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Syrien-Krieg: Türkei schießt syrische MiG ab

TURKEY SYRIA AIR PLANE DOWNED
(c) APA/EPA/STF/ANADOLU AGENCY (STF/ANADOLU AGENCY)
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Kampfflugzeug soll türkische Grenze überflogen haben und wurde abgefangen. Damaskus dementiert Grenzverletzung und spricht von „beispielloser Aggression“ der Türkei.

Ankara/Damaskus. Über der türkischen Provinz Latakia nahe der Grenze zu Syrien hat sich am Sonntag ein schwerer Luftzwischenfall ereignet: Türkische F-16-Kampfflugzeuge stellten zwei syrische Jets, die auf der syrischen Seite im Einsatz gegen Rebellen waren und sich schnurstracks der Grenze genähert hatten. Einer davon drang laut Angaben des türkischen Militärs trotz Warnungen in den türkischen Luftraum ein und wurde vermutlich durch eine Luft-Luft-Rakete einer F-16 zerstört.

Die Maschine vom angejahrten sowjetischen Typ MiG-23 Flogger des Herstellers Mikojan-Gurewitsch ging am Nachmittag auf syrischer Seite nahe der Grenzstadt Kasab (Provinz Latakia) nieder. Fernsehbilder zeigten eine Rauchsäule über den bewaldeten Hügeln entlang der Grenze. Die andere MiG habe laut den Türken rechtzeitig abgedreht. Syrien dürfte derzeit maximal etwa 140 MiG-23, das sind typische Kampfflugzeuge der 1970er-Jahre mit schwenkbaren Tragflächen, besitzen. Laut syrischen Medien konnte sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten.

 

Erdoğan feiert Abschuss

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan gab den Abschuss während einer Wahlkampfkundgebung in der nordwesttürkischen Provinz Kocaeli bekannt. „Wenn man meinen Luftraum verletzt, wird unser Schlag danach hart ausfallen“, tönte er vor Anhängern seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP, die sich vor der am 30.März geplanten Kommunalwahl versammelt hatten. Der Premier, der wegen Korruptionsskandalen und seines Vorgehens gegen elektronische Medienplattformen wie Twitter schwer unter Beschuss steht, gratulierte der Luftwaffe zu ihrem Erfolg.

 

Mehrfach Grenzscharmützel

Seit Beginn des Bürgerkriegs Anfang 2011 gab es entlang der türkisch-syrischen Grenze mehrfach Zwischenfälle und Anschläge auf türkische Posten. Im September 2013 schoss die Türkei einen syrischen Militärhubschrauber ab. Er habe die Grenze überflogen und sei mehrfach gewarnt worden, erklärte Ankara. Im Jahr zuvor hatte die syrische Luftverteidigung über dem Mittelmeer eine türkische F-4 Phantom abgeschossen, wobei die Details strittig blieben.

Syrien verurteilte den Abschuss. Das Außenministerium nannte die „türkische Aggression“ „beispiellos“. Der Vorfall reflektiere den „Bankrott Erdoğans“.

Um Kasab nahmen Rebellen auf syrischer Seite kürzlich den letzten Grenzübergang zur Türkei ein, der noch von Regierungstruppen kontrolliert worden war. Nach Berichten von Revolutionsaktivisten war an den Kämpfen in Kasab auch die islamistische al-Nusra-Front beteiligt, die von westlichen Geheimdiensten als Terrororganisation betrachtet wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2014)