Hypo: Regierung stolpert in die "Anstalt"

The headquarters of nationalised Hypo Alpe Adria are pictured behind a traffic light in Klagenfurt, file
The headquarters of nationalised Hypo Alpe Adria are pictured behind a traffic light in Klagenfurt, fileREUTERS
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Beinahe hätte das Zaudern der Regierung eine ungeordnete Hypo-Insolvenz ausgelöst. Eigentlich wollte sich der Finanzminister mit der Entscheidung über die Abwicklung der Hypo bis Ende März Zeit lassen.

Wien. Eigentlich wollte sich der Finanzminister mit der Entscheidung über die Abwicklung der Hypo Alpe Adria bis Ende März Zeit lassen, doch dann ging alles sehr schnell. Nach einer Nacht voller hektischer Verhandlungen  verkündete Finanzminister Michael Spindelegger Freitagfrüh die Entscheidung: Die Kärntner Bank wird, wie von der Taskforce vorgeschlagen, in einer Abbaugesellschaft abgewickelt. Der Grund für die rasche Entscheidung ist freilich nicht, wie der niederösterreichische Landeshauptmann, Erwin Pröll, vermutete, „Leadership“, sondern blanke Panik: Das Kanzleramt machte Druck, der Wirtschaftsprüfer ebenso, Aufsichtsräte drohten mit Rücktritt. Dieses Szenario rund um die freitägige Bilanzabsegnung und die Montag fällig werdende Rückzahlung einer 750-Mio.-Euro-Anleihe hätte schon in der kommenden Woche eine ungeordnete Insolvenz der Bank ausgelöst. Da blieb nur noch die Flucht in die „Anstalt“.

1 Wie funktioniert die jetzt von der Regierung beschlossene Anstaltslösung, und wie wirkt sie sich auf die Staatsverschuldung aus?

Die Bank wird nach Herauslösung der für den Verkauf bestimmten Osteuropatöchter in eine staatliche Abwicklungsanstalt eingebracht, die privatrechtlich als GmbH oder AG konzipiert wird. Diese Bad Bank mit einer Bilanzsumme von 17,8 Milliarden Euro wird dann versuchen, die ihr übertragenen Assets bestmöglich zu verwerten. Die aus der Bank herausgelöste Osteuropagruppe wird bis Mitte 2015 gesondert verkauft. Gelingt das nicht, muss sie auch in die Bad Bank wandern, wodurch sich deren Volumen auf rund 26 Mrd. Euro erhöhen würde. Die Bad Bank geht eins zu eins in die Staatsverschuldung ein, die Staatsschulden steigen also sofort um 17,8 Milliarden Euro. Die Staatsschuldenquote klettert dadurch von rund 74 auf 80 Prozent des BIPs.

2 Warum schickt man die Bank nicht in eine geordnete Insolvenz, und wer sind die Profiteure der Anstaltslösung?

In mehreren Gutachten war die geordnete Insolvenz als für den Steuerzahler günstigste Variante genannt worden. Die Taskforce unter Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny war aber strikt dagegen, weil sie eine Kette von „Zweitrundeneffekten“ und negative Auswirkungen auf die Zinsen österreichischer Bundesanleihen befürchtete. Im Fall einer Insolvenz hätte man auch das Bundesland Kärnten, das noch immer für 12,5 Milliarden Euro Verbindlichkeiten haftet, in die Pleite schicken müssen. Profiteure der jetzigen Lösung sind also die Halter von landesgarantierten Hypo-Anleihen (hauptsächlich Banken und Fonds), die die investierten 12,5Milliarden in voller Höhe zurückbekommen. Da die privatrechtlich organisierte Anstaltsgesellschaft im Gegensatz zu einer rein staatlichen Abwicklungsanstalt weiter insolvenzfähig ist, bestehen dagegen gute Chancen, die früheren Miteigentümer Kärnten und BayernLB noch zur Kassa zu bitten. Von Kärnten wird auch die Herausgabe des mit 500 Millionen Euro aus dem Hypo-Verkauf dotierten Zukunftsfonds verlangt.

3 Was bedeutet die jetzige Anstaltslösung für die österreichischen Steuerzahler, und wie hoch werden sie belastet?

Die Steuerzahler sind die großen Verlierer dieser Lösung. Für sie ist die Abwicklungsgesellschaft die zweitschlechteste Variante. Bei einer staatlichen Bad Bank hätten sie den gesamten Schaden (das werden unter dem Strich zehn bis zwölf Milliarden Euro sein) übernommen. Bei der privatrechtlichen Anstaltsgesellschaft besteht die Möglichkeit, dass die BayernLB, Kärnten und ein paar nachrangige Gläubiger noch verpflichtet werden mitzuzahlen. Der weitaus größte Teil des Schadens wird aber am Bund hängen bleiben.

4 Welche Auswirkungen hat die Anstaltslösung auf den österreichischen Finanzmarkt?

Jedenfalls die falschen: Die Lösung signalisiert eine implizite Haftung des Bundes für Länder und deren Banken auch dann, wenn der Bund explizit keine Haftungen übernommen hat. Das ist eine Art Vollkaskoversicherung für Länder und Landesbanken, die zum Moral Hazard, wie er in Kärnten und (mit weniger gravierenden Folgen) auch in anderen Bundesländern um sich gegriffen hat, geradezu herausfordert. Auch internationalen Investoren wird signalisiert, dass ihnen österreichische Steuerzahler in jedem Fall das gesamte Risiko abnehmen. Denn de jure haftet der Bund ja weder für Kärnten noch für dessen Ex-Bank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2014)

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