Streit um das Burgtheater im Kulturausschuss

KULTURAUSSCHUSS-SITZUNG ZUR CAUSA BURGTHEATER
Kulturausschuss-Sitzung zum Burgtheater(c) APA (HERBERT NEUBAUER)

Hartmann-Affäre. Das Parlament befasste sich am Donnerstag mit dem Burgtheater. Der entlassene Direktor bestreitet, ungerechtfertigte Zahlungen erhalten zu haben. Martin Kušej bleibt bis 2016 in München.

Streit um das Burgtheater gab es am Donnerstag im Kulturausschuss des Parlaments, der von 14 Uhr bis zum frühen Abend dauerte. Der entlassene Burg-Chef Matthias Hartmann nahm nicht daran teil. Noch am Montag hatte er betont, er werde sich dem Kulturausschuss stellen. Aber seitdem ist viel passiert. Am Dienstag wurde Hartmann entlassen, und seine Rechtsanwälte rieten ihm ab, sich dem Hearing zu stellen. Stattdessen verschickten sie eine Pressemitteilung. Darin wird die „Unterstellung entschieden zurückgewiesen", Hartmann habe ungerechtfertigte Zahlungen erhalten. Auch eine eigenmächtige Anweisung von Bezügen durch ihn selbst soll es nicht gegeben haben.

Die Anwälte berufen sich auf ein Gutachten der Wirtschaftstreuhandkanzlei Steirer, Mika & Comp, die das Burgtheater mit der Überprüfung aller Zahlungen an Hartmann, beauftragt hat. Dieses kommt zum Ergebnis, dass es sogar einen Saldo per 7. März 2014 zugunsten Hartmanns gebe, und zwar von zumindest 4238,62 Euro. Was irritiert, ist die Tatsache, dass mit der Prüfung ausgerechnet jene Kanzlei von Hartmann und Burg-Geschäftsführer Thomas Königstorfer beauftragt wurde, die auch Hartmanns persönliche Steuererklärung macht. Auf die Frage, weshalb man sich für diesen Auftrag gerade Hartmanns Steuerberater ausgesucht und nicht auf einen unbefangenen Experten zurückgegriffen habe, antwortet Königstorfer der „Presse": „Im Nachhinein betrachtet ist das nicht gescheit gewesen."

Doch zurück zum Kulturausschuss. Mehrfach kritisierten Parteienvertreter heftig die Holdingstruktur. Zu Hauptaufgaben der Holding zählen, wie sich auf ihrer Homepage auch nachlesen lässt, die strategische Führung der Tochtergesellschaften, das konzernweite Controlling, die konzernweite interne Revision und die finanzielle Absicherung der Bühnengesellschaften. Bei jedem Punkt kommen jedoch Zweifel auf, ob er auch tatsächlich erfüllt worden ist.

Springer tritt nicht zurück

Holdingchef Georg Springer steht dennoch zur Ausgliederung 1999, betont aber, dies sei seine persönliche Meinung. „Wenn man sie infrage stellt, möchte ich wissen: Was ist die Alternative?" Kulturminister Josef Ostermayer (S) scheint hingegen für Veränderungen durchaus offen. „Ob die Struktur der Holding optimal ist, werden wir sicher diskutieren. Ich werde mich da nicht davonstehlen", sagt Ostermayer, bittet aber um Verständnis, dass er nur einen Schritt nach dem anderen machen könne. Nun gehe es primär darum, das Burgtheater emotional und finanziell zu stabilisieren. Nach wie vor sieht der Minister die Hauptverantwortung für das Finanzdesaster der Burg bei der Geschäftsführung. „Der Aufsichtsrat hat nicht die Rolle wie der operative Geschäftsführer." Seine Beurteilung beruhe im Übrigen nicht auf Sympathien, sondern auf einer Einschätzung der Rechtsanwälte, die mit der Prüfung der rechtlichen Verantwortung aller Organe beauftragt war. Springer habe nur seine Aufsichtsratsmandate zurückgelegt - ob er nie daran gedacht habe, von seiner Funktion als Holdingchef zurückzutreten und auf diese Weise seine Verantwortung wahrzunehmen, fragten Wolfgang Zinggl (Grüne) und Wendelin Mölzer (FPÖ) am Donnerstag. „Ich habe offenbar eine andere Vorstellung von Verantwortung, als einen Rücktritt anzubieten", erklärte Springer. „Wenn die Untersuchungen Grund für eine Auflösung meines Vertrages ergeben, werde ich das akzeptieren." Laut Ostermayer ist das aber nicht der Fall.

