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Falstaff: Döllerer oben dabei, Filippou steigt fulminant ein

Wolfgang Rosam gratuliert Andreas Döllerer, dem Neuen im Bund der Besten (r.).
Wolfgang Rosam gratuliert Andreas Döllerer, dem Neuen im Bund der Besten (r.).Falstaff Verlags GmbH/APA-Fotose
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Steirereck und Landhaus Bacher teilen sich Platz eins mit Andreas Döllerer. Heinz und Margarethe Reitbauer wurden fürs Lebenswerk geehrt.

"Herzlich willkommen auch Konstantin Filippou!" Einen unfreiwillig großen Auftritt hatte der ehemalige Novelli-Küchenchef, als er sich verspätet in den Stadtsenatssitzungssaal des Wiener Rathauses schleichen wollte - zu laut verlieh „Falstaff"-Herausgeber Wolfgang Rosam seiner Erleichterung Ausdruck, dass Filippou es doch zur Guide-Präsentation geschafft hatte. Notfalls, meinte er, hätte er ihn sonst auch aus der Küche holen lassen.

Immerhin, meinte Rosam später, als die Katze aus dem Sack war, sei Filippou für ihn die große Überraschung des heurigen Jahres gewesen. Mit seinem Fine-Dining-Menükonzept in der Dominikanerbastei hat er sich, entgegen aller Skepsis aus der Branche, in nur einem Jahr Selbstständigkeit unter die besten Restaurants des Landes gekocht. „Wir haben einige hundert Bewertungen über ihn bekommen, die alle 50 von 50 möglichen Punkten für die Küche vergeben haben." Eine „Sensation", die dem Halbgriechen aus der Steiermark den Titel als Neueinsteiger des Jahres sicherte.

Und sonst? Ein bissl etwas bewegt sich doch, oben an der Spitze von Österreichs besten Restaurants. Ja, das Steirereck im Wiener Stadtpark ist wieder auf Platz eins, das Landhaus Bacher unter Liesl Wagner-Bachers Schwiegersohn Thomas Dorfer auch. Und ja, der dritte Ex-aequo-Sieger kommt auch diesmal aus Salzburg, heißt aber für die 17.000 Gourmetclub-Mitglieder heuer nicht Hangar 7, sondern Döllerer. Mit seiner „Cuisine Alpine" habe der erst 35-Jährige in Golling eine ganz persönliche Stilistik kreiert, hieß es, ein aufwendiger Restaurantumbau sorgte für die volle Punkteanzahl beim Ambiente.

Neues Lokal der Eselböcks?

Ein wichtiger Aspekt: „Atmosphäre ist wichtiger denn je", analysiert Rosam im Gespräch mit der „Presse". „Essen ist zum Entertainment geworden, das ist der stärkste Trend, den wir feststellen können." Design sei wichtig, auch auf dem Land: „Man will etwas Besonderes, man will es cooler haben. Dadurch wird auch das Publikum jünger." Kein Zufall ist da wohl der Schritt von Barbara Eselböck, die heuer mit Alain Weissgerber den Taubenkobel zum 30-Jahr-Jubiläum ganz übernommen hat: Sie hat im besten Restaurant des Burgenlands als eine der ersten Maßnahmen die Preise gesenkt, um jüngere Leute besser anzusprechen. Wobei aus der Übergabe noch Spannendes entstehen dürfte: Weil Walter und Eveline Eselböck jetzt quasi frei sind und Neues planen, womöglich in Wien.

Der Preis fürs kulinarische Lebenswerk ging an die Begründer einer anderen Dynastie, an Heinz und Margarethe Reitbauer, die einst ein unbedeutendes Ecklokal in der Rasumofskygasse Steirereck nannten. Vor 30 Jahren sei er dort zum ersten Mal in einem Haubenlokal gewesen, erinnerte sich Rosam. Heinz Reitbauer stellte fest, er sei gerührt. „Dabei hab ich gedacht, das geht bei mir nicht mehr."

Mittlerweile geht es Reitbauer im Steirereck am Pogusch ja vergleichsweise ruhiger an. Der Steiermark-Sieg ging denn auch an einen anderen mit „Steirer"-Namen, an den Steira Wirt von Richard und Sonja Rauch, den Shootingstars des Vorjahrs, die, so Rosam, „schon an der vierten Gabel rütteln".

Persönlich fiel auch die Laudatio Peter Simonischeks für die Gastronomen des Jahres aus. Er kennt Robert Huth immerhin, seitdem der aus dem Gasthaus in Simonischeks Nachbarschaft die alte Lerchenholzschank entfernen ließ. Wenigstens „die andere Kostbarkeit", die Frau Lotte, habe man damals übernommen. Inzwischen hat Huth bekanntlich fünf Lokale - und die Simonischeks als Stammgäste.

Auf einen Blick

Für die „Falstaff“-Tester sind die besten Restaurants Österreichs mit je 99 Punkten das Steirereck (Wien), das Landhaus Bacher (NÖ) und Döllerer (Salzburg).

