Karrieresprung für Michael Höllerer, den Bankenexperten von Ex-Finanzministerin Maria Fekter. Er wird Geschäftsführer der Raiffeisen Capital Management (RCM).
Wien. Michael Höllerer ist ein Mann, der gerne im Hintergrund die Fäden zieht. Ende 2008 wechselte er von Raiffeisen in das Kabinett des damaligen Finanzministers Josef Pröll (ÖVP, arbeitet jetzt für Raiffeisen). Auch die frühere Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) konnte sich bei wichtigen Themen im Bankenbereich auf die Expertise von Höllerer verlassen. Höllerer war mit dabei, als Ende 2009 die Hypo Alpe Adria verstaatlicht wurde. Er hat auch maßgeblich das Konzept für die Teilverstaatlichung der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) ausgearbeitet. Im Sommer 2012 kehrte Höllerer vom Finanzministerium zu Raiffeisen zurück. Er wurde Generalsekretär der Raiffeisen Zentralbank (RZB) und ist nun die rechte Hand von RZB-Chef Walter Rothensteiner.
Am Freitag gab Raiffeisen bekannt, dass Höllerer zusätzlich in die Geschäftsführung der Raiffeisen Capital Management (RCM) einziehen wird. Die RCM verwaltet ein Vermögen von 27,8 Milliarden Euro und gehört damit zu den führenden Fondsgesellschaften Österreichs. Wer bei einer Raiffeisenkasse einen Fonds kauft, erhält meist ein Produkt der RCM.
Strategische Neuorientierung
Die langjährigen RCM-Geschäftsführer Mathias Bauer und Gerhard Aigner legen Ende März ihre Funktionen zurück. Der Wechsel wird mit einer „strategischen Neuorientierung“ begründet. Die RCM soll sich künftig auf Kernmärkte und Kernprodukte spezialisieren, heißt es. Ob und wie viele Mitarbeiter im Zuge des Umbaus abgebaut werden, steht noch nicht fest.
In den vergangenen Jahren hat die RCM Marktanteile verloren. Laut einer Kontrollbank-Statistik war die RCM Ende 2011 gemessen am Fondsvolumen die größte Gesellschaft Österreichs mit einem Marktanteil von 20,59 Prozent. Inzwischen wurde die Raiffeisen-Tochter von der Fondsgesellschaft der Erste Bank überholt. Der Umbau bei der RCM hängt mit einem Sparkurs bei Raiffeisen in Österreich zusammen. Dazu übernahm das Spitzeninstitut RZB im Vorjahr von den Raiffeisen-Landesbanken die Anteile von mehreren Töchtern wie RCM, Leasing und Bausparkasse. Bei diesen sollen nun 25 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Dies wirkt sich auf die Zahl der Beschäftigten aus. Bei den RZB-Töchtern sollen zehn Prozent der 1200 Mitarbeiter abgebaut werden. Man wolle aber ohne Kündigungen auskommen, heißt es.
Bei manchen Raiffeisen-Beteiligungen gab es in der Vergangenheit Probleme. Die Leasing-Töchter machten einst in Italien hohe Verluste. Zur Abdeckung mussten 117 Millionen Euro nach Italien überwiesen werden. Bereits 2011 erhielt die Raiffeisen-Leasing eine neue Führung. Geglückt ist jedenfalls der Umbau der Uniqa-Versicherung. Diese hatte 2011 einen Rekordverlust verbucht. Uniqa-Chef Andreas Brandstetter richtete das Unternehmen neu aus. Er befand sich dafür auf der Titelseite der dieswöchigen „Raiffeisenzeitung“. „Die nächste Etappe im langfristigen Strategieprogramm Uniqa 2.0 ist erfolgreich erledigt. 2014 wird der Kurs konsequent fortgesetzt“, schreibt die Zeitung.
Staat erhält Geld zurück
Zurück zu Höllerer, der in Finanzkreisen bereits als möglicher Nachfolger von RZB-Chef Walter Rothensteiner gehandelt wird. Die Rolle von Höllerer sorgte in der Vergangenheit für Kritik. Denn er arbeitete im Kabinett von Ex-Finanzminister Pröll, als Raiffeisen 2009 Staatshilfe beantragte. Der Finanzsprecher der Grünen, Werner Kogler, sah darin eine „Unvereinbarkeit“ und „schiefe Optik“. Doch Raiffeisen stellt jeden Zusammenhang zwischen Höllerer und der staatlichen Unterstützung in Abrede. Nun ist das Thema ohnehin abgehakt. Noch diesen März will Raiffeisen die Staatshilfe von 1,75 Milliarden Euro zurückzahlen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2014)