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Ukrainischer Top-Oligarch Firtasch in Wien verhaftet

Auf Ansuchen des FBI in Wien verhaftet: Dmitro Firtasch
Auf Ansuchen des FBI in Wien verhaftet: Dmitro Firtasch(c) imago stock&people (imago stock&people)
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Der Ukrainer wurde im Auftrag des FBI gesucht. Die USA ermittelten bereits seit 2006 wegen Bestechung und anderer Delikte. In Wien wurden 2007 seine Kontakte zu Raiffeisen unter die Lupe genommen.

In Wien wurde einer der Top-Oligarchen der Ukraine verhaftet: Wie der "Presse" bestätigt wurde, handelt sich bei dem 48-jährigen Unternehmer tatsächlich um Dmitro Firtasch. Die am Donnerstag bekanntgewordene Festnahme des Oligarchen erfolgte auf Ersuchen des FBI und fand bereits am Mittwoch statt, und zwar in der Schwindgasse im vierten Wiener Bezirk.

Dort hat Firtasch eine Firmenadresse, und dort ist er auch polizeilich gemeldet. Die Festnahme sei auf offener Straße erfolgt, sagte Mario Hejl, Sprecher des Bundeskriminalamtes (BK), es seien Beamte vom Büro für organisierte Kriminalität und des EKO-Cobra beteiligt. Firtasch habe Bodyguards dabei gehabt, die Festnahme sei aber ohne Zwischenfälle erfolgt. Er wurde in die Justizanstalt Josephstadt gebracht.

Prüfung über Auslieferungshaft

Das Landesgericht für Strafsachen in Wien wird über seinen weiteren Verbleib hinter Gittern entscheiden. Die Frist für die Verhängung der Auslieferungshaft läuft in der Nacht auf Samstag ab, denn es muss binnen 48 Stunden nach der Verhaftung entschieden werden. Das Gericht muss außerdem prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Auslieferung vorliegen. Hat das Gericht auf Auslieferung entschieden, geht der Fall noch ans Justizministerium, wo er nach völkerrechtlichen Kriterien geprüft wird, sagte Ministeriumssprecherin Dagmar Albegger.

Die US-Behörden werfen dem Ukrainer laut dem Bundeskriminalamt im Zusammenhang mit Auslandsgeschäften Bestechung und Bildung einer kriminellen Vereinigung vor. Firtasch ist wie viele ukrainische Unternehmer, darunter die Gebrüder Klujew, in Wien geschäftlich aktiv. Firtasch hat enge Kontakte zu Russland und ist im Gas-, Chemie-, Medien- und Bankengeschäft tätig.

Verhaftung habe nichts mit Umsturz zu tun

BK-Sprecher Hejl sagte, dass das FBI schon jahrelang gegen den 48-Jährigen ermittle und die Verhaftung nichts mit den aktuellen politischen Umstürzen in der Ukraine zu tun habe. Die amerikanischen Ermittlungen liefen demnach bereits seit 2006, der Haftbefehl sei aber erst im März erlassen worden.

Firtasch gehört zu jenen Oligarchen, die während des Umsturzes in Kiew im Februar rasch die Lager wechselten und sich auf die Seite der neuen Machthaber stellten. Es waren mutmaßlich die von ihm und Rinat Achmetow, dem reichsten Mann der Ukraine, abhängigen Abgeordneten in der Rada, dem ukrainischen Parlament, die den Ausschlag gaben, dass Präsident Janukowitsch abgesetzt werden konnte.

"Keinen Grund, solchen Kunden abzulehnen"

Firtaschs Kontakte zur Raiffeisen Investment AG (RIAG) waren übrigens Gegenstand beim Banken-Untersuchungsausschuss des Parlaments im Jahr 2007. Raiffeisen-Manager Wolfgang Putschek musste damals Details über die Treuhandschaft der Raiffeisen Investment bei der Gashandelsgesellschaft RosUkrEnergo erklären.

Beide Treugeber, die ukrainischen Geschäftsleute Firtasch und Iwan Fursin, würden vom FBI als hochrangige Mitglieder der Organisation von Semion Mogilevich (SMO) bezeichnet, dem Geldwäsche und Betrug in großem Stil vorgeworfen würden, zitierte der Grüne Abgeordnete Werner Kogler aus einem Bundeskriminalamt-Bericht. Putschek meinte damals, er habe persönlich im Februar 2006 in Washington bei einem Treffen US-Behördenvertreter informiert, die ganze Sache habe sich „in Wohlgefallen aufgelöst".

Die Frage, ob es aktuelle (im Jahr 2007, Anm.) Geschäftsbeziehungen der Raiffeisen-Gruppe mit Firtasch gebe, ließ Putschek damals im Parlament offen. „Wir sehen keinen Grund, einen Kunden wie Herrn Firtasch abzulehnen“, sagte er. Kundenbeziehungen würden aber generell dem Bankgeheimnis unterliegen.

Eine Stellungnahme von Raiffeisen war heute kurzfristig noch nicht zu erhalten.

(APA/Reuters/cu/hd)