Die weiteren Bundesländersieger: Steira Wirt (Steiermark), Taubenkobel (Burgenland), Mühltalhof (OÖ), Schloßstern (Kärnten), Simon Taxacher im Rosengarten (Tirol) und die Griggeler Stuba (Vorarlberg). Bester Sommelier ist Alexander Koblinger (Obauer).

Die Gesamtwertung

1. Döllerer: 99 Punkte
5440 Golling/S Essen: 50 Punkte
1. Landhaus Bacher: 99 Punkte
3512 Mautern/NÖ; Essen: 50 Punkte
1. Steirereck Stadtpark: 99 Punkte
1030 Wien; Essen: 50 Punkte
2. Obauer: 98 Punkte
5450 Werfen/S Seite 441 Essen: 49 Punkte
2. Silvio Nickol: 98 Punkte
1010 Wien; Essen: 49 Punkte
3. Simon Taxacher im Rosengarten: 97 Punkte
6365 Kirchberg/T; Essen: 50 Punkte
4. Hubertus Johanna Maier & Söhne: 97 Punkte
5532 Filzmoos/S; Essen: 49 Punkte
4. Paznauner Stube Trofana Royal: 97 Punkte
6561 Ischgl/T; Essen: 49 Punkte
4. Taubenkobel: 97 Punkte
7081 Schützen/B; Essen: 49 Punkte
5. Griggeler Stuba: 97 Punkte
6764 Lech/V; Essen: 48 Punkte
5. Ikarus Hangar-7: 97 Punkte
5020 Salzburg/S; Essen: 48 Punkte
6. Hanner: 96 Punkte
2534 Mayerling/NÖ; Essen: 48 Punkte
6. Pfefferschiff: 96 Punkte
5300 Hallwang/S; Essen: 48 Punkte
6. Schlossstern: 96 Punkte
9220 Velden/K; Essen: 48 Punkte
7. Konstantin Filippou: 95 Punkte
1010 Wien; Essen: 50 Punkte
8. Mühltalhof: 95 Punkte
4120 Neufelden/OÖ; Essen: 49 Punkte
9. Alexander: 95 Punkte
6264 Fügenberg/T; Essen: 48 Punkte
9. Mesnerhaus: 95 Punkte
5570 Mauterndorf/S; Essen: 48 Punkte
9. Tanglberg: 95 Punkte
4655 Vorchdorf/OÖ; Essen: 48 Punkte
9. Triad: 95 Punkte
2853 Bad Schönau/NÖ; Essen: 48 Punkte
10. Steira Wirt: 94 Punkte
8343 Trautmannsdorf/ST; Essen: 49 Punkte
11. Esszimmer: 94 Punkte
5020 Salzburg/S; Essen: 48 Punkte
11. Guth: 94 Punkte
6923 Lauterach/V; Essen: 48 Punkte
11. Heimatliebe im A-Rosa: 94 Punkte
6370 Kitzbühel/T; Essen: 48 Punkte
11. Waldschänke: 94 Punkte
4710 Grieskirchen/OÖ; Essen: 48 Punkte
12. Almhof Schneider Restaurant: 94 Punkte
6764 Lech/V; Essen: 47 Punkte
12. Döllerer’s Wirtshaus: 94 Punkte
5440 Golling/S; Essen: 47 Punkte
12. Post: 94 Punkte
6764 Lech/V ; Essen: 47 Punkte
13. Mraz & Sohn: 93 Punkte
1200 Wien; Essen: 48 Punkte
13. Verdi: 93 Punkte
4040 Linz/OÖ; Essen: 48 Punkte

Die Neueinsteiger

1. Konstantin Filippou: 95 Punkte
1010 Wien; Essen: 50 Punkte
2. Frierss Feines Eck: 92 Punkte
9500 Villach/K; Essen: 48 Punkte
3. Almhof Schneider Wunderkammer: 92 Punkte
6764 Lech/V; Essen: 44 Punkte
4. Edvard im Kempinski: 91 Punkte
1010 Wien; Essen: 46 Punkte
4. Tannenhof: 91 Punkte
6580 St. Anton/T; Essen: 46 Punkte
5. Kilian Stuba: 89 Punkte
6992 Hirschegg/V; Essen: 45 Punkte
6. Late im Kloster Und: 88 Punkte
3500 Krems/NÖ; Essen: 45 Punkte
6. Opus im Imperial: 88 Punkte
1015 Wien; Essen: 45 Punkte
7. Brunnenhof: 87 Punkte
6764 Lech/V; Essen: 45 Punkte
7. Ceconi’s: 87 Punkte
5020 Salzburg/S; Essen: 45 Punkte
8. Fellacher Almdorf Seinerzeit: 87 Punkte
9564 Patergassen/K; Essen: 44 Punkte
9. Alpenzeit: 86 Punkte
5453 Werfenweng/S;  Essen: 45 Punkte
9. Kerbl’s Küche: 86 Punkte
4575 Roßleithen/OÖ; Essen: 45 Punkte

Die Reihung ergibt sich aus der Gesamtpunktezahl. Bei Gleichstand entscheidet noch zusätzlich die Küchenbewertung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21. März 2014)