Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Arbeitsrecht: Was man gegen Entlassung tun kann

Arbeitsrecht, Entlassung
(c) Bilderbox
  • Drucken

Seinen Job bekommt man normalerweise nicht zurück, wenn man eine Entlassung erfolgreich bekämpft. Für den Arbeitgeber wird es dann aber teuer.

Wien. Von „Entlassung“ ist oft die Rede, nicht selten auch dann, wenn es im technischen Sinn nicht passt. So sind „Massenentlassungen“ wegen wirtschaftlicher Probleme eines Unternehmens in Wahrheit keine, es handelt sich da um Kündigungen. Der Unterschied ist gravierend. Vor allem endet bei einer Kündigung das Dienstverhältnis erst nach Ablauf der Kündigungsfrist. Die Entlassung ist dagegen fristlos, der Arbeitsvertrag wird mit sofortiger Wirkung beendet. Möglich ist das nur aus wichtigen Gründen. Auch das ist ein Unterschied zur Kündigung: Diese muss gar nicht begründet werden.

Matthias Hartmann wurde entlassen – im technischen Sinn. Er kündigte an, sich dagegen zu wehren. Welche Möglichkeiten gibt es dafür? Wenn man meint, die Entlassung sei ungerechtfertigt, kann man sie vor dem Arbeitsgericht bekämpfen. Bekommt man vor Gericht recht, heißt das aber nicht, dass man dann seinen Job wieder hat – jedenfalls dann nicht, wenn man ein Topmanager ist. Denn eine Entlassung beendet das Dienstverhältnis jedenfalls, selbst dann, wenn sie ungerechtfertigt ist.

Was man erreichen kann, ist grundsätzlich nur, dass man finanziell so gestellt wird, als wäre man nicht entlassen, sondern gekündigt worden. Also dass einem alle Ansprüche erhalten bleiben, die man bei einer Kündigung auch hätte, vor allem die volle Bezahlung während der Kündigungsfrist. Eventuell kann man auch noch Schäden einklagen, die man durch die ungerechtfertigte Entlassung erlitten hat.

 

Vorteil, wenn man nicht Chef ist

Hatte man – wie Hartmann – einen befristeten Vertrag, gibt es meist kein reguläres Kündigungsrecht während der Laufzeit. Bei einer Entlassung, die sich als ungerechtfertigt erweist, stehen einem also grundsätzlich alle Ansprüche für die gesamte Vertragslaufzeit zu (eventuell unter Anrechnung des Verdienstes in einem neuen Job).

Wer – anders als Hartmann – nicht zur obersten Führungsriege zählt, hat sogar noch mehr Möglichkeiten, eine Entlassung zu bekämpfen: Denn wer kein leitender Angestellter mit „maßgebendem Einfluss auf die Führung des Betriebs“ ist, genießt Schutz durch das Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG). Dieses ermöglicht es, unter bestimmten Voraussetzungen eine Kündigung anzufechten – Topmanager können das nicht. Anfechtbar ist eine Kündigung, wenn sie entweder aus einem „verpönten Motiv“ ausgesprochen wurde (z.B. weil der Mitarbeiter es ablehnt, auf einen ihm zustehenden Anspruch zu verzichten) oder weil sie sozialwidrig ist. Aus denselben Gründen kann man auch eine ungerechtfertigte Entlassung anfechten. Es muss also beides der Fall sein: dass es keinen Grund für die Fristlose gibt und dass auch noch ein verpöntes Motiv oder Sozialwidrigkeit vorliegt. Dann kann man theoretisch sogar erreichen, dass das Dienstverhältnis wieder auflebt. Praktisch will das kaum jemand. Die Position, um finanzielle Ansprüche durchzusetzen, wird dadurch aber stärker. (cka)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2014)