Hausgeschichten: Noble Adresse "Am Kaiserforum"

Ein Umbau verwandelt das Eckhaus Nibelungengasse/Babenbergerstraße im Sinn seiner früheren Intention.

Als Kaiser Franz Joseph den Ausbau des Hofburg-Ensembles beauftragte, wurden die umliegenden Quartiere ebenfalls mitgeplant: die beiden großen Museen etwa, einige Palais an der Ringstraße und Häuserkarrees dahinter. Das trifft auch auf das Objekt an der Ecke Nibelungengasse/Babenbergerstraße zu, dessen Fassade von diesem ersten nachrevolutionären Bauboom zeugt: Der markanteste Teil des viergeschoßigen und rhythmisch gegliederten Gebäudes von Ferdinand Fellner ist der runde Eckrisalit. Sonst fügt sich das Haus mit seinem historisierenden Fassadendekor dezent in die gründerzeitliche Bebauung.

Begonnen wurde mit dem Bau vor 1869, die Fertigstellungsanzeige datiert vom 11. Jänner 1870. Die Ausstattung des Gebäudes stellte einen damals durchaus gehobenen Standard dar. An der Kapitaldecke des Errichters, Josef Brandeis, dürfte es wohl nicht gelegen sein, dass erst später, 1886 durch einen neuen Besitzer, Graf Palffy, eine Einreichung erfolgte, nachträglich „Aborte einbauen“ zu dürfen.

Bald wurde aus dem großzügig angelegten Wohnhaus ein Büroobjekt, das über lange Jahre in den Händen von Siemens war, später an Wüstenrot, dann weiter an eine eigene Besitz-GmbH ging, bis sich schließlich die Real-Treuhand Projekt und Bauträgergesellschaft entschloss, den Bau wieder in das umzuwandeln, was die Architektur ursprünglich intendiert hatte: eine noble Wohnadresse im nahen Umfeld der Hofburg zu sein.

Wiener Klassik

„Am Kaiserforum“ heißt das neue Projekt als Reverenz an seine Geschichte und sein Terroir. Das Gebäude wird generalsaniert, aus- und umgebaut. Das Büro Holzbauer und Partner (Architekt Fritz Kaufmann) plante jeweils drei Wohnungen pro Etage, zwischen 160 und 250 Quadratmetern groß. Mit seinen beiden Flügeln gehört das Haus schließlich zu den größeren Objekten in dieser ruhigen Insel zwischen Ring und Museumsstraße. Doch entgegen dem Trend, im Luxusimmobiliensegment Purismus und Coolness walten zu lassen, setzt man hier ein Bekenntnis zur Tradition – nicht opulent und imperial, sondern als dezente Wiener Klassik. Was sich auch im Konzept der Wohnungen widerspiegeln soll, die Titel wie die „Mondäne“, die „Extravagante“ oder die „Ruhige“ tragen. Diese Wesensarten lassen sich durchaus an ihren Grundrissen erkennen. In der Beletage verfügen diese Luxuswohnungen zudem über eine große Terrasse in einen der zwei Höfe, für alle anderen wird ein Balkon hinzugefügt.

Ein erster Schritt der Um- und Rückverwandlung ist bereits vollzogen – alle sichtbaren Zeichen eines früheren Büroalltags und gröberer Um- und Aufbauten in den Dreißigerjahren sind schon entfernt, die Teppichböden, die Zwischenwände, die Verkleidungen.

Zudem wurden die leeren Räumlichkeiten künstlerisch zwischengenutzt: Durch eine Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste, eine Fotoausstellung oder eine „Kunstbaustelle“ kamen auch Interessenten in das Haus (einige Wohnungen sind bereits verkauft) – noch über einen schmalen alten Eingang und ein hohes Treppenhaus. In Hinkunft werden die Bewohner des Hauses durch ein Vestibül eintreten, das der Halle von damals entspricht. Ein großes lichtes Entree mit Glasdecke und Kamin vermittelt dem Besucher sofort, wo er sich befindet. Mitten in Wien, im Dunstkreis der Hofburg.

ZUM OBJEKT

„Am Kaiserforum“ an der Ecke Nibelungengasse/Babenbergerstraße in 1010 Wien. 1870 errichtet, in den Dreißigerjahren das Dach aufgestockt und innen gröber umgebaut. Projekt der Real-Treuhand Projekt und Bauträgergesellschaft. Generalsanierung, Um- und Ausbau (französische Balkone, Terrassen, Dach) durch Holzbauer und Partner. Umwandlung eines Büroobjekts in ein luxuriöses Wohnhaus. 12 Wohnungen, drei pro Etage (160 bis 250 Quadratmeter), drei Maisonetten im Dachausbau.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2014)

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