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"Puber": Was Wiens berüchtigstem Sprayer droht

Puber, Wiens berüchtigster Sprayer ging der Polizei ins Netz
Puber, Wiens berüchtigster Sprayer ging der Polizei ins NetzAPA/H. Fohringer
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Der in Wien aktive Sprayer mit dem Pseudonym "Puber" zeigt sich im Polizeiverhör äußerst schweigsam. Der Antrag auf U-Haft wurde gestellt, am Nachmittag sollte eine Entscheidung fallen.

Er wollte lieber nicht reden. Der stadtbekannte Sprayer „Puber“ befindet sich vorerst noch in Polizeigewahrsam. Ihm wird vorgeworfen, unzählige Wiener Häuser mit seinem Pseudonym „Puber“ besprüht zu haben. Der geschätzte Schaden beläuft sich, laut Polizei, auf mehr als 50.000 Euro. 119 Personen waren bis Freitag als Geschädigte gemeldet. "Es melden sich laufend mehr. Die Ermittler versuchen derzeit alle Straftaten zu sammeln, das kann Tage dauern", sagte ein Sprecher der Polizei am Samstag. Der Beschuldigte selbst "sagt überhaupt nichts."

 

Puber wurde von der Polizei festgenommen. Und jetzt?

 

Wie geht es mit dem Mann weiter? Und wie handhabt die Exekutive das Problem mit Schmierereien? Nina Bussek, die zuständige Staatsanwältin, konnte am Samstagvormittag noch keine Auskunft über das weitere Vorgehen geben. Bis Samstagnachmittag werde man sich entscheiden, ob der junge Mann, der im richtigen Leben Renato S. heißt, in U-Haft genommen wird. Der Verdächtige ist Schweizer und 29 Jahre alt – ursprünglich gab die Polizei sein Alter mit 30 Jahren an. Abgesehen von dem schweren Sachschaden wird dem Mann auch Urkundenunterdrückung vorgeworfen. Bei der Festnahme wurde unter anderem eine Schweizer Identitätskarte von einer anderen Person sichergestellt. „Es liegt also nahe, dass er sich mit der Karte manchmal ausgewiesen hat“, sagte eine Polizeisprecherin. Auch die drei Mitbewohner von Puber wurden angezeigt. Sie stehen im Verdacht, den Sprayer der Verfolgung entzogen zu haben.

Wie groß ist das Problem mit Schmierereien in Wien?

Manche Wiener werden wohl sagen „groß“, aber eine Statistik führt die Wiener Polizei nicht. Graffiti-Schäden werden als Sachbeschädigung ausgewiesen, so wie eingeschlagene Schaufenster auch. Die ÖBB schätzt den Schaden, der ihnen jährlich durch Graffiti entsteht, auf eine Million Euro. Bei den Wiener Linien geht man von 200.000 Euro im Jahr aus. Die Schäden werden den Sprayern in Rechnung gestellt, so man sie erwischt.

Welches Strafmaß droht Puber, sollte es zu einer Anklage kommen?

Davon ausgehend, dass man Graffiti-Schriftzüge („Tags“) auf Mauern, Türen, Zügen etc. nicht als Kunst wertet, muss im strafrechtlichen Sinne von einer „Verunstaltung“ ausgegangen werden. Eine solche erfüllt ebenso wie das Zerstören, Beschädigen oder Unbrauchbarmachen fremder Sachen den Tatbestand der Sachbeschädigung (§ 125 Strafgesetzbuch). Werden bestimmte Wertgrenzen (gemeint: die Höhe des Schadens) überschritten, fällt die Strafe dementsprechend „gesalzener“ aus. Da die Polizei vorerst eben von mehr als 50.000 Euro Schaden ausgeht, droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren Haft (schwere Sachbeschädigung). Derzeit ist die Staatsanwaltschaft von einem Strafantrag aber noch weit entfernt. Liegt ein solcher vor und kommt es zum Prozess, können sich die Opfer als Privatbeteiligte dem Verfahren anschließen. Das Gericht kann ihnen eine bestimmte Schadenssumme zusprechen, damit haben sie einen Exekutionstitel gegen den Sprayer. Ob dieser auch zahlen kann, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die Opfer könnten aber natürlich auch Schadenersatzklagen gegen Puber einbringen.

Gab es zuletzt einschlägige Verurteilungen?

Sprayer stehen immer wieder vor Gericht. Über einen besonders spektakulären Fall berichtete „Die Presse“ 2006 als ein 21-Jähriger, der S-Bahn-Züge und U-Bahn-Garnituren besprüht hatte, zu acht Monaten unbedingter Haft verurteilt worden war. Meist kommen die Täter mit Bewährungsstrafen davon. So erhielt im März vorigen Jahres ein Trio in Wien bedingte Haftstrafen, es schrammte dabei aber knapp an einer Verurteilung wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorbei.

Sprayer gibt es viele, warum tut die Polizei nicht mehr? 

Die Polizei tut sich schwer, die Sprayer zu überführen. „Wenn man sie nicht tatsächlich beim Sprayen erwischt, ist es schwierig, ihnen die Tat nachzuweisen“, sagt eine Sprecherin zur „Presse“. Auch bei Puber muss man auf die Spurensicherung setzen. So will man die sichergestellten Spraydosen in seiner Wohnung mit den Lacken vergleichen, mit denen die Graffitis gesprüht wurden. Auf Pubers Laptop wurden außerdem ein elektronisches Tagebuch und Fotos von Graffitis gefunden. Ob das etwas beweist, ist freilich offen. Für den Mann gilt die Unschuldsvermutung.

Puber war auch in der Graffiti-Szene umstritten. Wie reagiert die?

Auf Facebook und Twitter war die Verhaftung zuletzt Gesprächsthema Nummer eins. Niemand sei aber über die Entwicklung überrascht gewesen, sagt ein Kenner der Szene. Kritisch sieht er hingegen, dass es Puber einmal mehr gelungen ist, in den Medien zu sein. Denn es sei auch die öffentlichen Aufmerksamkeit gewesen, die den Sprayer angetrieben hätte. Einigen Wienern dürfte die Verhaftung auch missfallen. Auf Facebook hat sich jedenfalls bereits eine Gegenbewegung entwickelt. Die Gruppe „Free Puber“ hat bereits mehr als 800 Anhänger.