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Milliardenverlust bei Bank Austria

PK BANK AUSTRIA 'JAHRESERGEBNIS 2013': CERNKO
(c) APA/HELMUT FOHRINGER
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Die Bank Austria hat alle Firmenwerte in Osteuropa auf null gestellt. Das beschert dem Institut einen Rekordverlust von 1,6 Milliarden Euro. Die Ukraine-Tochter steht zum Verkauf.

Wien. Die Bank Austria schockt mit einem Rekordverlust von 1,6 Milliarden Euro. Denn das Institut hat alle Firmenwerte in Zentral- und Osteuropa (Goodwill) auf null gestellt. Bank-Chef Willibald Cernko spricht von einem „Befreiungsschlag, der uns von dem Belastungsrucksack der Vergangenheit befreit“. Er geht davon aus, dass auch andere Finanzkonzerne diesem Beispiel folgen werden. Ähnlich wie Raiffeisen und Erste Group fuhr die Bank Austria in der Vergangenheit in Osteuropa einen aggressiven Expansionskurs. In der damaligen Goldgräberstimmung wurden für osteuropäische Banken überhöhte Preise bezahlt. Doch dann kam die Finanzkrise. Diese hat auch die Märkte in Osteuropa erwischt.

Laut Cernko bilden die neuen Bilanzwerte die „heutige Realität“ ab. Man habe nun notwendige Korrekturen, die in Zukunft noch hätten passieren können, eliminiert. „Wir haben deutlich Risken aus unserer Bilanz herausgenommen“, ergänzte Francesco Giordano, Finanzvorstand der Bank.

Was machen andere Banken?

Ohne die Totalabschreibungen hätte die Bank Austria im Vorjahr einen Gewinn von 354 Millionen Euro verbucht. Der Firmenwert der Töchter in Zentral- und Osteuropa lag bei 1,957 Milliarden Euro. Daher kam unterm Strich ein Verlust von 1,603 Milliarden Euro heraus.

Andere Institute sind zuletzt nicht so radikal vorgegangen wie die Bank Austria. Bei der Erste Bank heißt es dazu, man bewerte jedes Jahr die Beteiligung in Zentral- und Osteuropa. Für die Bilanz 2013 wurden Abschreibungen von über 300 Millionen Euro vorgenommen. Nach dieser Maßnahme liegen die Firmenwerte bei der Erste Bank bei etwas mehr als einer Milliarde Euro. Die Raiffeisen Bank International gab noch keine Ergebnisse für 2013 bekannt. Doch zuvor wies Raiffeisen Firmenwerte von 551 Millionen Euro aus.

Brisant ist die Lage bei der angeschlagenen Hypo Alpe Adria. Diese will den Wert ihrer Beteiligungen in Zentral- und Osteuropa nicht nennen. Doch laut „Presse“-Informationen dürften die Firmenwerte bei der Hypo bei einer Milliarde Euro liegen. Laut EU-Vorgabe muss die Hypo ihre Osteuropa-Töchter bis Mitte 2015 verkaufen. Falls der Käufer nicht genug zahlt, sind Abschreibungen vorzunehmen.

Die jüngsten Wertberichtigungen bei Finanzkonzernen hängen auch mit dem „Bilanzcheck“ der Europäischen Zentralbank zusammen. Diese wird heuer erstmals 128 europäische Großbanken unter die Lupe nehmen.

Die größte Position bei den Firmenwerten hatte die Bank Austria in Russland mit 708 Millionen Euro, dahinter folgten Tschechien (388 Millionen Euro), die Türkei (279 Millionen Euro), Bulgarien (159 Millionen Euro), Rumänien (133 Millionen Euro), Ungarn (118 Millionen Euro) und Kroatien (50 Millionen Euro).

„Brauchen keine fremde Hilfe“

Cernko versichert, dass die Bank die Korrektur aus eigener Kraft bewältigen kann: „Während andere auf die Hilfe des Staates und der Steuerzahler angewiesen waren oder sind, hatten wir dies nie notwendig und brauchen auch weiter keine fremde Hilfe.“ Auch nach den Abschreibungen verfügt das Institut über ein Eigenkapital von 15,1 Milliarden Euro. Das ist laut Cernko deutlich mehr, als von der Aufsicht verlangt wird.

Ähnlich wie Raiffeisen will sich die Bank Austria aus der Ukraine zurückziehen. Die dortige Tochter belastete die Bank-Austria-Bilanz mit 243 Millionen Euro. Laut Cernko sei der Bewerber „trotz der jüngsten politischen Auseinandersetzungen“ noch immer an der Ukraine-Tochter interessiert. Raiffeisen hat dagegen den Verkaufsprozess vorübergehend gestoppt.

Auch der Mutterkonzern der Bank Austria, die italienische UniCredit, bereinigte die Bilanz. Wegen Abschreibungen und Rückstellungen für faule Kredite fiel bei der UniCredit ein Verlust von 14 Milliarden Euro an. „Für UniCredit war 2013 das Jahr der Wende“, sagte Konzern-Chef Federico Ghizzoni. Trotzdem plant er einen rigiden Sparkurs, bei dem in den nächsten Jahren 8500 der 150.000 Stellen gestrichen werden sollen. Davon sind in Österreich – wie bereits im Vorjahr bekannt gegeben – rund 850 Mitarbeiter betroffen.

Heuer will die UniCredit wieder zwei Milliarden Euro verdienen. Bis 2018 soll der Gewinn auf 6,6 Milliarden Euro steigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2014)