time"-Magazine ist sie einer der einflussreichsten Menschen der Welt.

Sie heißt Roya, und sie lebt in der Seidenstraße. Im 13. Jahrhundert, schreibt Roya Mahboob in einem Artikel, hat Marco Polo die Seidenstraße und somit auch ihre Heimat Afghanistan durchreist, und nun, hunderte Jahre später, ist sie selbst eine Art Marco Polo geworden. Freilich, Roya Mahboobs Seidenstraße ist eine andere: Sie ist digital, und sie ist weiblich. Als Mahboob vor rund drei Jahren ihre Firma Afghan Citadel Software gegründet hat, war sie eine der wenigen Unternehmerinnen des Landes – und auch eine der jüngsten. Heute hat Mahboob etliche Klassenzimmer von Mädchenschulen in ihrer Heimatstadt Herat mit Computern ausgestattet; über 35.000 Mädchen haben Internetzugang erhalten.

Und mit der Webseite womensannex.com will sie Frauen in Zentralasien dazu ermutigen, mit allen Möglichkeiten des Internets ihre eigenen Unternehmen aufzubauen. Jede, die hier einen Beitrag postet – Video, Artikel, Bilder – erhält ein wenig Geld. Mahboob nennt das Projekt „digitale Seidenstraße“, und damit erreicht sie tausende Frauen. Bisher hat Mahboob ihren Weg mit leisen Schritten beschritten. Im vergangen Jahr aber nannte das Time-Magazine die 26-Jährige als eine der einflussreichsten Personen der Welt, kurz danach schrieb US-Außenminister John Kerry über Mahboob: „Sie verändert Afghanistan“ – und sicherte ihr seine Unterstützung zu.

Die weltweite Anerkennung ihrer Arbeit will Mahboob mit allen Frauen teilen, die sich ihrem Netzwerk angeschlossen haben, wie sie der „Presse am Sonntag“ erzählt: „Wir glauben an ihre Fähigkeiten.“

Gewalt "pandemisch".
In den vergangenen zehn Jahren, seit dem Sturz der Taliban, habe sich die Lage der Frauen zwar signifikant verbessert: Sie seien sichtbarer geworden, im zivilen Leben, in Politik, Wirtschaft. Aber ihre jahrelange Unterdrückung – insbesondere das Weg-Halten von Bildungsmöglichkeiten – habe Spuren hinterlassen. Noch heute ist das Land nicht gut zu seinen Frauen: 87 Prozent der Frauen über 15 sind Analphabetinnen, 40 Prozent der Mädchen sind bei ihrer Verheiratung jünger als 18 Jahre alt. Laut Vereinten Nationen ist Gewalt gegen Frauen in Afghanistan „pandemisch“.

Für Mahboob hängt der Erfolg der Frauen von den Familien ab: „Bildung ist frei für alle, aber wenn die Familien diese verwehren, dann nützt das nichts. Traditionelle Familien sind der Meinung, Bildung für Mädchen ist keine gute Idee.“ Ihre Eltern hätten sie stets unterstützt, nur dadurch habe sie Erfolg haben können, sagt sie. Mahboob wurde in Herat geboren, die Familie flüchtete vor dem Bürgerkrieg in den Iran. 2003 zogen sie wieder nach Afghanistan, wo Roya Informatik studiert und ihre Softwarefirma aufgebaut hat. Und wo sie sich täglich, nach wie vor, mit Drohungen konfrontiert sieht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2014)