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Liebe Wähler! Liebe Österreicher! Liebe Herren!

Das Österreichische Normierungsinstitut Austrian Standards schlägt vor, in Hinkunft auf das Gendern zu verzichten.

Bundeskanzler Faymann tut es. Vizekanzler Spindelegger tut es. Eva Glawischnig sowieso, von ihr ist das auch nicht anders zu erwarten, da überrascht schon mehr, dass H.-C. Strache mitmacht, obwohl er mit Feminismus ja nun wirklich nichts am Hut hat: Er gendert.

Gendern kann man auf verschiedene Art und Weise, es gibt etwa das Binnen-I und den Schrägstrich und den Gender Gap, es gibt die Möglichkeit, Begriffe zu wählen, die Männer und Frauen gleichermaßen meinen (Studierende statt Studenten). Oder man spricht, wie das Politiker gerne machen, einfach beide Geschlechter an: „Meine Damen und Herren“, beginnen die Parlamentarier ihre Reden. „Liebe Wählerinnen und Wähler!“, rufen die Wahlkämpfer ins Mikro. Von den „Österreicherinnen und Österreichern“ spricht der Vizekanzler. Und H.-C. Strache erklärte jüngst: „Wir werden diese Demokratieverweigerung von SPÖ und ÖVP genauso wenig einfach hinnehmen wie das die Wählerinnen und Wähler tun werden“.

Das ist höflich. Und schlau. Denn prinzipiell haben wir Frauen uns zwar an das generische Maskulinum gewöhnt, das heißt: Wir fühlen uns mitgemeint, wenn nur von Männern die Rede ist, wir parken als Kundinnen auf dem Kundenparkplatz und zünden uns als Raucherinnen im Raucherzimmer eine Zigarette an. Aber trotz aller Übung fühlen wir uns immer noch eher angesprochen, wenn wir tatsächlich angesprochen werden.

Nun hat das Österreichische Normierungsinstitut Austrian Standards mit einem Vorschlag für Diskussionen gesorgt: Man könnte, meinte es in einem Entwurf, das Binnen-I entsorgen und künftig nur die männliche Form verwenden, man müsse nur am Anfang des Dokumentes dazuschreiben, dass eh beide Geschlechter gemeint sind. Man nennt das Generalklausel.

Das ist interessant, denn es entspricht ziemlich genau jenem Vorschlag, den letztes Jahr ein Professor an der Universität Leipzig eingebracht hat: Auch dort war man des Binnen-I überdrüssig, auch dort fand man, die Generalklausel sei die vernünftigste Lösung. Der Unterschied: Die Leipziger verwenden das generische Femininum, schreiben also von Professorinnen, Lektorinnen, Studentinnen – und was für die gilt, gilt dann automatisch für die Männer.

Dieser Erlass sorgte übrigens für genauso heftige Debatten wie jetzt der Entwurf von Austrian Standards, was nur einen Schluss zulässt: Weder Männer noch Frauen wollen darauf verzichten, direkt angesprochen zu werden. Wenn man aber schon die Generalklausel wählt, so ist die Leipziger Variante wohl gerechter: In der weiblichen Form ist die männliche wenigstens meistens enthalten.

E-Mails an:bettina.steiner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2014)