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Das Netzwerk der Bäume

Nadelwald
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Vor allem der Fichte, der häufigsten Baumart Österreichs, macht der Klimawandel zu schaffen. Ein interdisziplinäres Projekt soll Abhilfe schaffen.

Fast die Hälfte der Landesfläche ist in Österreich von Wald bedeckt – vier Millionen Hektar sind es insgesamt. Die Fichte ist dabei mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent die bei Weitem häufigste Baumart. Gerade für die Fichte könnten die Lebensumstände durch den Klimawandel in Österreich aber schon in naher Zukunft schwierig werden.

Die Fichte hat hohe Ansprüche, was ihre Wasserversorgung betrifft. Sie kann in sehr heißen Sommermonaten in einen sogenannten „Trockenstress“ kommen, ein Zustand der – ähnlich wie beim Menschen – zu einer verminderten Vitalität führt und somit die Anfälligkeit für Schädlinge, wie etwa den Borkenkäfer, erhöht.

Mit der Suche nach Lösungen solcher interdisziplinärer Probleme befassen sich – neben so manch anderem Projekt – österreichische Forstwissenschaftler. Sie werden dabei durch das vier Jahre dauernde Infrastruktur-Projekt „Trees4Future“ unterstützt. Der Gesamtumfang des Projekts liegt bei neun Millionen Euro, sieben Millionen davon trägt die EU. Ziel ist es, Institutionen aus der Forstgenetik, der Forstpflanzenzüchtung und der Forstökologie zu vernetzen, die Analysemethoden zu vereinheitlichen und eine Plattform für den Austausch von Methoden und Daten der Forstwissenschaft zu erstellen.


Erworbenes Wissen teilen.
Insgesamt arbeiten 28 Projektpartner aus 16 EU-Ländern zusammen. Ein Web-Portal zu den wichtigsten Datenbanken und die Möglichkeit der transnationalen Zugänge zu allen teilnehmenden Institutionen ermöglicht es auch Forschern, die nicht am Projekt teilnehmen, das erworbene Wissen und die Dienstleistungen zu nutzen.

In Österreich sind an dem für die Forstwirtschaft zukunftsweisenden Projekt das Institut für Waldgenetik (Abteilung Genomforschung) des Bundesforschungszentrums für Wald, das Institut für Botanik der Universität für Bodenkultur und die Bioresources-Unit des Austrian Institute of Technology (AIT) beteiligt.

„Großteils geht es bei diesem Projekt darum, ein Netzwerk zu schaffen, die Infrastruktur der Forstwissenschaft zu verbessern und zugänglich zu machen. Das AIT betreibt hierzu einen Datenbankknoten zur interdisziplinären Daten- und Materialsuche. Bei uns können Wissenschaftler einerseits genetisches Material bestellen und andererseits Daten über dieses Material auffinden, die andere Kollegen bereitstellen“, erzählt Silvia Fluch vom AIT.

Die Forscher des AIT arbeiten an der Strukturierung und Implementierung eines Zugangs zu bestehenden und neu errichteten Forstgenetik-Datenbanken mit Proben aus ganz Europa. Dieses Ressourcenzentrum besteht seit dem Jahr 2003 und hat mehr als 650.000 DNA-Proben eingelagert – eine in Europa für Forstgehölze einzigartige Sammlung. Zusätzlich wird versucht, aus Publikationen Daten auszulesen und diese mit forstlichem Probenmaterial zu vernetzen.

Maßgebend für die Qualität eines Baumes ist die Qualität des Saatguts. Das Bundesforschungszentrum für Wald ist an der genetischen Untersuchung von Saatgut beteiligt. Ein Ziel soll sein, den Weg von der Gewinnung des Saatguts über die Baumschulen bis zur Ausbringung im Betrieb zurückzuverfolgen. Mittels genetischer Marker soll die Zuordnung erleichtert werden und für ganz Europa eine Roadmap erstellt werden. „So kann ein bestimmtes Saatgut analysiert werden, von dem man denkt, dass es sich für einen bestimmten Zweck eignet. Man kann prüfen, ob das, was verkauft wird, auch die richtige Bezeichnung hat. Hat jemand den Verdacht, dass ein Saatgut eine falsche Bezeichnung hat, da die Pflanze am jeweiligen Standort schlecht wächst, kann das Saatgut geprüft werden“, sagt Berthold Heinze vom Bundesforschungszentrum. Dieses Wissen würde waldbauliche Entscheidungen, etwa in Hinblick auf den Klimawandel, erleichtern.

Um die Qualität des Holzes zu gewährleisten, ist eine schnelle und effiziente Bestimmung bestimmter Qualitätsmerkmale die Voraussetzung. An der Boku werden einfache Analysemethoden, etwa zur Messung des Trockenstresses bei Pflanzen, entwickelt. Für den Einsatz von Bewässerungssystemen ist das frühzeitige Erkennen des Trockenstresses vorteilhaft. Auch könnten dann Bäume selektiert werden, die eine höhere Trockenheitsresistenz als andere Bäume haben.

Zur Messung des Trockenstresses kann etwa die Nahinfrarotspektroskopie verwendet werden. Verglichen zu herkömmlichen Methoden ist dies eine schnelle und einfache Technik. „Besonders bei der Fichte, sind die trockenheitsbedingten Schaftrisse ein nicht zu unterschätzendes Problem“, sagt Sabine Rosner. Solche Risse im Holzkörper können mit Wundfäuleerregern befallen werden. Dies führt zu einem starken Wertverlust des Holzes.

In kühleren, wie etwa alpinen Gebieten Österreichs, wird die Fichte weniger Probleme haben, aber in den wärmeren Regionen, wie dem Weinviertel, könnte es in ein paar Jahrzehnten durchaus sein, dass stressgeplagte Fichten Kastanienbäumen oder Pinien weichen müssen.

Baumbestand

Die Fichte ist die in Österreich am weitesten verbreitete Baumart. Sie macht mehr als 60 Prozent des Baumbestandes aus. An zweiter Stelle liegt die Buche – mit einem Anteil von nur noch knapp zehn Prozent.

Das Projekt „Trees4Future“ befasst sich unter anderem mit den Gefahren, die der Klimawandel für die Bäume birgt. Institutionen aus der Forstgenetik, der Forstpflanzenzüchtung und der Forstökologie vernetzen sich, um ihre Analysemethoden zu vereinheitlichen und eine Plattform für den Datenaustausch zu schaffen. www.trees4future.eu

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2014)