Warum Aktionäre derzeit russisches Roulette spielen und amerikanische Aktien jetzt das bessere Investment sind.
Die Krim-Krise hat bisher keine großen Auswirkungen auf die Märkte gehabt. Sie hat aber, selbst wenn es nicht zur immerhin möglichen Eskalation kommt, durchaus das Zeug, noch eine Zeit lang dahinzuschwelen. Wir werden uns also in den nächsten Monaten möglicherweise auf ein Auf und Ab mit heftigen Ausschlägen an den Börsen gewöhnen müssen. Ein bisschen ist ein Engagement auf den Märkten in nächster Zeit also im wahrsten Sinn des Wortes russisches Roulette.
Das heißt aber nicht, dass man sich von den Börsen fernhalten sollte. Erhöhte Vorsicht ist freilich geboten. Zumal die Ukraine ja ganz unabhängig von russischen Expansionsgelüsten am Staatsbankrott entlangschrammt, was durchaus auch andere osteuropäische Länder in die Bredouille bringen könnte. Und dass die Türkei an der Südflanke der Region wirtschaftlich relativ dramatisch abstürzt, ist auch nicht gerade beruhigend.
Das trifft vor allem die direkt betroffenen Märkte, also etwa den russischen. Zwar haben sich in Moskau wichtige Aktien wie etwa Gazprom (siehe unten stehende Geschichte) nach normalen Kriterien zu ausgesprochenen Schnäppchen entwickelt, der politische Einfluss auf die Kursentwicklung macht den Einstieg dort zurzeit aber höchst riskant. Dazu kommt der relativ steile Rubel-Verfall, der eventuelle Kursgewinne recht beherzt auffressen könnte.
Vorsicht ist aber auch in westeuropäischen Ländern mit starker Ostorientierung angebracht. Dazu gehören etwa die von russischen Gaslieferungen stark abhängigen Länder Österreich und Deutschland. Der ATX und der DAX haben dementsprechend viel stärker nachgegeben als etwa die amerikanischen Börsen.
Es schadet momentan also nicht, sich ein bisschen stärker in den USA umzuschauen. Dort glänzt seit einiger Zeit die Aktie des Medizintechnikunternehmens Thermo Fisher (ISIN US8835561023) ganz besonders. Selbst nach einem monatelangen Anstieg sieht der Aufwärtstrend noch intakt aus, der Ausblick für das Unternehmen selbst wurde kürzlich angehoben, und die Analysten sind nach wie vor bullish. Gerade erst hat Goldman Sachs das Kursziel auf 150 Dollar gehoben. Das wären vom aktuellen Kurs aus rund 20 Prozent. Sieht gut aus.
Nicht aufzuhalten ist auch der (freilich schon ziemlich luftig bewertete) Online-Videoanbieter Netflix (ISIN US64110L1061), der an dieser Stelle schon vor einiger Zeit einmal empfohlen wurde – und seither wie mit dem Lineal gezogen weiter nach oben gewandert ist. Die Aktie hat im Jahresabstand um gut 160 Prozent zugelegt, der Gewinn ist aber noch viel stärker gestiegen, sodass das Ende der Fahnenstange noch keineswegs in Sicht ist. Da ist noch einiges drin.
Ein bisschen genauer hinschauen müssen demnächst Anleger, die Aktien von Google (ISIN (US38259P5089) besitzen oder anschaffen wollen. Ende März steht ein Aktiensplit an, der die mit mehr als 1200 Dollar pro Stück schon reichlich üppig bepreiste Aktie optisch billiger machen wird. Normalerweise zieht das zusätzlich Käufer an, was den Kurs beflügelt. Der Internet-Riese verkompliziert die Angelegenheit aber ein wenig, indem er eine neue Aktienkategorie schafft, die den beiden Gründern eine deutlich stärkere Stimmrechtsposition verschafft. Darüber, wie die Aktionäre das dann aufnehmen werden, sind sich die Analysten nicht ganz sicher.
Recht gut performt in letzter Zeit jedenfalls der chinesische Google-Konkurrent Baidu (ISIN US0567521085). Nachdem das Papier der Chinesen-Suchmaschine ein charttechnisches Kaufsignal generiert hat, sieht es klar nach Einstieg aus.
In Europa könnten in nächster Zeit Aktien von Unternehmen mit starken Bindungen zu US-Konzernen reüssieren. Da fällt einem spontan der Spezialmaschinenbauer Manz (ISIN (DE000A0JQ5U3) ein, der unter anderem mit Apple und Tesla dick im Geschäft ist. Die Deutschen haben in der Vorwoche ein gutes Ergebnis vorgelegt, die Aufnahme in den Technologieindex Tecdax hat zusätzlich beflügelt, sodass der Kurs am Donnerstag recht kräftig hochgeschossen ist. Am Freitag gab es allerdings wieder einen leichten Rückschlag. Die Aktie hat sich nach einem steilen Anstieg zuletzt konsolidiert, diese Konsolidierung scheint noch nicht gesichert abgeschlossen zu sein. Wenn aber ein sauberer Sprung über die 70-Euro-Marke gelingt, wäre sie einen näheren Blick wert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2014)