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Burgtheater: "Das Schrecklichste ist der Vertrauensverlust"

Burgtheater, Aufsichtsratchef Christian Strasser
Aufsichtsratchef Christian Strasser(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Christian Strasser, neuer Aufsichtsratsvorsitzender, schätzt, dass die interimistische Leitung eineinhalb Jahre im Amt sein wird. Die Burg hält er für "das wichtigste Theater der Welt". Deutsche Zeitungen nennen die Abberufung des "Egomanen" Hartmann ein "Königsdrama".

„Volle Aufklärung, finanzielle Stabilität, Sicherheit für das Ensemble“, das sind die Eckpunkte des Programms, das sich der neue Aufsichtsratsvorsitzende des Burgtheaters, Christian Strasser, vorgenommen hat. Der Chef des Wiener Museumsquartiers löst Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer im Burg-Aufsichtsrat ab. Die Burg wird derzeit von ihrem kaufmännischen Direktor, Thomas Königstorfer, geführt, so Strasser.

„Die Krise ist schlimm genug. Aber das Schrecklichste ist der Vertrauensverlust, in der Öffentlichkeit, im Haus. Wir müssen uns darum bemühen, dass die Freude am Spielen wiederkehrt“, so Strasser. Für ihn sei die Burg „das wichtigste Theater der Welt“. Am 19.März ist die nächste Aufsichtsratssitzung. Der Plan sehe so aus, dass für ca. eineinhalb Jahre eine interimistische künstlerische Leitung bestellt werde, die mit der Umsetzung des Sparpakets beginnen müsse.

Hat die Schauspielerin Maria Happel, die in der Findungskommission für die Volkstheater-Direktion war, Chancen? „Wir suchen eine integrative Persönlichkeit, der man nicht den Betrieb erklären muss. Aufsichtsrat und Eigentümer sprechen mit verschiedenen Leuten, Frauen und Männern. Es muss jemand sein, der sich auf diese schwierige Position einlässt.“

Die Burg-Direktion wird bald ausgeschrieben, doch der Amtsantritt eines neuen Chefs werde wohl erst ab 2015/16 möglich sein: „Wenn er oder sie früher kann, ist er oder sie natürlich willkommen“, sagt Strasser. Als Burg-Chef wird auch Frank Baumbauer ins Gespräch gebracht. Der 68-jährige ehemalige Direktor der Münchner Kammerspiele und des Hamburger Schauspielhauses war mit Nikolaus Bachler, heute Münchner Operndirektor, 1999 im Gespräch für das Burgtheater. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Baumbauer, kurz bevor er die Kammerspiele im Juli 2010 verließ: „Ich übernehme kein großes Stadttheater mehr, es gab durchaus Angebote.“

 

Baumbauer, Happel als Retter?

Im „Falter“ hat Baumbauer Matthias Hartmann vor dessen Entlassung kritisiert: „Er macht sich's zu einfach.“ Und über die Burg meinte Baumbauer: „Wenn man irgendwann anfangen muss, das Budget in realistische Dimensionen zu bringen, dann ist man immer noch auf einem sehr hohen Niveau.“

1999 bis 2001 war Baumbauer Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele. In der Branche gilt er als Profi, der imstande ist, ästhetische und wirtschaftliche Belange unter einen Hut zu bringen. „Natürlich kenne ich Frank Baumbauer“, mehr lässt sich Christian Strasser zu diesem Thema nicht entlocken.

Die Holding werde die Burg-Ausschreibung vornehmen. Nach Beratungen mit dem Aufsichtsrat entscheide der Eigentümer, sprich: der zuständige Minister, derzeit Josef Ostermayer. Eine Zahlungsunfähigkeit der Burg sei „undenkbar“, betont Strasser: „Es ist sind abenteuerliche Dinge passiert. Aber wir werden die Krise in den Griff bekommen.“ Ob Immobilien verkauft werden, etwa die Burg-Probebühnen im Arsenal an die Bundestheater-Service-Tochter Art for Art (Sale and lease back), darüber werde man ebenfalls kommende Woche beraten, erklärt Strasser.

Die deutschen Zeitungen fallen über Hartmann her: „Reiner Tisch in unreinen Wiener Verhältnissen: Matthias Hartmann stürzt in tiefem Bogen aus egomanen Höhen“, schreibt Gerhard Stadelmaier in der „Frankfurter Allgemeinen“ und schickt die Burg gleich hinterdrein: „Der Fall eines Theaters, das im Grunde nicht mehr weiß, was es will.“ „Ein Königsdrama“, titelt die „Süddeutsche“. „Der wüsten Eskalation um liederliche Buchführung folgte ein drastischer Showdown“, heißt es in der „Zürcher“. (Rechtsstreit um Hartmann, Seite 19) (bp)

ZUR PERSON

Christian Strasser. Der 51-jährige Jurist folgte 2011 Wolfgang Waldner, der in die Politik wechselte, als Chef des Wiener Museumsquartiers. Zuvor war Strasser 14 Jahre Manager des Linzer Posthofs und leitete die Linzer Gebäudeverwaltung. [ Lukas Beck ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2014)