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Neandertaler aß wie wir

Die Geschichte der Menschheit
(c) ORF
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Auch die bisher letzte Hypothese zum Verschwinden der Cousins – andere Nahrung – ist obsolet.

Irgendetwas geschah vor 35.000 Jahren in Europa: Die Neandertaler, die seit hunderttausenden Jahren in der Region lebten, verschwanden, und Homo sapiens, der gerade erst von Afrika her eingewandert war, machte sich breit. Wie das? Spuren von Gemetzeln gibt es nicht, also setzte man lange darauf, dass die Neandertaler dem H.sapiens an Intellekt nachstanden und etwa über weniger ausgefeilte Jagdtechniken verfügten.

Aber jagen konnten sie so gut wie H.sapiens, sie verfertigten auch Schmuck, und zumindest regional bestatteten sie auch ihre Toten. Alles Leistungen, die von entwickeltem Intellekt zeugen. Aber vielleicht jagten sie anderes, nur großes Wild, während H.sapiens eine breitere Palette hatte und sich auch an Kleinerem bediente, vor allem an Fisch? Das ist die bislang letzte Hypothese, bestätigt wurde sie durch Analysen der Stickstoffisotope in den Zähnen.

Allerdings hatten diese Analysen eines übersehen: Der Stickstoffgehalt ändert sich nicht nur dann, wenn eine andere Nahrung verzehrt wird, sondern auch dann, wenn die Nahrung die gleiche geblieben ist, sich aber das Klima gewandelt hat.

Um das zu prüfen, hat Hervé Bocherens (Tübingen) Zähne von Tieren analysiert, die zur fraglichen Zeit in Europa lebten (Journal of Human Evolution, 17.4.). In ihnen zeigte sich die gleiche Veränderung der Isotope, in allen, auch bei Wölfen. Und die haben wohl nicht plötzlich auf Fisch umgestellt. Sondern die Pflanzen nahmen Stickstoff anders auf, das ging die Nahrungskette hinauf. Und warum nahmen sie ihn anders auf? Des Klimas wegen: Es wurde trockener. (jl)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2014)