34-Stunden-Woche für ganz Europa?

Workers carry engine hood of a Porsche Macan at the new plant in the eastern German city of Leipzig
REUTERS

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück fordert die Reduktion der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich: Deutschland ziehe mit sehr hoher Produktivität andere Länder mit.

Weniger arbeiten, aber gleich viel verdienen: Dieser Traum soll, wenn es nach der Vorstellung von Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück geht, für alle Arbeitnehmer in Europa wahr werden. Hück fordert die 34-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich für ganz Europa.

"Die Produktivität in Deutschland ist extrem hoch", sagte Hück der "taz". Auch in anderen Ländern werde diese Produktivitätssteigerung kommen, prognostizierte er.

Modell Zuffenhausen für Europa

Im Stammwerk des Sportwagenbauers in Zuffenhausen ist  die Wochenarbeitszeit im Vorjahr für die 3500 Beschäftigten aufgrund der gestiegenen Produktivität bei vollem Lohnausgleich um eine auf 34 Stunden reduziert worden. Vor vier Jahren sind in dem Werk noch 142 Autos am Tag gefertigt worden, jetzt sind es mehr als 200. Die Vereinbarung für Zuffenhausen gilt bis Ende 2016.

Das sei nach Hücks Einschätzung nicht nur für Deutschland, sondern "für Europa sogar" ein Modell. "Ein Entwickler kann entscheiden: Ich nehem die 40-Stunden-Woche", sagte Hück. "Die Produktion kann sagen: Wir nehmen die 34-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich - weil die Akkord arbeiten."

Das bisher bekannteste Experiment dieser Art gab es schon 1994: Damals wurde in den westdeutschen Werken von Volkswagen die Vier-Tage-Woche mit einer Regelarbeitszeit von 28,8 Stunden pro Woche eingeführt. Damals ging es aber nicht um Stressabbau wegen zu hoher Auslastung - so wie jetzt - sondern es sollte in der Absatzkrise der Abbau von 30.000 Mitarbeitern verhindert werden. Die Löhne wurden damals auch gesenkt, allerdings nicht so stark wie die Arbeitszeit. Als die Krise überstanden war, kehrte VW zur 35-Stunden-Woche zurück.