Wildfang: Immer besser, aber weniger

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Bis zu 400 Tonnen Wildfang werden jährlich aus Österreichs Seen gefischt, das meiste aus dem Bodensee. Die Zahl sinkt – weil das Wasser immer klarer und nährstoffärmer wird.

Ganz will es nicht zusammenpassen – zumindest für den Laien. Je klarer das Wasser, desto wohler fühlen sich die Fische und desto mehr gibt es davon in einem See mit – wie es so schön heißt – Trinkwasserqualität. Möchte man meinen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Denn seit Kläranlagen in Betrieb sind und die Abwässer nicht mehr in die heimischen Seen fließen – also seit den 1960er-, 1970er-Jahren –, wird das Wasser immer klarer und nährstoffärmer, die Fische werden dadurch immer weniger.

„Seen wurden durch die Abwässer gedüngt, wie wenn man eine Wiese düngt“, sagt Hubert Gassner vom Institut für Gewässerökologie, Fischereibiologie und Seenkunde im Bundesamt für Wasserwirtschaft. Deshalb waren die Erträge vor ein paar Jahrzehnten noch weitaus größer. Während sich der aktuelle Hektarertrag auf zwischen fünf und zehn Kilogramm beläuft, waren es damals zwischen 20 und 30 Kilogramm pro Hektar.


Reinanken und Seesaiblinge. Heute werden zwischen 300 und 400 Tonnen Fische pro Jahr aus den heimischen Seen gefischt. Der Großteil davon, rund 350 Tonnen, stammt aus dem Bodensee. Bei den meisten Fischen handelt es sich um Reinanken (Renken) und Seesaiblinge. „Fischereibetriebe bei Fließgewässern haben sich in den Fünfzigerjahren aufgehört. Da gibt es nur mehr die Angler“, sagt Gassner.

Auch wenn der Bedarf nach Wildfang steigt – „das ist immer zu wenig, die Fischer verkaufen das eins zu eins an die Gastronomie“ –, wird die Zahl weiterhin sinken. „Das ist der natürliche Lauf der Dinge, das wird kontinuierlich weniger.“ Gassner schätzt den Output der heimischen Seen vor 20 Jahren auf 600 bis 700 Tonnen. Dass die Seen wieder sauber sind, kommt nicht nur den Badegästen zugute (immerhin konnte man im Mondsee in den 1970ern nicht baden). Nicht dass die Fische früher bei nährstoffreicherem Wasser ungesund waren. „Aber die Qualität steigt schon durch das klare Wasser.“ Für Gassner ist der Rückgang der Fangmengen ein Zurück zur Natur bzw. zu früher. „Es geht wieder zum ursprünglichen Zustand. Vor 200 Jahren waren die Seen auch nährstoffarm.“

Dass sich der Fischbestand auch durch die Klimaerwärmung ändert, ist mittlerweile messbar. „In den vergangenen 20, 30 Jahren sind die Seen an der Oberfläche um zwei Grad wärmer geworden“, so Gassner. Die Reinanke oder den Seesaibling stört das weniger, sie können in die Tiefe flüchten. Problematisch ist es für kleine Fische, wie Erlitze oder Schmerle, die sich normalerweise in Ufernähe aufhalten. Weil es dort aber zu warm für sie ist, müssen sie ins tiefe Wasser ausweichen, wo sich auch ihre Räuber aufhalten. „Die haben keine wirtschaftliche, aber eine ökologische Bedeutung. In manchen Seen gibt es sie nicht mehr.“

Anders geht es hingegen dem Barsch und dem Hecht. Sie lieben wärmeres Wasser und waren deshalb in den 1970ern kaum mehr vorhanden. Heute gibt es etwa im Toplitzsee so viele Barsche wie noch nie. Kälter wird es hingegen im Hallstätter See – durch die Klimaerwärmung. Weil der Gletscher am Dachstein so stark schmilzt, kommt es im Sommer am See zu einer zweiten Kühlphase. Dadurch entwickelt sich Plankton später, was aber in der Haupternährungszeit der Fische (Mai bis August) problematisch werden kann, verlieren sie doch etwa ein Viertel ihrer Nahrung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2014)

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