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Diskretes Gambling um die Casinos

Am Roulettetisch
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Die Mehrheit der Casinos Austria soll schon bald in die Staatsholding ÖIAG wandern. Damit soll ein diskret geplanter Deal verhindert werden: die Übernahme durch Immobilientycoon René Benko und Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer.

Die Homepage der Casinos Austria. „Jedes Glück hat seine Geschichte“, steht dort als Werbebotschaft, und das ist schon sehr passend, teilweise zumindest. Die Casinos Austria, im Jahr 1934 gegründet, werden heuer nämlich 80 Jahre alt. Das Unternehmen blickt also auf eine lange Geschichte zurück. Nur das mit dem Glück klappt halt nicht so anstandslos.

Im April wird der Glücksspielkonzern seine Ertragszahlen für das Jahr 2013 bekannt geben. Ein Jahr, das es in sich hatte: Im Ausland gibt es gravierende Probleme. Vor Kurzem machte der Flop in Argentinien, der eine Wertberichtigung in Höhe von 40 Millionen erforderte, Schlagzeilen. Zuletzt wurde der Rückzug aus Australien verkündet – dem vorangegangen war bereits der Abschied aus Chile, Tschechien und Italien. Im defizitären Auslandsgeschäft wird also kräftig die Reißleine gezogen, weil es in den vergangenen Jahren massiv auf die Konzernerträge gedrückt hat.

Unschwer zu erkennen: Fortuna hat's nicht so mit den Casinos Austria. Aber das soll sich nun ändern. Und zwar recht bald.

Es ist nämlich so, dass sich Finanzminister Michael Spindelegger und Bundeskanzler Werner Faymann ausnahmsweise einig sind: Mit den Casinos kann es so nicht weitergehen, es muss etwas geschehen. Und sie wissen auch schon was: Die Eigentümerstruktur muss sich ändern.

Da kommt es wie gerufen, dass die Notenbank-Tochter Münze Österreich, die 33,24 Prozent an den Casinos hält, eh schon lang unglücklich mit ihrer Beteiligung ist und diese dringend loswerden möchte. Erstens, weil sie so überhaupt nicht ins Portfolio passt, und zweitens, weil sie schön langsam, wirtschaftlich bedingt, kein wirklich sanftes Ruhekissen ist.

Schritt eins des großen Masterplans sieht also so aus: Ein Gutachter soll das Glücksspielunternehmen bewerten. Schritt zwei: Die Staatsholding ÖIAG soll die Anteile erwerben. Das wird natürlich nicht billig, aber die ÖIAG, die mittlerweile völlig entschuldet ist, wird es sich leisten können/müssen. Zumal die Transaktion durchaus attraktiv, weil ausbaufähig ist.

Das wiederum liegt daran, dass nicht nur die Münze Österreich, sondern auch andere Aktionäre ihre Casinos-Anteile liebend gern los wären. Zum Beispiel das Bankhaus Schellhammer & Schattera, das 5,31 Prozent der Anteile hält. Und die MTB-Privatstiftung von Stifterin Maria Theresia Bablik mit ihrem 16,79-prozentigen Anteil. Eine Einigung über den Kaufpreis vorausgesetzt, würde eine Übernahme dieses Pakets durch die ÖIAG in Summe einen Casinos-Anteil von 55,34 Prozent ergeben. Und damit lässt sich schon Einiges anfangen. Der Mehrheitseigentümer ÖIAG soll das Unternehmen dann jedenfalls schleunigst sanieren.

Finanzminister Spindelegger ist von diesem Szenario höchst angetan. Ihm geht es ja schon lange um eine Aufwertung der ÖIAG, die derzeit bloß Beteiligungen an Telekom Austria, OMV und der Post hält. Mit einer Übertragung der Casinos-Mehrheit würde die Sache schon viel imposanter aussehen. Auch Kanzler Faymann gefällt das ÖIAG-Szenario recht gut. Freilich aus anderen, persönlichen Gründen. Weil er damit nämlich verhindern kann, dass die Casinos-Anteile in andere Hände gelangen könnten.

Genau das befürwortet allerdings Casinos-Chef Karl Stoss. Am Dienstag hat dieser in einer Aufsichtsratssitzung jedenfalls Folgendes mitgeteilt: Es gebe ein Konsortium, das bereit wäre, ein verbindliches Angebot für eine Mehrheitsbeteiligung an den Casinos zu unterbreiten, erklärte Stoss kryptisch. Namen werde er an dieser Stelle keine nennen, „damit diese nicht gleich in der Zeitung stehen“.

Das lässt sich leider nicht verhindern. Bei den namentlich nicht genannten Interessenten handelt es sich nämlich um den jungen Immobilientycoon René Benko. Mit im Boot: Ex-SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der schon seit Jahren im Beirat von Benkos Signa-Holding sitzt. Außerdem: der israelische Diamantenmilliardär Beny Steinmetz. Zur Erinnerung: Steinmetz hat erst im Vorjahr einen höchst interessanten Deal mit Benko über die Bühne gebracht. Da hatten die beiden ein Joint venture gegründet und gemeinsam die 17 deutschen Karstadt-Kaufhäuser inklusive des Berliner Konsumtempels KaDeWe erworben.

Ein echter Coup, den wohl Alfred Gusenbauer eingefädelt hat: Immerhin sitzt der Ex-Kanzler im Board of Directors des kanadischen Bergbaukonzerns Gabriel Resources – wo Steinmetz Großaktionär ist. Gusenbauer hat also Steinmetz mit Benko zusammengebracht. Und die drei haben offenbar Lust auf mehr. Und zwar möglichst rasch.

Casinos-Chef Karl Stoss soll für das Konsortium Feuer und Flamme sein. Inoffiziell jedenfalls. Offiziell zieht er es vor, die Angelegenheit gegenüber der „Presse“ nicht zu kommentieren, weil das Sache der Eigentümer sei. Tatsache ist, dass Casinos-Boss Stoss einen sehr guten Draht zu Benko hat – Stoss sitzt (wie Gusenbauer) im Beirat der Signa-Holding. Mit Benko hätte Stoss jedenfalls einen Eigentümer, mit dem er auf einer Wellenlänge ist.

Benko lässt das Interesse an den Casinos gegenüber der „Presse“ dementieren. Wohl in dem Wissen, dass der Deal ohnehin höchst unwahrscheinlich ist: Spindelegger bevorzugt die ÖIAG-Variante, Faymann verspürt keine große Lust, seinem Vorgänger Gusenbauer ein lukratives Geschäft zuzuschanzen. Motto: So weit kommt's noch.

Wobei natürlich mittel- bis langfristig nichts auszuschließen ist. Die ÖIAG wird wohl über kurz oder lang einen Privatisierungsauftrag erhalten. Wie heißt es bei den Casinos so schön? „Jedes Glück hat seine Geschichte.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2014)