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Wenn die Natur ruft

Outdoor. Jobs im Grünen, um mit und von der Natur zu lernen, faszinieren immer mehr Menschen. Gut, dass auch die Bildungsangebote für die pädagogisch-sportliche Nische wachsen.

Der Frühling ist da: Fußgänger nutzen die Stopps vor roten Ampeln zum Sonnetanken, Outdoor-Sportler stürmen Wege und Wälder, und selbst eingefleischte Couch-Potatoes denken an eine Runde im Park. Viele zieht es aber nachhaltiger hinaus ins Grüne, manch einer möchte gar nicht mehr in Büro oder Produktion zurück: Draußen zu arbeiten, in und mit freier Wildbahn sozusagen, erscheint als größtes Glück.


Im Nebenjob Ranger

Katharina Streichsbier hat sich diesen Traum zum Job gemacht – jedenfalls von Mitte April bis Ende Oktober. Als Ranger im Nationalpark Thayatal führt sie Gruppen durch die Natur, macht Aufsichtsdienst, hilft Forschern bei Projekten oder entwickelt Konzepte für Führungen und Ausstellungen. „Einen typischen Tag gibt es nicht. Und ich mag genau diese Abwechslung.“

Die bald 40-Jährige kombiniert den Job mit ihrem Beruf als WG-Betreuerin in Wien. „Ich wollte hinaus in die Natur, und ein Teil meiner Familie stammt aus der Gegend. Ich erinnere mich an Besuche dort als Kind, an das Spielen in der Natur, und wollte diese Wurzeln wieder beleben. Daher habe ich mich für diesen Nationalpark entschieden.“ 2008 absolvierte sie die dreiteilige Ausbildung und ist seither eine von rund 20 Rangern im Thayatal. 25.000 Besucher werden dort pro Jahr gezählt, in den großen Nationalparks wie den Donau-Auen oder Dachstein sind es bis zu 125.000. Reich wird man vom Rangerdasein nicht – eine Führung von rund vier Stunden wird mit rund 90 Euro brutto abgegolten. Und als Fulltime-Job ist er auch wenig geeignet – in der kalten Jahreszeit entfallen die Führungen, und in den meisten der acht Nationalparks Österreichs sind Weiterbildungstätigkeiten, Instandsetzungen oder Vorbereitungen für die nächste Saison nicht winterfüllend. Trotzdem möchte sie den Job nicht missen. „Ich mag Menschen, bin neugierig auf die Wechselwirkung Natur und Besucher. Man muss sich immer neu einstellen auf die Gruppen, jede ist anders.“ Senioren sind anders zu handeln als Jugendliche, und Kinder können schon einmal „losrennen und in einer Stunde den Weg zurücklegen, für den man drei Stunden geplant hat“.

Die Natur als Spielplatz, Schatzkiste und Lehrmeister zu nutzen ist auch Teil zahlreicher Aus- und Weiterbildungen des Alpenvereins – in Kooperation mit diversen Bildungspartnern. Der Lehrgang Alpinpädagogik etwa vermittelt Leitungsverständnis, Interaktion Mensch/Natur und technisches Know-how für alle, die im alpinen Bereich Gruppen führen und begleiten. Nach den Grundkursen können sportliche Spezialisierungen gewählt werden. Als Ergänzung dazu vermittelt der dreisemestrige Lehrgang Outdoor-Manager am Wifi Tirol Kompetenzen in den Bereichen Sport, Gruppenleitung und Wirtschaft. Er soll für die Leitung touristischer Outdoor-Programme fit machen.

An der Fachhochschule Oberösterreich kommt heuer zum bestehenden Zertifikatskurs Erlebnispädagogik auch das entsprechende Bachelorstudium dazu. Im Zentrum stehen Selbstreflexion, Projektmanagement sowie prozess- und lösungsorientierte Methoden in der Natur.


Risk'n'Fun

Sich in der Natur zu bewegen und auszutoben bedeutet aber nicht nur sinnliche und sportliche Erfahrung – falsches Verhalten beim Wandern, Free-Riding, Klettern, Mountainbiken kann große Gefahr mit sich bringen. Jugendlichen den Umgang damit – und ganz allgemein mit den Themen Rausch und Risiko – zu vermitteln hat sich die Rausch- und Risikopädagogik zum Ziel gemacht Sie wird als Teil des FH-Bachelors und in eigenen Modulen vermittelt. „Das Bedürfnis nach Risikosituationen und rauschhaften Erfahrungen ist im Menschen verankert. Deshalb ist es sinnvoll, Menschen Möglichkeiten in die Hand zu geben, den wilden Hengst zu reiten und die Balance zu halten. Das bekannteste Projekt ist Risk'n'Fun, bei dem Snowboarder mit den Risken der Natur, ihren eigenen und jenen der Gruppe umzugehen lernen. Initiator Gerald Koller: „Oft weiß man viel über die Hard Facts, etwa die Schneelage. Doch wie man selbst tickt, und vor allem, wie eine Gruppe tickt, wird viel zu wenig beachtet.“ Denn in den Gefahrenbereich komme man nicht als Einzelperson im Normalzustand, sondern als Gruppe im Ausnahmezustand.

Auch für den Umgang mit Alkohol oder im Straßenverkehr werden diverse Programme angeboten. Koller: „Es kommt immer darauf an, sich vorzubereiten. Wenn man erst dann, wenn das Risiko zur Gefahr wird, eine Aktion setzen will, ist es zu spät.“

AUF EINEN BLICK

•Nationalparkranger: allgemeines Grundmodul, spezielles Nationalparkmodul und Fortbildungsveranstaltungen
www.nationalparksaustria.at
•FH-Lehrgang (neu), Zertifikatslehrgang Erlebnispädagogik: www.fh-ooe.at

•Lehrgänge und Seminare des Alpenvereins:Alpinpädagogik, Outdoor-Manager, Mit Kindern unterwegs, diverse Übungsleiter u. a.): www.alpenverein-akademie.at

•risflecting/Rausch- und Risikopädagogik:www.risflecting.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2014)