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Deloitte sieht Wirtschaftsstandort Österreich in Gefahr

APA/MARKUS LEODOLTER
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Die Abgabenquote wird von den Wirtschaftsprüfern am schlechtesten bewertet. Das Steuersystem müsse zur Gänze reformiert werden. Investoren sollten leichter Aufenthalt bekommen.

Östereich verspielt sein Zukunftspotential. Nach der Kritik der Industriellenvereinigung und von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl im vergangenen Jahr an der abnehmenden Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standorts schlägt nun auch der Wirtschaftsprüfer Deloitte Alarm: Im internationalen Vergleich falle Österreich kontinuierlich zurück.

Der Wirtschaftsprüfer hat die Österreich-Daten von fünf Standortvergleichen (WEF, IMD, INSEAD, Transparency International und OECD Better Life) miteinander verglichen sowie volkswirtschaftliche Kennzahlen und Deloitte eigene Untersuchungen zu einem Art Meta-Index - dem "Deloitte Radar" - zusammengefasst. Seit Jahren befinde sich Österreich in den Standortrankings in einem Abwärtstrend, so Deloitte-Österreich-Geschäftsführer Bernhard Gröhs am Donnerstag vor Journalisten.

Hohe Abgabequote ziehen nach unten

Im erstmals veröffentlichten "Deloitte Radar" erhält der Wirtschaftsstandort Österreich im Bereich "Politisches und makroökonomisches Umfeld" drei von fünf Punkten. Die strukturelle Neuverschuldung sei eine "Last für die Zukunft", heißt es im Bericht. Die "Unternehmensinfrastruktur in Österreich" wird mit vier Punkten bewertet, müsse aber weiterentwickelt werden. Das "regulatorisches Umfeld" erhielt nur zwei Punkte, weil die regulatorischen Auflagen in Österreich noch nie so hoch waren.

Die schlechteste Wertung erhielt der heimische Wirtschaftsstandort im Bereich "Kosten" mit nur einem Punkt, weil Österreich im internationalen Vergleich eine hohe Abgabenquote mit aufwendig administrierbaren Steuerregelungen habe. Bei "Innovation, Forschung und Entwicklung" vergaben die Wirtschaftsprüfer vier Punkte, bei der Verfügbarkeit von Arbeitskräften drei Punkte. Es seien "klare Strategien" notwendig, um alle verfügbaren Talente in Österreich zu fördern. Fünf von fünf Punkten gab es für die Lebensqualität in Österreich, was den Standort sehr attraktiv für Fachkräfte aus dem Ausland und als Standort für international tätige Unternehmen mache.

Deloitte empfiehlt neues Steuersystem

Deloitte mahnt die Regierung vor allem zu Kurskorrekturen im Bereich Steuern, Arbeitsmarkt und Bildung. "Wir müssen das Steuersystem neu schreiben, es braucht einen kompletten Reset", forderte Gröhs. Es gebe zwar Bausteine für ein Top-Steuersystem im internationalen Vergleich, aber wegen Sonderbestimmungen und Novellierungen sei "es nahezu unadministrierbar und verfilzt". Der Administrationsaufwand im Bereich Steuern hemme bereits die wirtschaftliche Entwicklung. Die letzte große Steuerreform liege sogar bereits ein Vierteljahrhundert zurück.

Gröhs empfiehlt der Regierung, die Einhebung der Lohnsteuer und Sozialversicherung zu vereinheitlichen und niedrige und mittlere Einkommen steuerlich zu entlasten. "Bei der Steuerquote ist man in Österreich ganz am Anschlag." Der Deloitte-Geschäftsführer hofft, dass die im Regierungsprogramm vereinbarte Arbeitsgruppe zum Steuersystem herzeigbare Ergebnisse liefern wird.

Erleichterungen für Investoren

Auch die Kooperation mit den Steuerbehörden sei schwieriger geworden. Ein Dutzend Investoren mit zwei bis dreistelligen Millionensummen hätten in den vergangenen Jahren nicht in Österreich investiert, weil die Behörden keine genauen Auskunft zur Steuerhöhe machen konnten, so Deloitte-Partner und WU-Professor Josef Schuch. Auch sollten Investoren, die in Österreich Millionen investieren, leichter eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten.

Eine Kurskorrektur ist für Gundi Wentner, Partnerin bei Deloitte, auch am Arbeitsmarkt, bei Bildung und Talenten notwendig. "Österreich muss offener und flexibler werden." Auch brauche es ein "deutlich risiko- und innovationsfreundlicheres Klima".

>> Studie von Wirtschaftsprüfer Deloitte

(APA)