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Test: Nikon D4s - Update für das Flagschiff

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Nikon hat seine Profikamera D4 mit vielen sinnvollen Updates - vom Sensor bis zur Videofunktion - zur D4s gemacht.

Sportveranstaltungen sind immer gute Anlässe, um Prototypen von neue Profikameras zu testen. Wer sich heuer bei den Olympischen Spielen in Sotschi die EXIF-Daten von Fotos genauer anschaute, konnte bei Bildern der Agentur Getty öfter "Nikon D4s" lesen. Für das neue Flaggschiff des japanischen Herstellers waren die Spiele der finale Härtetest - nur wenige Wochen, nachdem Nikon überhaupt erst bekanntgegeben hat, an einem Nachfolger für die populäre D4 zu arbeiten.

Die Profis in Sotschi hatten offenbar nichts zu bemängeln, denn jetzt kommt die D4s bereits in Österreich in den Handel. DiePresse.com hatte die Chance, ein Serienmodell in Kombination mit dem ebenfalls neuen Nikkor AF-S 58mm 1:1.4 zu testen. Unser Interesse galt dabei mehr der Alltagstauglichkeit der Kamera, als dem Pixelzählen; mehr der Frage, wie sich die D4s in der Praxis bewährt und weniger der Frage, wie brauchbar Bilder bei den theoretisch möglichen 409.600 ISO sind - die ohnehin nie jemand verwendet.

Neuer Sensor

Nikon hat für die D4s den FX-CMOS-Vollformatsensor neu entwickelt, er liefert 16.2 Megapixel. Neu ist auch das Bildverarbeitungsprogramm Expeed (Version 4), das schnellere Prozesse bringt und damit die Möglichkeit, mehr Bilder pro Sekunde zu schießen. Das Rauschverhalten wurde mit dem neuen Sensor und dem neuen Programm deutlich reduziert - und zwar so weit, dass sogar eine Empfindlichkeit von 25.600 ISO noch durchaus brauchbare Bilder für den Abdruck in der "Presse" lieferte.

Die Performance der Kamera bei hohen ISO-Werten ist tatsächlich beeindruckend. Bei 3200 ISO sind die Bilder praktisch rauschfrei. Gäbe es kein anderes Argument für die D4s, das Rauschverhalten allein würde als Kaufgrund genügen.

Aufgenommen mit der Nikon D4s bei 25.600 ISO
Aufgenommen mit der Nikon D4s bei 25.600 ISRief
Ausschnitt aus dem Bild oben bei 25.600 ISO
Ausschnitt aus dem Bild oben bei 25.600 ISORief

Mehr Bilder pro Sekunde bedeutet konkret elf - keine große Verbesserung gegenüber den zehn der D4, könnte man meinen. Tatsächlich aber ist es ein Meilenschritt. Denn im Continuous-Mode sind bei dieser hohen Bildzahl Autofokus und Belichtung nicht mehr gesperrt, sondern passen sich ständig an. Die Konsequenz sind höhere Trefferraten bei Sportfotos.

Speicherprobleme dürfte man trotz der höheren Bildrate nicht bekommen: Im jpeg-Format kann man 200 Bilder fotografieren, bevor der Speicher voll ist, im RAW-Format sind es beachtliche 176. Man muss bei Sportaufnahmen also nicht mehr sicherheitshalber in den jpeg-Modus schalten, sondern kann recht sorglos in RAW fotografieren.

Kleineres RAW-Format

Apropos: Bei RAW gibt es eine zweite, wesentliche Neuerung, die Nikon-Fotografen vor allem Canon zu verdanken haben. Der große Konkurrent bietet nämlich schon lange die Möglichkeit, ein kleineres RAW-Bild aufzunehmen. Nun führt auch Nikon ein sRAW ein: Statt 16.2 Megapixel hat das kleinere NEF lediglich vier Megapixel. Das garantiert in Kombination mit dem neuen Gigabit-Ethernet-Anschluss eine schnellere Übertragung der Bilder. In Sotschi hat Getty beispielsweise hunderte Kilometer an Netzwerkkabel verlegt, um Bilder so binnen Sekunden vom Fotografen zum Bildredakteur zu bringen. Die Eröffnungsfotos liefen bereits nach wenigen Minuten über die Agentur.

Lokal werden die Bilder in zwei Schächten auf CF-Karten und auf XQD-Karten gespeichert. Dass sich letztere trotz der unglaublich schnellen Datenraten irgendwann durchsetzen, bleibt noch abzuwarten.

Beim Autofokus baut man auf das bewährte 51-Messfelder-System, lässt aber einen neuen Algorithmus rechnen, was - laut Nikon - schnelleres Erfassen von Objekten und vor allem eine exaktere Verfolgung bringen soll. Davon konnten wir uns bei einem Fussball-Spiel überzeugen: Wenn die Kamera einen Spieler als Autofokus-Punkt erfasst hat, dann bleibt sie auf ihm (und dokumentiert auch Fouls, die der Schiedsrichter übersehen hat, siehe Galerie).

Besonders hilfreich ist dabei die neue Funktion "Group-Autofokus": Wie bei einem einzelnen Autofokus-Punkt wählt man mit dem kleinen Joystick ein ganzes Feld (fünf Punkte), die man im Sucher verschieben kann. So ist ein größerer Bereich abgedeckt, die Chance ist also geringer, dass ein einzelner Autofokus-Punkt etwa bei einem Fußball-Spiel einen Spieler "verliert".

Angepasst an die Konkurrenz hat Nikon den Film-Modus. Ist man bei der D4 auf eine Filmrate von 30, 25 und 24 beschränkt, bietet die D4s jetzt auch 50p und 60p bei voller HD-Auflösung von 1920x1080. Über ein HDMI-Kabel kann man Filme auf eine externe Quelle speichern.

Alles zusammen hat Nikon die D4 mit Verbesserungen zu einer D4s gemacht, die bei niemandem einen "Wow"-Effekt verursachen. Profis wird die neue Kamera die Arbeit aber deutlich erleichtern und verbessern.

Die Nikon D4s ist ab sofort in Österreich erhältlich, die unverbindlichen Preisempfehlung ist 6149 Euro.