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Katharina Kucharowits: "Feminismus muss sein"

Katharina Kucharowits
Katharina Kucharowits(c) Stanislav Jenis
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SPÖ-Vizeparteichefin Katharina Kucharowits über ihre Ähnlichkeiten mit Laura Rudas, nette Fragen an den Kanzler, die Notwendigkeit einer Frauenquote und die mit Eugen Freund nach wie vor fremdelnde SPÖ-Basis.

Sie sind nun gewissermaßen die neue Laura Rudas. Katharina Kucharowits: Nein, denke ich nicht. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet, ich schätze sie als Menschen überaus. Aber ich bin ich.

Aber Sie verkörpern einen ähnlichen Typus wie Laura Rudas, jenen der karrierebewussten, angepassten Jungsozialdemokratin.

Was bedeutet es, angepasst zu sein? Das wird irgendwie nie argumentiert.

Diese Woche haben Sie etwa dem Kanzler im Parlament die Fragen aufgelegt. Die der SPÖ an sich freundlich gesinnte „Kronen Zeitung“ nannte diese süffisant „Kanzler, warum sind wir so gut?“-Fragen.

Für junge Leute ist das Thema Arbeitsplatz sehr wichtig. Um das ging es hier. Man kann sehr wohl darauf hinweisen, was hier in Österreich geschieht. Ich finde es schade, dass so ein wesentliches Thema fast schon ins Lächerliche gezogen wird.

Ein wenig Aufregung gab es in sozialen Netzwerken auch um die Bildunterschrift zu Ihrem „Krone“-Foto: „Ab jetzt ist Katharina Kucharowits mit netten statt kritischen Fragen für die gute Laune des Kanzlers zuständig“, hieß es da. Fanden Sie das auch frauenfeindlich?

Das unterstelle ich jetzt einmal nicht. Aber es ist zynisch.

Was halten Sie von Ihrer jungen Kollegin Daniela Holzinger, die als Einzige in der SPÖ für den Hypo-U-Ausschuss gestimmt hat?

Ich habe mit ihr vorher Gespräche geführt. Für sie war das ein wesentliches Thema in ihrem Wahlkampf. Somit kann ich sie verstehen. Ich selbst war aber aus vollster Überzeugung dagegen. Weil es kein Datum gab, ab wann ein solcher eingesetzt werden sollte. Jetzt wäre so etwas völlig kontraproduktiv – die Bank muss einmal abgewickelt werden. Und es wäre eine gewaltige Plattform für die Opposition.

Wie fanden Sie die demonstrative öffentliche Zurückhaltung Werner Faymanns in Bezug auf die Hypo-Causa?

Er hat in der Sondersitzung dann eine Erklärung abgegeben. Und er wird seine Gründe gehabt haben, warum er das zu diesem Zeitpunkt gemacht hat.

Sie kommen aus der eher pragmatischen Jungen Generation, nicht aus der prononciert linken Sozialistischen Jugend. Warum?

Die Junge Generation ist auch links – das möchte ich festhalten. Ich konnte mit der Ortsgruppe der Sozialistischen Jugend in meiner Gemeinde nichts anfangen – rein inhaltlich. Es gibt aber bei uns genauso hitzige Debatten.

Aber keinen Karl-Marx-Lesezirkel.

Doch. Wir sind vielfältig.

Der ebenfalls abtretende SJ-Chef, Wolfgang Moitzi, beklagt, dass „der Apparat“ kritische Geister nicht wirklich schätze. Ist das so?

Man weiß mit Kritik schon umzugehen. Man sollte aber schon versuchen, im Vorfeld die Partei von der eigenen Meinung zu überzeugen. Ich halte es damit, vorweg intern Dinge kundzutun.

Gibt es Themen, bei denen Sie nicht mit der offiziellen SPÖ-Linie übereinstimmen?

Ja. Diese werde ich jetzt aber nicht verraten, sondern intern Stimmung machen. Es gibt aber sicher Themenbereiche, in denen wir ein bisschen linker und mutiger sein müssten.

Wie stehen Sie zum Feminismus?

Feminismus muss sein. Ich bin Frauenpolitikerin und forciere das auch in der Jungen Generation. Feminismus im Jahr 2014 ist definitiv en vogue.

Und wie definiert sich dieser 2014?

Wir müssen weiter kämpfen. Wir sind noch immer nicht dort, wo wir hinwollen. Es gibt immer noch keine gleichberechtigte Gesellschaft.

Und wie schafft man das? Mit der Quote?

Ich möchte auch einmal eine Welt, in der wir die Quote nicht mehr benötigen. Aber jetzt stehe ich dazu. Auch in der Partei. Wir haben uns eine Quote auferlegt – und da müssen wir hinkommen. Wir sind noch nicht dort.

Der Papamonat, eines Ihrer Themen, ist im Regierungsabkommen nur eine Absichtserklärung. Tut sich da etwas?

Wir müssen Stimmung machen. Das ist ein Thema, das jungen Leuten, auch jungen Vätern, wirklich wichtig ist.

Sie waren am Freitag beim Bundesparteirat der SPÖ. Die Basis, so scheint es, fremdelt noch ein wenig mit Eugen Freund, dem EU-Spitzenkandidaten.

Das stimmt. Man muss sich ein wenig daran gewöhnen, dass hier jemand an der Spitze steht, der die Partei nicht von der Pike auf kennengelernt hat. Aber das ist auch etwas Erfrischendes.

Steckbrief

Katharina Kucharowits, geboren am 19.9.1983 in Mödling, ist Vorsitzende der Jungen Generation und Vizeparteichefin der SPÖ. Seit 2013 sitzt sie im Nationalrat. Ihr Vater war Vizestadtamtsdirektor in Schwechat, sie selbst parlamentarische Mitarbeiterin des früheren Schwechater Bürgermeisters Hannes Fazekas.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2014)