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Ohne Investor ist DiTech am Ende

PK - 'DITECH-WACHSTUMSKURS GESICHERT': IZDEBSKI
APA/HERBERT NEUBAUER
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Der schwer angeschlagene IT-Händler braucht Geld zum Überleben und auch für das geplante Sanierungsverfahren. Er hat noch eine Woche Zeit.

Wien. „Morgen“ – dieses Wort wurde beim schwer angeschlagenen IT-Händler DiTech in den letzten Tagen überstrapaziert. Seit „Die Presse“ vor zwei Wochen exklusiv berichtete, dass das Unternehmen von der Pleite bedroht ist, kündigt DiTech-Chef Damian Izdebski nahezu täglich an, einen Partner an Bord zu holen und gleichzeitig ein Insolvenzverfahren anzumelden. Bisher blieb es allerdings bei der Ankündigung – auch gestern, Freitag, gab es keine neuen Fakten.
Damit bleiben Izdebski allerdings nur mehr wenige Tage, um sein vor 15 Jahren gegründetes, extrem rasch gewachsenes Unternehmen zumindest in Teilen zu retten und den Konkurs – und damit die Liquidation – abzuwenden. Denn Ende März werden nicht nur die Gehälter für die noch 255 Mitarbeiter fällig. Allein dafür braucht DiTech geschätzt rund eine Mio. Euro (inklusive Lohnnebenkosten). Es sind auch die Mieten für die 22 Geschäftslokale zu zahlen. So viel Geld dürfte der IT-Händler nicht mehr in der Kassa haben, heißt es in Kreisen der Gläubigerbanken.

Grossnigg als Retter?

Die Uhr tickt aber auch noch aus einem anderen Grund: Gläubigerschützer weisen darauf hin, dass die 60-Tage-Frist, innerhalb der ein zahlungsunfähiges Unternehmen – wie auch DiTech – Insolvenz anmelden muss, Ende März enden dürfte. Andernfalls drohe der Tatbestand der Konkursverschleppung.
DiTech-Sprecher Mario Gündl bestätigte der „Presse“ den extremen Zeitdruck und den drohenden Konkurs. Allerdings seien jetzt neue Interessenten aufgetaucht – ein österreichisches Konsortium und zwei ausländische Firmen. „Herr Izdebski führt rund um die Uhr Gespräche und kämpft bis zum letzten Augenblick“, sagte Gündl. Namen und einen neuen Zeitplan wollte er nicht nennen. Ebenso nicht, ob der deutsche Interessent mit polnischen Wurzeln, mit dem bisher verhandelt worden ist, inzwischen abgesprungen sei.
Prompt tauchten in der Branche Gerüchte auf, dass hinter dem österreichischen Konsortium Erhard Grossnigg stehen könnte. Grossnigg hatte 2004 schon bei Niedermeyer einen Wiederbelebungsversuch gestartet. Er wollte damals die inzwischen liquidierte Elektronikkette mit dem damals ebenfalls strauchelnden Cosmos zusammenschweißen. Der Plan ging nicht auf. Cosmos schlitterte 2010, noch vor Niedermeyer, in die Pleite.
Da sich die Verhandlungen so lange hinziehen, mehren sich auch Spekulationen, dass Investoren einen Konkurs von DiTech abwarten, um dann das Unternehmen „um ein Butterbrot“ – und vor allem ohne Altlasten – zu übernehmen.
Ohne einen Investor, der sofort Geld einschießt, kann DiTech das geplante Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung aber gar nicht anmelden. Essenzieller Teil dieses Konzepts ist eine solide Fortführungsprognose mit einer entsprechenden Überbrückungsfinanzierung. Unter der Ägide eines Verwalters hätte DiTech dann Zeit, binnen drei Monaten einen konkreten Restrukturierungsplan auf die Beine zu stellen. Innerhalb von zwei Jahren müsste den Gläubigern eine Quote von zumindest 20 Prozent gezahlt werden. DiTech hat laut der letzten vorliegenden Bilanz aus 2012 rund 23 Mio. Euro Verbindlichkeiten, davon knapp acht Mio. Euro bei den Banken. Hauptgläubigerbank ist die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien.

Keine Ware, keine Gutscheine

Die Rettung von DiTech wird auch dadurch erschwert, dass die Kreditversicherer schon die Deckung für neue Lieferungen ausgesetzt haben. Dadurch stockt die Warenanlieferung, weil die Lieferanten Anfechtungen fürchten. Die Kunden warten dem Vernehmen nach seit Wochen auf bestellte Ware. Auch Gutscheine werden nicht mehr eingelöst – andernfalls würde DiTech sich der Gefahr der Gläubigerbegünstigung aussetzen. Tausende Kunden haben inzwischen über Facebook eine Solidaritätsaktion gestartet. „Wir brauchen DiTech. Und nicht irgendwas“, heißt es.