Wie blockiert man Twitter? Man muss schon so wie Peking eine irre "Great Firewall of China" aufbauen, um wenigstens zu einem Teilerfolg gegen ein soziales Medium zu kommen.
Recep Tayyip Erdoğan hat wie 2500 Jahre vor ihm der persische König Xerxes versucht, das Meer auszupeitschen. Weil auf Twitter belastendes Material wegen Korruption gegen den türkischen Premier und seine Familie verbreitet worden war, drohte er diesem sozialen Medium mit seinen kurzen Botschaften: „Wir werden Twitter mit der Wurzel ausreißen!“ Das war ein bisschen zu großspurig, denn jetzt ist der Chef der islamischen Konservativen die Lachnummer seiner Nation. Zwar ließ er Twitter sperren, aber sofort fanden Millionen türkischer Nutzer Wege, um die Blockade zu umgehen. Von Edirne bis zum Ararat wurde getwittert, was das Zeug hielt. Wer #turkeyblockedtwitter eingibt, kann Follower in Fülle finden und zudem sehen, wie das Problem Erdoğan weltweit diskutiert wird.
Goldenes Schutzschild. Das Internet zu kontrollieren ist unmöglich. Selbst die Großmacht China muss enorm investieren und all ihre Technologie aufwenden, um durch ihr „goldenes Schutzschild“ zumindest Teilerfolge gegen die freie Datenflut zu erzielen. Diese Politik aber führt dazu, dass das Internet in China langsamer funktioniert als in der freien Welt. Flächendeckende Zensur hat einen hohen Preis. Und selbst sie kann leicht umgangen werden. Wer über VPN (Virtual Private Network) verschlüsselt Daten sendet, ist vor Schnüffelei und Blockade angeblich sicher. Nicht einmal Peking kann es sich leisten, jene ausländischen Firmen zu verärgern, mit denen es große Geschäfte macht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2014)