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Bergmann: „Ich bin kein Notnagel“

Karin Bergmann
Karin Bergmann(c) APA/EPA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Karin Bergmann ist die erste Frau an der Spitze des Hauses, das sich, wie sie bei ihrer Vorstellung am Mittwoch sagte, „in einer katastrophalen Situation befindet“.

Es ist okay, dass ich hier allein stehe. Ich kann das!“, sagte Karin Bergmann am Mittwoch, kurz nachdem Kulturminister Josef Ostermayer sie den Medienvertretern als neue Burg-Chefin präsentiert hatte. Dass sie die künstlerische Verantwortung im Wesentlichen allein tragen werde, stellte sie damit gleich von Anfang an klar. Hermann Beil, mit dem ebenfalls lange Gespräche geführt wurden, wird keine fixe Funktion übernehmen, jedoch „ehrenamtlich – wenn sein Rat gewünscht ist – nach Wien kommen“, sagt Ostermayer.

Sie sei kein Notnagel, sagt Bergmann. Es habe zwei Gründe für sie gegeben, die interimistische Leitung zu übernehmen. Der erste sei ein trauriger: „Das Burgtheater ist in einer katastrophalen Situation, wie ich es mir nie hätte vorstellen können.“ Der zweite ist ein positiver: „Karin, komm her und kremple die Ärmel in die Höhe!“ – das sei die einhellige Botschaft des Ensembles und der Mitarbeiter des Theaters in der letzten Woche an sie gewesen. Genau das will sie nun tun. „Dabei weiß ich, was mich hier erwartet. Das Burgtheater brennt bis unters Dach.“ Doch sie sei eine integrative Figur und wolle dafür sorgen, „dass der Riss, der durch das Haus geht, so schnell wie möglich planiert wird. Die Leute sollen hier wieder frei arbeiten können.“

Was sie als Erstes zu tun hat, weiß sie bereits. Neben den Schauspielern sei für sie die Dramaturgie das Wichtigste am Theater. Deshalb will sie sich zuallererst mit den Dramaturgen zusammensetzen, „denn bei der Planung bin ich auf sie angewiesen.“ Sie selbst habe auch schon viele Ideen. Eine davon ist, auf Regisseure zuzugehen, die länger nicht mehr an der Burg gearbeitet haben, aber „hier schon sehr erfolgreich waren“. Namentlich nennt Bergmann Thomas Ostermeier, Andreas Kriegenburg, Karin Henkel, Leander Haußmann und Herbert Fritsch.

 

Hartmann auch weiterhin an der Burg?

Zwei Projekte mit Ex-Direktor Matthias Hartmann stehen derzeit im Raum: „Die letzten Tage der Menschheit“, das Hartmann in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen inszenieren sollte, und „Der falsche Film“. Dieses Stück hat Hartmann nicht nur selbst geschrieben, sondern auch inszeniert. Was ist mit diesen Projekten? An der Koproduktion mit Salzburg werde festgehalten, sagt Bergmann. Gemeinsam mit dem künstlerischen Direktor des Festivals, Sven-Eric Bechtolf, werde ein neuer Regisseur gesucht. Mit dem zweiten Teil ihrer Antwort überrascht die neue Burg-Direktorin wohl viele der Anwesenden: „Ich möchte Matthias Hartmann einladen, den ,Falschen Film‘ hier zur Uraufführung zu bringen. Denn es handelt sich dabei im Wesentlichen um eine fertige Produktion. Kindesweglegung wäre für mich kein gutes Zeichen für die Zukunft.“ Dazu sei aber noch eine juristische Klärung notwendig. Von Hartmanns Haltung bei dem Projekt will Bergmann abhängig machen, ob er auch weiter an der Burg Regie führen wird. Vorstellen kann sie sich offenbar vieles, wenn auch „nur unter völlig neuen Voraussetzungen“.

Auch für den Erhalt des Kasinos als Spielstätte will sich Bergmann einsetzen, jedoch nicht zu sehr exponieren. „Ich werde dafür kämpfen, aber nicht behaupten: Es wird so sein. Wir wollen und werden es bespielen.“ „Mammutproduktionen“ wie „Krieg und Frieden“ und „Troja“ sprengten den Rahmen dieser Bühne, findet Bergmann.

Minister Ostermayer hat die interimistische Lösung bis August 2016 vorgesehen: „Frau Bergmann muss die Chance haben, ihre Funktion über eine bestimmte Zeit wahrzunehmen.“ Die Ausschreibung für die reguläre Direktion wird in den kommenden Wochen stattfinden, eine Entscheidung soll im Herbst fallen. Dass aus der interimistischen Direktorin die dauerhafte wird, ist möglich. Christian Strasser, der designierte Aufsichtsratsvorsitzende, ist zufrieden mit der Wahl Bergmanns. Gleichzeitig legt er ihr die Latte hoch: „Das Burgtheater ist in einer Finanz- und Vertrauenskrise. Aber schon am Ende des Jahres wollen wir ,Brand aus‘ rufen können. Die Garantin dafür ist Karin Bergmann.“

Frank Baumbauer zum Burgtheater:
Interview auf Seite 24.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2014)