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Handyspiel: Gewinnchance zu gering

(c) REUTERS (OLIVIA HARRIS)
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Eine Handelskette versprach eine Million Euro, wenn die Handynummer eines Kunden gezogen wird. Die Chance dafür lag aber fast bei null.

Wien. „Die Sensation: 1 Mio. € in bar zu gewinnen.“ Mit hochtrabenden Worten war das Gewinnspiel der Handelskette Hartlauer im Jahr 2012 angekündigt worden. Mit zu hochtrabenden, wie nun der Oberste Gerichtshof (OGH) meint. Denn die Chance, tatsächlich zu gewinnen, sei so gering, dass sie fast schon null Prozent beträgt.

Um am Gewinnspiel teilnehmen zu können, musste man bei der Handelskette innerhalb eines bestimmten Zeitraums einen Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter neu abschließen oder einen bestehenden verlängern. Der Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb klagte aber gegen das Gewinnspiel. Die Reklame sei irreführend, und es sei nicht sichergestellt, dass überhaupt jemand gewinne. Hartlauer verwies wiederum darauf, dass man in sämtlichen Katalogen nähere Informationen zum Gewinnspiel angeführt habe. Auch auf dem Formular, das Teilnehmer der Verlosung ausfüllen müssen, stünden die genauen Teilnahmebestimmungen.

Gewonnen hat man demnach, wenn die eigene elf- oder zwölfstellige Handynummer gezogen wird. Es wird aber nur einmal gespielt, und das mittels eines Drehrades: Zunächst wird eine von sechs möglichen Vorwahlnummern des Mobilfunkanbieters (etwa 0664 oder 0676) ausgelost. Dann werden die restlichen Ziffern einzeln ermittelt. Schließlich wird kontrolliert, ob jemand, der am Gewinnspiel teilnahm, genau diese Rufnummer hat. Falls ja, gewinnt dieser die Million Euro.

 

Was erwarten sich Teilnehmer?

Laut Ausschreibung war die Zahl der Teilnehmer des Gewinnspiels auf 300.000 begrenzt. Aber selbst, wenn all diese Leute teilnehmen, tendiert die Chance zu gewinnen gegen null, wie im Verfahren vorgerechnet wurde. Die Wahrscheinlichkeit, dass aus den sechs möglichen Vorwahlen der Telefonbetreiber die Vorwahl des eigenen Mobilfunkanbieters gewählt wird, ist bereits eins zu sechs. Und dann gibt es noch bei den sechs Anbietern jeweils etwa zehn Millionen Rufnummer-Kombinationsmöglichkeiten. Insgesamt wurden 56 Millionen Möglichkeiten bei den Telefonnummern errechnet. Das brachte eine Wahrscheinlichkeit von 0,000000 x% dafür, dass im Rahmen des Gewinnspiels eine Handynummer gezogen wird, deren Inhaber gerade bei Hartlauer einen Vertrag abgeschlossen hat.

Das störte das Landesgericht Steyr nicht. Eine geringe Gewinnchance sei nicht mit dem völligen Fehlen einer Chance gleichzusetzen. Dem durchschnittlichen Konsumenten habe klar sein müssen, dass die Gewinnchance gegen null gehe. Es liege keine irreführende Geschäftspraktik vor. Das Oberlandesgericht Linz pflichtete dem bei: Die Leute würden wissen, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einem solchen Gewinnspiel eine Million zu gewinnen, sehr gering sei.

Erst der OGH (4 Ob 149/13k) gab dem Unterlassungsbegehren statt: Denn ein durchschnittlicher Konsument erwarte sich bei einem Gewinnspiel, „dass der ausgelobte Preis jedenfalls einem Teilnehmer des Spiels zufällt“. Diese Erwartung werde enttäuscht, wenn verschwiegen werde, dass die Gewinnchance derart gering ist. Und während das Gewinnspiel als solches in großen Lettern beworben wurde, sei die „Gewinnspiellogik“ nur in kleiner Schrift verdeutlicht worden. (aich)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2014)