Der Designer Roberto Palomba spricht über die Aufgaben seiner Zunft, flexible Möbel und die friedensstiftende Wirkung mehrerer Badezimmer.
Design ist für ihn eine Lebensentscheidung. Nicht die große Revolution, sondern die kleinen Verbesserungen im Alltag sind seine Mission, die Suche nach mehr Qualität, mehr Komfort. Gemeinsam mit seiner Frau Ludovica arbeitet Roberto Palomba im 1994 gegründeten Designbüro in Mailand an dieser Vision. Das Paar hat sich mit vielfach prämierten Entwürfen für Bad, Küche und Wohnräume einen Namen gemacht, ist aber auch in eine Reihe von Architekturprojekten bis hin zur Konzeption von Motorjachten involviert. Zuletzt hat Roberto Palomba in Graz bei Odörfer seine neue Serie Kartell by Laufen präsentiert. Das Bad ist von einer kleinen, vorgefertigten Nass-zelle längst zu einem der Hauptdarsteller im Raumgefüge avanciert – ein Gespräch mit Palomba über die neue Generation von Badezimmern, die Aufgaben eines Designers und über alchemistische Visionen.
Sie haben bereits in Ihren Anfängen Objekte für das Badezimmer entworfen – was macht den Reiz dieses Raumes für Sie aus?
Ich bin Designer, aber auch Architekt. In allen Räumen des Hauses verbinden sich Architektur und Design und treten in Wechselwirkung zueinander, das Badezimmer ist jedoch ein spezieller Ort. Schon allein deshalb, weil das Mobiliar zumeist nicht nach Belieben immer wieder anders positioniert werden kann. Künftig wird das Thema Mobilität eine viel größere Rolle spielen, das ist spannend. Im Bad drückt sich das in frei stehenden, flexiblen Einrichtungsgegenständen aus. Fix an die Wand montierte Objekte werden der Vergangenheit angehören.
Warum hat das Bad als Private Spa seinen Stellenwert ausgebaut? Wie viel Luft nach oben ist noch?
Entwicklungen wie diese reflektieren die Empfindungen der Gesellschaft. Das Bad ist jener Raum, in dem wir uns regenerieren, in dem wir einen anderen Rhythmus leben und uns vom Stress und Alltag im wahrsten Sinn des Wortes reinigen können. Die Prämisse heutzutage lautet ästhetische Funktionalität. Denn wir Designer sind keine Bildhauer, die etwas für Jahre, Jahrzehnte ausstellen wollen, wir entwerfen für den Gebrauch im Alltag.
Was ist Ihre Vision für das Badezimmer der Zukunft?
Durch Kooperationen wie jene zwischen Laufen und Kartell werden Innovationen möglich – nicht nur in der Form, sondern auch in der Funktion. Alle, die daran arbeiten, müssen Visionen haben wie verrückte Wissenschaftler, ja wie Alchemisten. Mit Laufen ist es nach Jahrzehnten der Entwicklungsarbeit gelungen, ein vollkommen neues Material auf den Markt zu bringen. Saphirkeramik zeichnet sich durch einen hohen Weißheitsgrad und eine erhebliche Biegefestigkeit aus – sie ist dünner und zweimal biegefester als herkömmliche Keramik. Es ist eine technische Neuheit, die sich durch einen hohen ästhetischen Wert, aber auch durch Nachhaltigkeit auszeichnet. In Kombination mit den farbigen und flexiblen Kunststoffobjekten von Kartell aus transparentem Polycarbonat kann man verschiedenste Stimmungen im Bad erzeugen. Ich vergleiche das gern mit einer Frau, die unterschiedliche Kleider anzieht und damit ihr Stilkonzept variiert.
Und die Vision für das Design der Zukunft?
Design hat nicht nur eine soziale, sondern auch eine politische Dimension. Die Weltbevölkerung wächst, es gilt, neue Städte zu bauen, Wohnraum zu schaffen, neuen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Mission des Designers sehe ich darin, die Menschen in ihrem Leben, in ihrem Alltag zu unterstützen, Innovationen zugänglich und leistbar zu machen. Viele Architekten und Designer sehen sich aber bloß als Stars und gehen der Profession nur nach, um ihr Ego zu streicheln.
Apropos Ego. Wie sieht Ihr Badezimmer aus?
Wir haben zu Hause drei Badezimmer. Eines für mich, eines für meine Frau, eines für meine Tochter. Das ist der Grund, warum wir noch so friedlich miteinander umgehen können. Das Bad meiner Frau ist das größte, es ähnelt einem Glaskasten und hat einen riesigen Spiegel. Mein Bad ist das kleinste, es ist in Grau gehalten und hat bloß eine große Dusche. Auf den Ablageflächen standen früher Kosmetikartikel, heute sind es Arzneimittel.
Ludovica und Roberto Palomba leben und arbeiten als Architekten und Designer in Mailand. Das Studio Palomba Serafini Associati haben sie 1994 gegründet.
Die Liste ihrer Zusammenarbeit mit renommierten Herstellern ist lang und reicht von Antolini und Boffi über Cappellini und Kos bis zu Samsung und Zanotta, Für ihre Entwürfe haben sie zahlreiche Designpreise erhalten.
Drei Beispiele (siehe Bilder oben): Der Lounge Chair Maserati für Zanotta ist eine Sitzschale mit schlanken Füßen, fließenden Linien und weichem Leder, wie es bei Rennfahrerhandschuhen verwendet wird – ein Zitat der Sportwagenhersteller. Automobile DNA liegt auch der 65 Meter langen Jacht Jolly Rogers für Benetti zugrunde, die Leuchte Birdie (Foscarini) aus Polycarbonat, lackiertem Stahl und Metall wiederum nimmt Anleihen an der Natur.
www.palombaserafini.com,
www.kartell.it,
www.laufen.com,
www.oedoerfer.at