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Volksbank-ÖVAG ist die nächste Zeitbombe

ARCHIVBILD: LOGO DER VOLKSBANK AG
(c) APA/HANS KLAUS TECHT

Nach der Hypo Alpe Adria muss auch das Volksbanken-Institut saniert werden. Fällt die ÖVAG beim Stresstest der Europäischen Zentralbank durch, droht die komplette Verstaatlichung. Oder das Institut wird vom Markt genommen.

Wien. Mehr als vier Jahre hat es die Regierung verabsäumt, ein Sanierungskonzept für die Hypo Alpe Adria vorzulegen. Doch auch das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG könnte dem Steuerzahler noch auf den Kopf fallen.

Denn Anfang März hat die Europäische Zentralbank (EZB) mit den Vorbereitungen für den Bilanzcheck bei 128 europäischen Großbanken begonnen. In Österreich werden sechs Institute unter die Lupe genommen. Die Hypo Alpe Adria ist nicht dabei, dafür trifft es das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG. Es ist davon auszugehen, dass die ÖVAG als einzige österreichische Bank bei dieser Prüfung durchfallen wird. In diesem Fall wird die EZB verlangen, dass die Eigentümer Geld nachschießen. Dem Vernehmen nach soll es um einen Kapitalbedarf von mehreren hundert Millionen Euro gehen.

Haupteigentümer der ÖVAG sind die Bundesländer-Volksbanken mit 50 Prozent. Seit dem Frühjahr 2012 ist der Staat mit 43 Prozent beteiligt. Da nicht alle Bundesländer-Volksbanken in der Lage sein werden, der ÖVAG zu helfen, droht dem Institut die komplette Verstaatlichung.

Doch sowohl ÖVP als auch SPÖ haben erklärt, dass sie für das Volksbanken-Institut kein weiteres Geld mehr lockermachen werden. „Das ist bei den Volksbanken bereits die dritte Krise“, sagte Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm am Mittwoch zur „Presse“. Muhm ist ein wichtiger Berater von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ).

 

Volksbanken: Bereits die dritte Krise

Schon in den 1980er-Jahren waren die Volksbanken in eine Krise geschlittert. Damals war von einem Kapitalbedarf von 500 Millionen Schilling die Rede.

Die nächste Krise gab es im Frühjahr 2012, als der Staat mit einer Milliarde Euro aushelfen musste. „Es ist nicht einzusehen, dass jetzt wieder der Steuerzahler einspringen soll. Wir haben mit der Hypo schon genug Probleme“, sagt Muhm. Er fordert, dass zuerst die Bundesländer-Volksbanken zur Kasse gebeten werden. Falls diese nicht in der Lage seien, sollen die Volksbanken-Genossenschafter zahlen. Das würde hunderttausende Österreicher, die Miteigentümer einer lokalen Volksbanken sind, treffen.

Doch gegen eine solche Lösung legt sich Raiffeisen quer. Die Giebelkreuzer befürchten negative Auswirkungen auf alle Genossenschaftsbanken. Denn über zwei Millionen Österreicher sind Mitglied einer Raiffeisen-Genossenschaft.

Franz Hahn, Bankenexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo, geht davon aus, dass die ÖVAG mittelfristig vom Mark verschwinden wird. „Denn die derzeitige Verbundlösung wird nicht funktionieren“, sagt Hahn. Der Staat verlangt, dass alle 50 Bundesländer-Volksbanken mit der ÖVAG in einem Verbund zusammenarbeiten. Doch viele tun das nur widerwillig. „Meiner Meinung nach brauchen die Bundesländer-Volksbanken gar kein Spitzeninstitut. Auch andere Banksektoren wie die Aktienbanken und die Hypobanken kommen ohne Spitzeninstitut aus“, sagt Hahn.

 

Wer wickelt die ÖVAG ab?

Doch so einfach kann die ÖVAG nicht geschlossen werden. Denn das Institut verfügt über Assets in Milliardenhöhe. Besonders schwierig ist die Lage bei der Rumänien-Tochter. Diese hatte zuletzt faule Kredite von 1,2 Milliarden Euro. Falls die ÖVAG tatsächlich geschlossen wird, müsste jemand die verbliebenen Assets abwickeln.

Wifo-Experte Hahn vermutet, dass der Staat alle österreichischen Banken ersuchen wird, bei der ÖVAG-Abwicklung mitzuhelfen. „Denn nach der Hypo Alpe Adria wird sich der Staat hüten, auch eine Anstalt für die ÖVAG einzurichten.“

ÖVAG-Chef Stephan Koren, der von der früheren Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) eingesetzt wurde, gibt seit Monaten keine Interviews. Bei der ÖVAG verweist man auf Anfang April. Dann sollen die Ergebniszahlen für das Vorjahr bekannt gegeben werden. Den Vernehmen nach dürfte das Institut wieder einen hohen Verlust erwirtschaftet haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2014)