Modeberatung per Telefon

Anna Alex und Julia Bösch
Anna Alex und Julia BöschOutfittery
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Die Outfittery rät Männern per Computer und Telefon, was sie tragen sollen. Das Konzept ist in den USA ein Hit, und auch Österreicher finden Gefallen daran.

Das Ganze funktioniert in etwa so: Zuerst muss der geneigte Käufer einen Online-Fragebogen ausfüllen, in dem er erklärt, ob er sich in seiner Freizeit lässig, klassisch, sportlich oder modisch kleidet. Danach folgen Fragen nach dem Kleiderstil bei der Arbeit und welche Schuhe und Taschen man zu Hause hat. Damit keine Missverständnisse entstehen, sind alle Fragen mit Beispielfotos versehen.

Der Computer findet dann aber aufgrund der Ergebnisse keine Kleidung, sondern wählt – und das ist die Krux – einen Stylingberater für einen aus. Der meldet sich dann per Mail für einen Termin. Erst dann geht es los.

In einem zehn- bis 15-minütigen Telefonat werden Details wie Kleidungsgröße, Lieblingsfarbe, Preissegment und Ähnliches abgeklärt. Bevorzugen Sie Grün, mögen Sie Rot? Gibt es etwas, was Sie nie tragen würden?

Dann muss der Kunde eigentlich nur mehr warten, bis ein Paket bei ihm zu Hause eintrifft. Die Box enthält drei fertige, vom Stylingexperten zusammengestellte Outfits. Die kann man dann anprobieren.

Was nicht gefällt oder nicht passt, wird zurückgeschickt. Bezahlt werden muss weder die Beratung noch der Versand- oder Rückversand. Behalten Sie ein paar Stücke, dürfen Sie sich zu einer stetig wachsenden Gruppe von Menschen zählen: jenen, die regelmäßig Online-Modeberatung in Anspruch nehmen. In den USA ist Curated Shopping, das man am besten mit betreutem Einkaufen übersetzt, schon länger der neueste Schrei. Per Online-Beratung werden einem Kleider, die einem stehen sollen, zugeschickt.

Das gefällt mittlerweile auch Deutschen und Österreichern, die auch hierzulande auf Anbieter zugreifen können. Zu den erfolgreichen Unternehmen gehört etwa das erst vor zwei Jahren eröffnete Berliner Start-up Outfittery. Die Firma hat es innerhalb dieser Zeit auf rund 100.000 Kunden gebracht. Und das nicht nur in Deutschland, rund 10.000 der Kunden sind Österreicher.

Männer wohlgemerkt, denn auf die hat sich das Unternehmen spezialisiert. Weil eben gerade Männer nicht gern einkaufen, keine Zeit haben oder einfach stilunsicher sind.
Hinter dem Projekt stehen die beiden Jungunternehmerinnen Anna Alex und Julia Bösch. Letztere hat sich Inspiration für das Curated-Shopping-Unternehmen in den USA geholt. „Während meines Studiums in New York habe ich mitbekommen, wie sich ein Freund von mir einen Personal Shopper geleistet hat. Da dachte ich mir, so etwas Ähnliches – nur eben online – könnten die deutschen Männer auch gut gebrauchen.“

Vor Anfangsschwierigkeiten wie logistischen Umplanungen oder Platznot war freilich auch dieses Start-up nicht gefeit. Investoren fanden sich jedoch ziemlich schnell. „Anna und ich haben durch unseren beruflichen Background schon im Vorfeld ein gutes Netzwerk aufgebaut“, erklärt Julia Bösch.

Beide waren schon in der Online-Verkaufsbranche tätig. Alex leitete zuletzt die IT eines großen Schweizer Unternehmens und Bösch war für die Internationalisierung des bekannten Online-Kleiderhändler Zalando in Europa zuständig.

Das Netzwerk dürfte sich bezahlt gemacht haben. Erst vor Kurzem investierte der US-amerikanische Venture-Capital-Investor Highland Capital Partners in die Outfittery – und zwar ganze 13 Millionen Euro. Ein ziemlich Sprung, wenn man bedenkt, dass die beiden Frauen Versand und Stilberatung in ihrem eigenen Wohnzimmer begonnen haben.

Fast nur Frauen beraten. Mittlerweile zählt die Outfittery bereits 100 Angestellte. Die Mehrheit davon sind Stylingberater, die für das Geschäft freilich auch am wichtigsten sind. Auf der Homepage, auf der alle Stilberater porträtiert sind, sind vor allem Frauen zu finden, kaum Männer.

Viele der Verkäufer, erzählen die beiden Gründerinnen, hätten davor in Modegeschäften gearbeitet. Abgesehen von Deutschland und Österreich hat das Unternehmen auch in die Schweiz expandiert, um dort den Männern in Sachen Mode unter die Arme zu greifen. „Wien ist mittlerweile nach Berlin aber unsere zweitwichtigste Einkaufsstadt“, sagt Bösch. „Österreichische Männer sind mutiger und legen Wert auf gute Qualität“, fügt sie hinzu.

Der durchschnittliche Outfittery-Kunde ist (länderübergreifend gesprochen) 25 bis 50 Jahre alt und steht mitten im Berufsleben. Muss er auch: Rund 300 Euro zahlt ein Kunde im Schnitt für ein Outfit. Dafür bekommt er Marken im mittel- bis hochpreisigen Segment und nicht nur etwa Hose, Sakko und Hemd, sondern auch gleich noch passende Socken, Unterhosen, Krawatten und Schuhe mitgeliefert.

Bald nach Holland. Allein auf dem Markt ist die „Outfittery“ freilich nicht. In Deutschland sind momentan drei große Curated-Shopping-Anbieter vertreten, und auch im Rest von Europa gibt es Konkurrenz.

Alex und Bösch von der Outfittery sehen den wachsenden Druck aber eher als Ansporn. So ist als nächstes eine Expansion nach Holland geplant, übrigens mit einem erheblichen Teil der kürzlich erworbenen Investition. Um auch die holländischen Männer von ihrem Konzept zu überzeugen, wird bereits im Vorfeld gründlich recherchiert, welchen Stil die Holländer bevorzugen.

Immerhin unterscheiden sich die Vorlieben von Land zu Land.

Steckbrief

Vor zwei Jahren
haben Anna Alex und Julia Bösch die Outfittery gegründet.

Das Unternehmen hat mittlerweile 100.000 Kunden. Ein Zehntel davon stammt aus Österreich, vor allem aus Wien.

In drei Ländern, nämlich Österreich, Deutschland und der Schweiz ist die Outfittery vertreten. Eine Expansion nach Holland wird derzeit vorbereitet.

Einkaufshilfe

Seit zwei Jahren bietet die Outfittery Online-Modeberatung für Männer. Dafür müssen die Kunden einen Fragebogen ausfüllen, danach folgt ein Gespräch mit einem Stylingberater.

Drei ausgewählte Outfits werden dem Kunden dann zugesandt. Von den Schuhen über die Unterhose bis zu Hemd, Hose, Jacke und wenn nötig Krawatte. Was nicht gefällt oder passt, wird zurückgeschickt. www.outfittery.de

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2014)

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