Krim-Referendum zieht Aktienmärkte nach unten

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Die Anleger zeigen sich vor Abstimmung am Wochenende ausgesprochen nervös. Russische Indizes notieren auf dem tiefstem Stand seit 2009.

Die Krim-Krise zwingt die Aktienmärkte in die Knie: Zwei Tage vor dem umstrittenen Referendum über die Abspaltung der Krim von der Ukraine bröckelten weltweit die Kurse ab. Besonders stark unter Druck geriet der russische Aktienmarkt, wichtige Indizes fielen auf den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren.

Aber auch in Deutschland saß den Anlegern die Angst vor einer Eskalation der Krim-Krise im Nacken. Der Dax fiel zum ersten Mal seit Dezember 2013 unter 9.000 Punkte und verzeichnete mit 4,4 Prozent zeitweise den höchsten Wochenverlust seit Juni 2012. Der ATX wurde um 12.00 Uhr mit 2.392,56 Punkten errechnet, das ist ein Minus von 15,22 Punkten bzw. 0,63 Prozent. In Japan hatten die Börsen deutlich im Minus geschlossen. "Die Ukraine ist im Moment eines der gravierendsten weltpolitischen Risiken und wie das ausgehen wird, ist schwer vorherzusagen", sagte Salman Ahmed, Anleihenstratege bei der Privatbank Lombard Odier. Neben der Krim-Krise lastete auch die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der chinesischen Wirtschaft auf den Aktienkursen.

Russland-Börsen im Rutschen

Gerade vor dem Wochenende wollten die Anleger auf Nummer sicher gehen und trennten sich von Beständen. Am Sonntag wird auf der Krim darüber abgestimmt, ob die Halbinsel sich von der Ukraine abspalten und Russland anschließen wird. Westliche Staaten, darunter auch Deutschland, stufen das Referendum als illegal ein.

Besonders nervös waren die Anleger an den russischen Börsen. "Die Leute geraten in Panik wegen möglicher Sanktionen und internationaler Isolierung. Wer braucht diese Aktien dann?", fragte der Händler einer westlichen Bank in Moskau. Der russische Micex -Index und der in Dollar angegebene RTS -Index rutschten zeitweise um mehr als fünf Prozent ab und notierten auf dem niedrigsten Stand seit 2009. In diesem Monat haben dir russischen Indizes bereits rund 18 Prozent verloren. Wenig liquide Aktien wie die des Stahlkonzerns Severstal und des Versorgers Inter RAO gerieten besonders stark unter Druck und stürzten um mehr als zehn Prozent ab. Aber auch häufig gehandelte Papiere wie die der Sberbank und des Versorgers Gazprom rutschten deutlich ins Minus. Dollar und Euro legten jeweils etwa 0,1 Prozent auf 36,66 beziehungsweise 50,83 Rubel zu.

Sanktionen schaden Wachstum

"Sanktionen könnten zu einem langsameren Wachstum in Russland führen, da der Zugang zu Kapital teurer und schwieriger werden und der Staat eine stärkere Rolle in der Wirtschaft spielen könnte. Zudem könnte die angespannte Sicherheitslage das weltweite Wachstum hemmen", schrieben die Analysten von Morgan Stanley in einem Kommentar. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass Russland durch die Sanktionen in die Rezession rutschen könnte.

Im Laufe des Vormittags entspannte sich die Lage zumindest an den europäischen Aktienmärkten etwas. Der Dax lag gegen Mittag 0,3 Prozent im Minus bei 8.993 Punkten, der EuroStoxx verzeichnete einen Abschlag von ebenfalls 0,3 Prozent auf 3.009 Punkte. "Die Ukraine ist der Hauptauslöser für die Verluste. Aber die Indizes liegen ja auf einem solch hohen Niveau, dass viele an so einem Tag auch mal Kasse machen", sagte ein Frankfurter Händler. Die Verluste im Dax zogen sich durch alle Branchen. Die Papiere des Düngemittelkonzerns K+S rutschten um knapp drei Prozent, nachdem sie schon am Donnerstag um knapp zehn Prozent abgestürzt waren. Der Konzern hatte mit seinem Ausblick den Markt enttäuscht.

Der Euro kostete 1,3887 Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend in New York. Die europäische Währung hatte am Donnerstag deutlich nachgegeben, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi gesagt hatte, die Zentralbank verfolge den Euro-Kursanstieg mit zunehmender Aufmerksamkeit.

(APA/Reuters)

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