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US-Staatsanleihen werfen Fragen auf

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FILE USA FEDERAL RESERVE(c) APA/EPA/JIM LO SCALZO (JIM LO SCALZO)
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Die Nachfrage nach US-Staatspapieren aus dem Ausland bleibt schwach, aber ausgerechnet Belgien kauft weiter kräftig zu. Was (oder wer) dahintersteckt, ist völlig unklar.

New York. Die Zahl der mysteriösen Entwicklungen auf dem Markt für die US-Staatsanleihen (Treasuries) häuft sich. Erst vorgestern wurde bekannt, dass eine oder mehrere ausländische Zentralbanken eine erhebliche Summe (105 Mrd. Dollar) an US-Anleihen aus der Obhut der US-Zentralbank Federal Reserve (die sie teilweise für ausländische Notenbanken „bunkert“) abgezogen hat. Der Verdacht fiel auf die Russen, die scheinbar ihre Währungsreserven vor einer möglichen Ausweitung der wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland in Sicherheit bringen wollten.

Am Dienstag dann die nächste Verwirrung: Das US-Finanzministerium veröffentlichte (mit einem Tag Verspätung) die Jänner-Daten zu den „ausländischen Haltern“ von US-Staatsanleihen. Daten, aus denen man die internationale Nachfrage nach diesen Papieren ablesen kann. Die Meldung besagte zuerst, dass China seinen Vorrat an Treasuries von 1279 Mrd. auf 1284 Mrd. Dollar ausgebaut hätte, Japan die seinigen um 0,2 Mrd. reduziert hätte und die „karibischen Bankzentren“ ihre um rund 17 Mrd. verkleinert hätten. Hinter „karibischen Bankzentren“ stehen in der Regel Hedgefonds.

Nur drei Stunden später dann die Korrektur: Das US-Finanzministerium änderte die Daten vollständig – ohne einen Grund für die vorangegangene Falschinformation zu nennen. Den neuen Zahlen war zu entnehmen, dass China seine Bestände nicht um 14 Mrd. ausgebaut hat, sondern lediglich um 3,5 Mrd. Dollar. Dafür ist Japans Vorrat statt zu stagnieren, um 19 Mrd. angewachsen und auch die „karibischen Bankzentren“ (Hedgefonds) haben den aktualisierten Daten zufolge weniger verkauft: nur eine statt 17 Mrd. Dollar.

Interessant sind aber vor allem zwei Zeilen in der Statistik. So hat Russland den aktuellen Zahlen entsprechend nicht nur eine, sondern sieben Mrd. Dollar an US-Staatsanleihen verkauft – was den Gesamtbestand Moskaus an US-Staatsanleihen schon im Jänner auf 132 Mrd. Dollar reduziert hat.

Und damit nicht genug der mysteriösen Entwicklungen. Denn nach den wichtigsten ausländischen Haltern von US-Staatsanleihen – China und Japan, die beide mehr als eine Billion Dollar halten – hat sich in den vergangenen zwei Monaten ein neuer „Spieler“ etabliert, dessen Identität mehrfach überraschend ist: Das kleine europäische Land Belgien hält laut US-Finanzministerium inzwischen 310 Mrd. Dollar an US-Staatsanleihen. Damit hat sich der belgische Treasuries-Bestand seit September 2013 fast verdoppelt. Zum Vergleich: Großbritannien hält nur 162 Mrd., Deutschland nur 63 Mrd. und Österreich weniger als zehn Mrd. Dollar in US-Staatsanleihen.

 

Wer ist „Belgien“?

Bisher ist völlig unklar, was diese Entwicklungen konkret zu bedeuten haben – oder wer hinter den Käufen steckt. Theoretisch könnten private in Belgien stationierte Finanzhäuser die US-Anleihen für ausländische Zentralbanken oder private Investoren halten – was den „belgischen“ Bestand in der Statistik hinauftreiben könnte, ohne dass die belgischen Währungsreserven angewachsen sind. Rein theoretisch wäre es sogar möglich, dass hinter den Käufen entweder eine versteckte Finanzhilfe europäischer Zentralbanken für die USA – oder gar die US-Zentralbank Fed selbst steckt.

Die ist seit der Einführung ihres Stützungsprogrammes Quantitative Easing längst zur größten Gläubigerin ihres eigenen Landes geworden und hält inzwischen rund 2250 Mrd. Dollar an Treasuries. Sie hat QE aber zuletzt von 85 auf 65 Mrd. pro Monat gedrosselt – wobei eine Hälfte in den Immobilienmarkt und die andere in die Staatsanleihen fließen. Soll die mysteriöse Nachfrage aus „Belgien“ diesen Rückgang ersetzen? (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2014)