Warum den schon sehr hoch bewerteten Tech-Aktien ein Dotcomcrash 2.0 droht und Öko-Aktien wieder Aufwind haben.
Es hat an dieser Stelle schon viele Topempfehlungen (und natürlich auch etliche Flop-Tipps) gegeben, aber noch keinen derartigen Blitzstart: Die vorigen Sonntag hier empfohlene Aktie des Elektroautoherstellers Tesla Motors (ISIN US88160R1014) stand Freitagnachmittag vor Börsenöffnung in New York schon mit fast 25 Prozent im Plus. Nicht schlecht für vier Börsentage, auch wenn es am Abend in New York einen kleinen Rücksetzer gab. Seit Jahresbeginn hat der Elektroautobauer knapp 65 Prozent zugelegt, seit dem Sommer des Vorjahres hat sich der Kurs mehr als versechsfacht.
Schön für alle, die schon drin sind. Aber die vorwöchige Anmerkung, der Kurs sei nach konventionellen Kriterien schon „reichlich luftig“, ist wahrscheinlich die Untertreibung des Jahres. Wir reden hier von einem Unternehmen, dessen Börsenbewertung mit 26 Mrd. Euro schon rund die Hälfte des Börsenwerts von General Motors ausmacht, das aber gerade einmal 23.000 Autos im Jahr absetzt. GM verkauft, nur so zum Vergleich, neun Millionen Stück. Und wir reden von einem Unternehmen, das im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erstmals in seiner zehnjährigen Firmengeschichte einen Gewinn ausweisen konnte.
Mit normalen Bewertungsmethoden stehen wir hier also an. In den aktuellen Kursen ist sehr viel Zukunftshoffnung eingepreist, vor allem aber haben wir es mit einem klassischen Hype zu tun. Man kann auf diesen Hype auch jetzt noch aufspringen, aber man muss wissen, was man tut. Und seine Stopp-Marken auf höchste Sensibilität einstellen. Da steigt man, wenn es abwärts geht, lieber einmal zu oft aus, ein zu lange verzögerter Absprung könnte nämlich ziemlich teuer werden.
Das Problem, das sich vor allem an den Technologiebörsen aufbaut: Tesla ist kein Einzelfall. Die Börsen-Charts werden in den USA heuer von Unternehmen wie Zynga angeführt, die Verluste bauen und trotzdem hochgehypt werden. Ein Paradebeispiel ist die heuer so perfekt performende Biotech-Branche: Von den 122 im Nasdaq Biotech Index gelisteten Unternehmen macht nicht einmal ein Drittel Gewinn. Trotzdem steht der Index um mehr als ein Viertel über dem Jahresstart.
Ein bekannter amerikanischer Analyst hat in der Vorwoche eine Erklärung dafür geliefert, warum heuer ausgerechnet Aktien von Verlustunternehmen die Top-Performer sind: „Gier und die Angst, etwas zu versäumen.“
Das sieht nach der Euphorie vor dem Platzen einer Blase aus, und das kennen wir von irgendwoher. Genau: Als die Internet-Blase 1999 knapp vor dem Bersten stand, hat man dieses Anlegerverhalten zuletzt in größerem Stil beobachtet. Das ist, im Gegensatz zum unterdessen widerlegten „Chart of Doom“ (siehe unten stehende Geschichte), wirklich eine erschreckende Analogie. Da heißt es aufpassen.
Allerdings: Solange die Musik spielt, kann man ruhig tanzen. Das könnte beispielsweise mit einer Spekulation auf eine Stabilisierung des Goldpreises in bevorstehenden Turbulenzen geschehen. Die Aktie des Goldminenkonzerns Barrick Gold Corporation (ISIN CA0679011084) könnte sich dazu gut eignen. Die zeigt in letzter Zeit deutliche Erholungstendenzen, und sie wäre auch ein klassischer „Anker“ fürs Depot, falls es zu einer Art Dotcomcrash 2.0 kommt. Ein Kaufsignal bahnt sich gerade an.
Ein rechtes Auf und Ab hat es in den vergangenen Monaten bei den Windanlagenbauern gegeben. Dort herrscht das klassische Öko-Dilemma: Man hängt am Fördertropf, und die einschlägigen Produzenten sind in diesem Biotop sehr stark den Ausschlägen der Förderdiskussion ausgesetzt. Momentan zeigt der Trend bei den Windanlagenbauern aber wieder einmal nach oben: Der deutsche Anlagenbauer Nordex (ISIN DE000A0D6554) war am Freitag mit mehr als acht Prozent Kursplus der Star im TecDax. Das zog auch die dänische Vestas Wind (ISIN (DK0010268606) mit nach oben. Auslöser für den Nordex-Schub war ein sehr starkes Ergebnis 2013. Der Umsatz stieg um mehr als ein Drittel, das Ergebnis drehte deutlich ins Plus. Der Turnaround ist also offenbar geschafft, die Aktie scheint trotz des Kurssprungs am Freitag auch aus kurzfristiger Sicht ein Kauf zu sein. Charttechnisch sieht auch Vestas sehr schön aus.
Bergauf scheint es auch mit ausgewählten Solaraktien zu gehen. SMA Solar (ISIN DE000A0DJ6J9) hat von der Deutschen Bank eine Kaufempfehlung bekommen, das Kursziel wurde von 40 auf 50 Euro angehoben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2014)