Zu Wort kamen bei dem Ausschuss auch die zwei Vertreter der KPMG, Michel Schlenk und Harald Podoschek, die Springer zuvor ihrer Verschwiegensheitspflicht entbunden hatte. Martin Wagner, der bis zum 27.2.2014 Prüfungsleiter der aktuellen Burg-Prüfungen war, durfte jedoch nicht erscheinen. Ihm hatte Springer, nachdem Wagner in einem "Presse"-Interview gesagt hatte, dass die KPMG den Aufsichtsrat schon in einer frühen Phase, nämlich im Jänner 2013 von diversen Missständen informiert hat, sein Vertrauen entzogen.

"Es wird gerade viel über Verantwortung gesprochen", sagt Schlenk. "Für die Aufdeckung der Missstände trägt die KPMG die Verantwortung." Die Prüfer hätten bei der ersten Prüfung zum Jahresabschluss 2011/12 nämlich festgestellt, dass Vermögenswerte, die Bühnenproduktionen, massiv überbewertet waren. Das hatte zur Konsequenz, dass die Abschreibungsmethode verändert werden musste und das Burgtheater im letzten Jahr ein Bilanzdefizit von 3,7 Euro auszuweisen hatte. Die KPMG habe auch einen Management Letter verfasst, in dem sie ausdrücklich darauf hinwies, dass auch die Dokumentation nicht nachvollziehbar und vor allem mangelhaft sei." Genauso sei in dem Letter auf die Liquiditätsprobleme des Hauses hingewiesen worden. Und eines ist den Vertretern noch wichtig klarzustellen: "Eine Jahresabschlussprüfung ist keine Testat über das interne Kontrollsystem." Der zentrale Vorwurf, den Springer und auch Ostermayer gegen die KPMG richten, ist, dass sie den letzten Jahresabschluss mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen hat. Hätte man früher erfahren, dass so vieles im Argen liegt, wäre der Schaden vielleicht nicht so groß, wie er sich jetzt darstellt, so der Tenor.

Kein Verständnis von Fekter für Steuerversäumnisse

Maria Fekter, die Kultursprecherin der ÖVP, kann nicht verstehen, wieso sich alles gegen die KPMG richtet. Was mit der Verantwortung von PricewaterhouseCoopers sei, fragte sie. Die Wirtschaftsprüfungskanzlei hatte das Burgtheater fünf Jahre vor der KPMG geprüft.
PWC habe bereits einen ausführlichen Fragekatalog erhalten, antwortet Springer. Antworten dürften allerdings noch nicht vorliegen.

Absolut kein Verständnis hat Fekter auch dafür, dass man im Burgtheater nicht in der Lage war, die Steuern für Gäste aus dem Ausland richtig abzuführen. Dem Theater droht deshalb eine Steuernachzahlung von bis zu fünf Millionen Euro. "Ich erwarte mir von einem Konzern, dass er Lohnverrechnen kann!" Ob der Minister auch Anweisung gegeben habe, dass pro futuro alle Regelungen in der Burg eingehalten werden, will sie wissen. Diese Anweisung gibt es, sagt Ostermayer, und zwar an alle: die Geschäftsführung und auch an die Bundestheater-Holding.

Der Regisseur Martin Kušej, Residenztheater-Chef in München und als Burg-Chef ins Gespräch gebracht, erklärte indessen der APA, er sei gern in München und werde dort „mindestens bis 2016 Intendant bleiben".

Ebenfalls als Retter des Burgtheaters genannt wird Frank Baumbauer, ehemaliger des Chef des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg und der Müncher Kammerspiele. Baumbauer sagte Donnerstag abend der "Presse": "Wenn ein Theater in Not ist, hilft man gerne, das versteht sich von selbst. Aber hier und jetzt für die Burg ist es schon der richtige und entschieden bessere Weg, ein Team aus dem Haus bzw. aus dessen Umfeld zu bilden, das für eine begrenzte Zeit die laufenden und bereits geplanten künstlerischen Geschäfte weiter bzw. zu Ende führt. Dafür gibt es ja einige in Frage kommende Kolleginnen bzw. Kollegen. Also: Die Burg braucht wohl keinen Externen. Wegen der Nachfolge von Matthias Hartmann beteilige ich mich nicht an Spekulationen, auch wenn diese zuweilen meine Person betreffen."