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Hartmann soll Zusammenarbeit "verweigert" haben

PK BURGTHEATER ZU FESTIVAL ´SZENE UNGARN-AUSSCHNITTE EINER THEATERLANDSCHAFT´: HARTMANN
(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
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Matthias Hartmann behauptet, dass er das Zürcher Schauspielhaus "saniert" hätte. Nun spricht der ehemalige kaufmännische Direktor des Schauspielhauses über die Zusammenarbeit.

Im Zusammenhang mit der aufklärungswürdigen finanziellen Gebarung am Burgtheater ist zuletzt auch wieder die Direktionszeit von Matthias Hartmann in Zürich in Diskussion gekommen. Hartmanns Behauptung, er habe das Zürcher Schauspielhaus "saniert", widersprechen sowohl Marc Baumann, 2005-2007 Kaufmännischer Direktor des Theaters, wie auch der ehemalige Zürcher Kulturstadtrat Jean-Pierre Hoby.

"Die Aussage von Matthias Hartmann, dass er das Zürcher Schauspielhaus saniert habe, stimmt nicht. Das Schauspielhaus war beim Eintritt von Matthias Hartmann in gutem finanziellem Zustand, es waren für seine Übergangszeit und für seinen Eintritt ausreichende Rückstellungen gebildet worden. In den zwei Jahren, in denen ich Kaufmännischer Direktor war, hatten wir keine finanziellen Nöte", sagte Baumann im Gespräch mit der APA.

Der 56-Jährige, derzeit Direktor des Theaters Winterthur und ab 1. Mai Direktor von Swiss Casinos Zürich, erinnert sich mit gemischten Gefühlen an jene Zeit, in der er an Hartmanns Seite für das Zürcher Schauspielhaus verantwortlich war. "Hartmann versteht das Publikum sehr gut, und er hat in Zürich die Zuschauerzahlen hochgebracht. Er hat auch ein gutes Gespür für die Zusammensetzung eines Ensembles und er vertritt sein Haus sehr gut in der Öffentlichkeit. Man spürt, dass er durch und durch ein Mann des Theaters ist", so Baumann. "Im Umgang mit Mitarbeitern fehlt ihm jedoch ein modernes Führungsverständnis. Führung interpretiert er eher als Umgang mit Macht. In einem solchen Umfeld kann rasch eine Atmosphäre von Unsicherheit und Angst entstehen."

Wie schnell man bei Hartmann vom Freund zum Feind werden kann, bekam Baumann zu spüren, als er im Konflikt des Theaters mit den Gewerkschaften zu vermitteln versuchte, da Streiks und Verunsicherung den Theaterbetrieb zunehmend zu lähmen drohten, und sich plötzlich als Verräter gebrandmarkt sah. "Nach der Zustimmung des Verwaltungsrats zum Gesamtarbeitsvertrag brach er den Kontakt zu mir von einem Tag auf den anderen vollständig ab und verweigerte die Zusammenarbeit. Das machte die gemeinsame Führung des Theaters unmöglich - alle Verträge mussten ja gemeinsam unterzeichnet werden. Es war eine Konfrontation, wie ich sie weder vorher noch nachher je erlebt habe." Entnervt reichte Baumann schließlich den Rücktritt ein.

Hartmann dürfte in seiner Zürcher Zeit rund eine halbe Million Franken jährlich (inklusive externer Regie-Honorare) verdient haben, zum damaligen Kurs also umgerechnet rund 300.000 Euro. "Grundsätzlich wird mit den jeweiligen Intendanten ein Grundgehalt vereinbart. Darin enthalten sind in der Regel zwei Regie-Verpflichtungen. Weitere Regieübernahmen werden jedoch zusätzlich entschädigt. Und da der Intendant das Programm verantwortet, kann er mehrere Eigenregien planen", schildert Jean-Pierre Hoby, 1983 bis 2010 "Direktor Kultur" der Stadt Zürich, die Vertrags-Usancen am Zürcher Schauspielhaus. In Zürich soll Hartmann ja mit dem Büroleiter des damaligen Kunststaatssekretärs Franz Morak (ÖVP) einen Vorvertrag für seine Burg-Intendanz ausgehandelt haben - mit separater Regie-Entlohnung. Und noch einen gravierenden Unterschied zu Wien ortet Hoby gegenüber der APA: "Barauszahlungen in Zürich sind meines Wissens völlig unmöglich."

Bezüglich der finanziellen Bilanz der Direktion Hartmann verwies Hoby auf seine bereits u.a. von der "NZZ" veröffentlichte detailreiche Darstellung, die sich auf die öffentlich zugänglichen Geschäftsberichte stützt: "Die Aufrechnung der ausgewiesenen Verlust/Gewinne der vier Spielzeiten von Matthias Hartmann ergibt einen Nettoverlust von 140.432 Franken", heißt es da etwa. "Andreas Spillmann, Hartmanns Vorgänger, übergab ihm das Theater mit Rückstellungen in der Höhe von rund 8,452 Mio. Franken. Hartmann übergab seinerseits das Theater an Barbara Frey mit 6.309 Mio. Franken Rückstellungen. Diese waren während seiner Spielzeit also um mehr als 2,1 Mio. Franken geschrumpft. Mittlerweile hat Barbara Frey die Rückstellungen wieder auf 8,202 Mio. aufgestockt."