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DiTech: Wettlauf gegen die Zeit

PK - 'DITECH-WACHSTUMSKURS GESICHERT': IZDEBSKI
(c) APA/HERBERT NEUBAUER
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Der schwer angeschlagene IT-Händler musste die für Freitag geplante Anmeldung des Insolvenzverfahrens verschieben. Auch der potenzielle Investor ist nicht fix.

Wien. Das lähmende Warten spannte die 300 Mitarbeiter des in schweren Finanznöten steckenden IT-Händlers DiTech am Freitag ebenso auf die Folter wie Gläubigerschützer und Branchenbeobachter: Der angekündigte Insolvenzantrag wurde nicht eingebracht, ebenso blieb der positive Abschluss mit dem angekündigten Investor aus. Schafft es das Unternehmen, das bereits 120 der 300 Beschäftigten beim AMS zur Kündigung angemeldet hat, nicht in kürzester Zeit, die dringend notwendige Fortführungsfinanzierung aufzustellen, wird es kritisch.

Denn die Kreditversicherer, allen voran Prisma, haben DiTech zwar lange die Stange gehalten, dann aber vor rund zwei Wochen die Deckung für neue Lieferungen ausgesetzt. DiTech blieb ihnen Unterlagen zur Bonitätsprüfung schuldig. Seither stockt dem Vernehmen nach der Warenfluss, weil die Lieferanten die Anfechtung fürchten. Schon zuletzt hatte DiTech Ware nur auf Vorauskasse erhalten.

„Die Verhandlungen rund um die Finanzierung der Sanierung laufen auf Hochtouren. Aus diesem Grund verschieben die Eigentümer die Einreichung des Sanierungsverfahrens auf Anfang nächster Woche“, lautete am Freitag die kurze Mitteilung. Ansonsten herrscht Funkstille.

Inzwischen wurde aber die Tochter Dimotion, die bisher den Zusammenbau von Servern, PC-Systemen und Laptops unter der Eigenmarke Dimotion durchgeführt hat, in den Konkurs geschickt. Die zehn verbliebenen Beschäftigten wurden von DiTech übernommen. Die Februar-Gehälter wurden ausbezahlt. Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV) hat Dimotion Lieferantenverbindlichkeiten von 605.000 Euro und weitere 470.000 Euro gegenüber der Mutter.

 

Banken halten sich zurück

Eine solide Finanzierung ist Teil des Konzepts, das DiTech für das geplante Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung vorlegen muss. In dessen Rahmen hätte DiTech unter der Ägide eines Verwalters drei Monate Zeit, um einen konkreten Restrukturierungsplan auf die Beine zu stellen. Dabei müsste auch geklärt werden, ob und wie die Profitabilität wieder hergestellt werden könnte. Und binnen zwei Jahren müsste das Unternehmen den Gläubigern eine Quote von zumindest 20 Prozent zahlen.

Die Gläubigerbanken unter Führung der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien halten sich indes bedeckt. Sie haben schon signalisiert, kein weiteres Geld mehr hergeben zu wollen. Dem Vernehmen nach wurde dem Unternehmen aber ein Zinsmoratorium gewährt. In der letzten vorliegenden Bilanz 2012 wies DiTech Schulden von 22,7 Mio. Euro aus, davon 7,7 Mio. Euro bei Banken.

Noch am Donnerstag hat das Unternehmen bekräftigt, mit einem deutschen Investor mit polnischen Wurzeln zu verhandeln. Er sollte 51 Prozent an DiTech übernehmen, die Gründerfamilie Izdebski 49 Prozent halten. Der Deal sollte am Freitag fixiert werden – und parallel dazu die Insolvenz eingeleitet werden. Da das nicht passiert ist, mehrten sich prompt Spekulationen, dass die Verhandlungen mit dem Investor schwieriger als angenommen sein dürften.

 

„Warnsignale übersehen“

Die vor 15 Jahren von Damian und Aleksandra Izdebski gegründete DiTech hat sich zum am schnellsten wachsenden IT-Händler Österreichs entwickelt. 2012 machte das Unternehmen, das auf Fachkompetenz und Service gesetzt hatte, mit 22 Standorten 120 Mio. Euro Umsatz, was einer Verdoppelung gegenüber 2008 entspricht. „So ein rasantes Wachstum ist nur mit einer professionellen Kostenkontrolle zu bewältigen“, sagt der IT-Experte und Turnaround-Manager Gerhard Peller zur „Presse“. Peller war als Manager bei Philips Electronics für Restrukturierung und Finanzen verantwortlich und danach Vorstand bei Schiebel Industries (unbemannte Camcopter), bevor er die Consulting-Firma Empor gründete. Das Konzept, sich auf Computer zu konzentrieren, sei sehr gut gewesen. Izdebski hätte in der extremen Wachstumsphase einen Aufsichtsrat oder Beirat einrichten müssen. Er habe aber die Warnsignale nicht erkannt. „Die Schulden waren ja nicht über Nacht da.“

Die Diversifikation in den Online-Handel sei zwar richtig gewesen. Allerdings hätte man, um sich von Saturn und Media Markt abzusetzen, dem Online-Geschäft einen größeren Raum einräumen sollen. „Bestellen im Internet, Lieferung und Beratung in der Filiale – das hätte 70 Prozent des Umsatzes ausmachen müssen“, sagt Peller. Für eine Fehlentscheidung hält er indes, dass auch TV-Geräte und Handys ins Sortiment genommen worden sind. „Da sind die Margen noch geringer und die Konkurrenz extrem groß.“ Jetzt bestehe die Gefahr, dass DiTech ein „zweiter Niedermeyer“ werde, meint Peller. Dort wären auch mehrere Eigentümer zugange gewesen – letztlich vergebens.

AUF EINEN BLICK

Der IT-Händler DiTech ringt seit Wochen um den Fortbestand. Das vor 15 Jahren vom Ehepaar Izdebski gegründete Unternehmen ist extrem schnell gewachsen – der Umsatz hat sich seit 2008 auf rund 120 Mio. Euro verdoppelt. Allerdings wurde die Expansion auf 22 Filialen großteils fremdfinanziert. Die Schulden liegen bei 22,7 Mio. Euro. Im Vorjahr liefen hohe Verlust an, das Weihnachtsgeschäft blieb unter den Erwartungen. Die für Freitag angekündigte Anmeldung eines Insolvenzverfahrens muss jedoch verschoben werden. Auch der Vertrag mit einem Investor kam noch nicht zustande. Die Kreditversicherer haben ihre Deckung ausgesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2014)